
Rundlauf - Marion Stephan in der Goldkante
- Serie: Kunst
In der neuen, noch unverkleideten Goldkante, stellte die Künstlerin und Goldkanten-Stammgästin Marion Stephan Ölgemälde aus ihrer Reihe BOY aus. In dem leeren, geräumigen Ladenlokal hingen eindrucksvolle, schwermütige Portraits und die Künstlerin saß rauchend und guter Dinge daneben und hielt einen Plausch nach dem anderen.
Wie bist Du auf die Idee gekommen diese Reihe zu machen?
Marion: "Grundsätzlich interessiert mich der Teenager an sich, als fremdes Wesen. Der Mensch, der noch nicht fertig ist, der noch keine vernünftige Sprache und Gedankengänge hat und sein eigenes Innerstes noch ordnen muss, diese Unfertigkeit und Unberechenbarkeit des Teenagers, das ist das was ich spannend finde."
Und Du suchst sie in den Gesichtern der Teens?
Marion: "Am Teenagergesicht erkennt man noch keine Spuren, die sind relativ schwammig und unfertig, man weiss noch nicht wohin die Richtung geht. Man kann das manchmal erahnen, meistens aber nicht. Da ist alles total in der Schwebe, die Gedanken, das Gesicht, die Sprache – nichts ist berechenbar."
Und diesen Zustand versuchst Du einzufangen?
Marion: "Ja. Meistens überspielen die Teenager ihre Not, ihr Leiden und das Nicht-zurecht-kommen mit der Welt durch Coolness. Manchmal gibt es aber diesen Moment, wenn das durchbricht."
Wo findest Du diesen Moment?
Marion: "Wenn ich kleine Gruppen von Jungs beobachte, die an der Straßenecke stehen, dann merke ich manchmal, wie einer heraussticht und ganz traurig oder verzweifelt guckt - dann bricht das durch. Die gucken auch runter dabei, weil diesen Moment, wo es nicht mehr cool ist, wo nicht rumgeflapst wird, den soll keiner sehen. Und in diesem Moment zeigt sich in diesem unfertigen Gesicht so eine Stimmung, die nicht happy und fröhlich ist. Das ist so ein Moment des Aufgebens, wo die Kraft nachlässt und die Tragödie des Teenagertums sich offenbart, das fasziniert mich."
Ich schaute mir die Bilder nach dem Gespräch noch einmal genauer an und fühlte mich in der Tat an meine Teeniezeit erinnert. Leider blieb keine Zeit für Nostalgie, der straffe Zeitplan trieb uns Richtung Westen, wo die Rottstr. 5 und das FKT warteten ...
Fotos: Sven Neidig
Rundlauf - Animalism im FKT
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