
Schwarzgeldaffäre am Oberhausener Schauspiel
Lasst uns zusammen Kohle machen!
„Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Dieses Zitat von Bertolt Brecht kann in jetziger Zeit richtig gefallen. Wir werden deshalb nicht alle zu Bankräubern. Aber das Thema Geld ist emotionsgeladen und mündet weltweit in innige Kapitalismuskritik. Und wo es um Geld geht, kommt man schnell zum Sparen und das führt geradewegs zu den Kommunen, über die der Pleitegeier in einem Loop kreist und das Wasser läuft ihm im Schnabel zusammen, schaut er auf Oberhausen und zoomt sich aufs Theater. Und genau hier, am ewig in Frage gestellten Institut, wird eine geheime Agentur tätig, um eine Schwarzbank zu eröffnen – offiziell und mit Mitteln der Bundeskulturstiftung.
Kohle für alle!
Das Projekt „Kohle für alle“ handelt vom Geld, und zwar vom selbstgemachten. Warum nicht eine eigene Währung erfinden? Das gibt es weltweit in der einen oder anderen Gemeinschaft, in Deutschland und anderswo. Eine Gemeinde in Potsdam will den „Hugo“ einführen, in der Schweiz gibt es den WIR-Franken, in Schweden das JAK-System und in Brasilien in einem Stadtteil von Fortaleza den „Palmas“. Vertreter der Gemeinde Palmeiras waren in Oberhausen zu Gast. Die freie Aktionsgruppe geheimagentur „produziert Situationen und Einrichtungen, die wie Fiktionen erscheinen“ und dann doch der Realität nahe sind. In Kooperation mit dem Theater Oberhausen werden so bis zum 31.3. diverse Aktionen stattfinden, u.a. eine Diskussion mit Prof. Claus Leggewie und dem Oberhausener Stadtkämmerer, der gleichzeitig für die Kultur verantwortlich ist, Apostolos Tsalastras (ja, das ist kein Scherz), dem die Sympathien im Publikum der Eröffnungsveranstaltung zuflogen, gibt es doch ein Statement für die Kultur in Oberhausen ab.
Alles über Kohle – Tumulte und Klappermusik

Neue Rolle des Stadttheaters
Das Stadttheater als kommunales Zentrum für gesellschaftliche Fragen, Auseinandersetzungen, Diskussion, Vorträge und Aktionen – offen und beunruhigend und dazu ein Spielplan mit allerlei Schwerpunkten – das könnte die zukünftige Rolle des Theaters sein. Eine Aktion wie „Schwarzbank“ wäre früher noch aus der freien Szene gekommen, hätte aber sicher nicht diese Aufmerksamkeit erhalten, wäre vielleicht nur als Gag durchgegangen. So ist das Stadttheater zeitnah am Puls und das Publikum muss sich gefallen lassen, dass eben nicht mehr nur die kunstvolle Inszenierung dominiert, sondern auch mal mit Geld geworfen wird oder ein Aufruf zum Aufruhr von der Bühne erschallt, der die städtische Bevölkerung erreicht und nicht Teil einer Inszenierung ist, aber wohl einem Spiel mit Möglichkeiten der Veränderung.
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