Schöne Aussichten - Ausstellung zu Alter und Jugend im Dortmunder U

Generationen im Dialog?

Die Ausstellung „Schöne Aussichten“ im Dortmunder U sollte ein Jugend- und Tanztheaterprojekt begleiten, das im Februar im Depot in Dortmund aufgeführt wurde. Aber heraus kam eine eigenständige Gruppenausstellung mit sehr unterschiedlichen künstlerischen Positionen zum Thema „Generationen“.

 

I'm not trying to cause a big s-s-sensation - Talkin' 'bout my generation
I'm just talkin' 'bout my g-g-g-generation
(THE WHO)

Fotografie, Skulptur und Installation, Video und Collagen, Malerei und Zeichnung von 18 Künstlern und Künstlerinnen, die sich mal sehr nah oder eher im weitesten Sinn mit der Thematik Jugend und Alter auseinandersetzen. „Ein Ausschnitt sehr unterschiedlicher Blickwinkel von humoristisch, analytisch oder den Besucher zum Mitmachen einladend. Die vielen Positionen spiegeln die vielen möglichen Zugänge zum Thema“, erklärt Alischa Leutner, Kuratorin der Ausstellung.


In jedem Jungen steckt ein Alter

Der Flyer zur Schau zeigt ein Jeans-Bein in räudigen Sneakers und eins in feiner Stoffhose mit Herrenschuh. Ein Körper, zwei Lebensphasen? Oder ein Körper zwei Perspektiven auf sich selbst? Wie passen da die 50- bis 60-Jährigen in Chucks und Kapuzenpulli rein? Was ist mit den Müttern und ihren Töchtern, die in den gleichen Boutiquen einkaufen?  Ob Facebook, Rucksackreise, Computerspiele oder die neuste Mode. „Wissen, was grad geht“, ist längst kein Privileg der Jugend mehr. Die interessantesten Werke der Ausstellung sind auf eine gute Art „zeitlos“ wie der Generationenkonflikt aus der Mode gekommen.


Stilsicher und selbstbewusst haben einige sehr junge Künstler ihre Form offenbar schon gefunden. So zum Beispiel die 22-jährige Malerin Stephanie Neuhaus und ihre tollen, rätselhaften Gemälde irgendwo zwischen gegenständlich und abstrakt. Oder die spannenden Arbeiten von Lena Schmidt, ihre beeindruckende Stickerei auf Alltagsresten mit klassischen Motiven.


Nah dran und weit enfernt - "Generation" ist ein großes Wort

Alle Arbeiten der Ausstellungen wurden zwar durch eine Ausschreibung gefunden, doch Kuratorin Leutner erklärt offen, alle Interessierten hätten einen Platz in der Schau, aber keine Vorgaben bekommen. „Wenn man Auftragsarbeiten machen lässt, wird die Situation verfälscht“, sagt sie. Bei einigen lässt daher der Bezug „Jung/Alt“ oder „Generation“ nur mit gewissem Aufwand herstellen - nicht unbedingt zum Nachteil des Werks. Der kuratorische Überbau bei Gruppenausstellungen wirkt ohnehin oft gewollt und gespreizt.

Konzeptionell und klar am Thema arbeitet Silke Schönfeld in ihrer Serie „Geschwister“. Sie hat erwachsene Kinder in der Kleidung ihrer Eltern und in Posen fotografiert, wie sie sie in den Familienalben vorfand. Die Fotos wirken trotzdem auf eigentümliche Weise nicht gestellt. Nur, hier stimmt etwas nicht, es dauert bloß eine Weile das zu erkennen. Eine schöne Art den Satz „Wir sind nur das Echo unserer Eltern“ künstlerisch zu verarbeiten.

Nah am Thema Jugend und Alter sind auch die zwei „Bastelarbeiten“ von Holger Küper, der ein Dreirad zum Spaceshuttle und aus Fahrradhelm und allerlei Kram eine Mini F22 gebastelt hat. Ein Junge träumt sich in den Himmel, bastelt Maschinen und wird vielleicht mal Ingenieur. Oder vergisst das Träumen und Fliegen irgendwann.

 

Erinnerungen an ein fremdes Leben

Eher sperrig, doch bei längerer Betrachtung angenehm melancholisch und Erinnerungen an ein Leben weckend, das man nie geführt hat, ist die Arbeit von Richard Opoku Agyemang „Nouvelle Vague No. 2“. Alte Postkarten, eine Topfblume, seltsame Sätze auf Karteikarten, Tiere in Einmachgläsern schaffen an mehreren Säulen im Raum ein Panoptikum der Erinnerung. An Geschehnisse oder ein Leben, das man wohl selbst dann nicht mehr zusammenbekäme, wäre es das eigene gewesen.

Trotz schwächeren, allzu nahe liegenden Arbeiten ist „Schöne Aussichten“ insgesamt sehenswert und ermöglicht die Entdeckung (meist) junger Talente aus der Region. Und wem das zu viele unterschiedliche Perspektiven und Methoden und Künstler sind, der ist vermutlich schon zu alt dafür.

 

Die Ausstellung ist noch bis 18. März im Dortmunder U, 2. Etage. EINTRITT FREI

Di, 28.02.2012 0

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25.03.2010

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