Schachtzeichen sorgen für sympathisches Gemeinschaftsgefühl

Bis zuletzt konnte ich mit dem RUHR.2010-Prestigeprojekt Schachtzeichen nichts anfangen. Für mich war es in der Theorie ein unnötig rückwärtsgewandter Blick, anstatt den Fokus auf Gegenwart und Zukunft zu legen. Zumal die zahlreichen Industriekulturstätten dem vergangenen Kohle & Stahl-Zeitalter verdientermaßen schon genug Respekt erweisen.

Aber siehe da, seitdem die gelben Ballons am Himmel zu sehen sind, bin ich plötzlich Fan! Zu den „Aufsteig“-Orten samt Volksfesten zieht es mich deshalb zwar nicht umgehend, aber ich freue mich dieser Tage dennoch, wenn ich im RE1 aus dem Fenster schauend oder auf dem Weg in den Park ein großes gelbes Etwas erblicke. Ist so ein bisschen wie zu Kindeszeiten Ostereier suchen.

Daneben macht es reichlich Spaß, sich durch Zeitungs- & Blog-Seiten aller Art zu klicken und dabei von der professionellen Aufnahme bis zum Laien-Schnappschuss auf tausende von Schachtzeichen-Bildern zu stoßen. Es sind gleichzeitig Blicke aus dem Ruhregebiet und auf das Ruhrgebiet. Gerade durch ihre selbst geschossenen Fotos werden Bewohner und Besucher nun endlich zu einem aktiven Teil der Kulturhauptstadt, die dadurch erst so richtig ihren Platz im Bewusstsein einer breiten Masse findet.

Unbekannte Orte entdecken

Mir persönlich wird dank der Vielzahl an Motiven bewusst, wie viele schöne und für mich unbekannte Orte es vor meiner Haustür noch zu besuchen gilt. Auch und vor allem in der Zeit nach Schachtzeichen.

Mit Sicherheit hat RUHR.2010 zunächst Glück, dass ausgerechnet zum Auftakt an Pfingstsamstag gleichzeitig der Sommer sein Stelldichein gibt. Im Nieselregen hätten die Ballons wohl weniger sonnig und herzerwärmend gewirkt.

„Orkanartige Böen“ wie am folgenden Montag zwingen die Organisatoren dann auch dazu, das Spektakel zu unterbrechen, nachdem sich in Recklinghausen ein Exemplar verselbstständig hat. Am Abend werden die verbliebenden nunmehr hell erleuchteten Nachtschachtzeichen von 22-1 Uhr immerhin auf eine Sicherheitshöhe von 30 Metern wieder in die Lüfte gelassen.

Ob in Zügen oder Biergärten, die Ballons sind Gesprächsthema und jeder zählt auf, wann und wo er schon einen oder mehrere erspäht hat. Schachtzeichen hat ein selten sympathisches und fast ideologiefreies Gemeinschaftsgefühl geschaffen.

Fortsetzung?

Offiziell endet das Projekt am 30. Mai, aber warum nicht mit den Ballons am 19. Juni die 50 Spielorte der Extraschicht kennzeichnen und/oder am 18. Juli die verbliebenen 310 (einer ist ja futsch) beim Stillleben-Event entlang der A 40 aneinanderreihen?

Fotos: RUHR.2010 / (Teaser: Manfred Vollmer in Essen; Text1: Ulla Michels in Moers; Text2: Oliver Schaper in Dortmund)

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Do, 27.05.2010 3

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Kommentare

Standort

Ich hab gehört, dass bei euch auf dem Tippelsberg ein Massenauflauf gewesen sein soll. Auf dem respektablerweise extra für die Nachtschachtzeichen bis kurz vor 1 Uhr geöffneten Bismarkturm ging es hingegen entspannt zu. Um Mitternacht herum waren es im Durchschnitt ein halbes Dutzend Nachtschwärmer. Drei Ballons waren richtig gut zu sehen, bei anderen Objekten war man sich nicht immer so sicher...

Wir sind extra auf den

Wir sind extra auf den Tippelsberg getippelt, um zu sehen, dass sie gestern nicht aufgestiegen sind. Immerhin kann ich einen von meiner Wohnung aussehen :-) http://www.coolibri.de/blogbird/22.05.+ein+schachtzeichen.html

ich

fand es dann doch auch irgendwie spannend. nur schade, dass sie so tief hängen, zumindest gestern abend...

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05.01.2010

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Metropole Ruhr
Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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