RUHR.2010 - Zum Malen in den Keller gehen? Oder nach Köln?

Am Samstag habe ich mich mit einem guten Bekannten unterhalten. Er ist einer dieser talentierten und tatendurstigen Künstler, die hier alle so gerne fördern wollen. Deshalb gibt es ja diese ganze Nummer mit den Kreativquartieren. Was so ein Künstler braucht, sind zwei einfache Dinge, ein Atelier und Ausstellungsfläche. Das war's auch schon. Beides sucht er.

Beides gäbe es in Bochum zum Beispiel in der Bastion sogar in guten Rahmenbedingungen. Das Gebäude wird ja heute quasi in der Form eines Kreativquartiers genutzt, also mit Büros und Ateliers und gegenseitiger Befruchtung der arbeitenden Menschen (nur ganz nebenbei: Obwohl das Ding komplett ausgelastet ist, hat sich das auf das unmittelbar umliegende Viertel am Springerplatz kaum in irgendeiner Weise ausgewirkt, obwohl es ja immer heißt, es gäb quasi in Sekunden Bioläden und Latte Macchiato. Stattdessen stand letztens etwas in der Westend Gazette etwas von einem angedachten Aus- beziehungsweise Bau auf die Bastion durch einen privaten Investor).

Die Bastion ist jedenfalls komplett vermietet. Er hat mich gefragt, ob ich noch was anderes, ähnliches wüsste. Und ich bekam ein beklemmendes Gefühl, weil ich in der Tat auch nichts wusste, außer vielleicht mal diesen und jenen zu fragen. Das muss man sich mal vorstellen: In einer Kulturhauptstadt Europas gibt es innerhalb der Stadtgrenzen einer 400.000er Stadt keinen hinreichend bekannten Raum für künstlerisches Arbeiten - wohlgemerkt bei durchaus existierendem Leerstand. Währenddessen wird wohl das Kreativquartier Bochum ein kompletter Neubau. Dabei ist die vielleicht beste Lösung doch auch die einfachste: Eine Internetseite, in der Immobilienbesitzer mit Leerstand ihre Angebote zu entsprechend reduzierten Preisen anbieten (auch schon lang angekündigt, aber ist vielleicht auch eher was für 2011 oder 2012). Dafür bekommen sie einen tollen Mieter und eine Aufwertung der Immobilie. Stattdessen wundert man sich, wenn genau solche Menschen in Essen und Dortmund am Ende Häuser besetzen, um Arbeitsräume zu bekommen?

Und nun? Er überlegt nach Köln zu ziehen, wie viele andere auch. Was viele Menschen in den vergangen Jahre hier gehalten hat, war vielleicht die Hoffnung auf Besserung. Wenn in einem Jahr der Kulturhauptstadt am Ende nichts passiert ist, dann ist die Geduld bei vielen am Ende.

Atelier gesucht

Vielleicht kann man das verhindern und vielleicht kann ja ein getreuer Leser helfen. Gesucht wird ein kleines "bezahlbares" Atelier mit vielleicht 20m² in recht zentraler Lage in Bochum, am allerbesten natürlich südliche Innenstadt. Auch eine Wand vielleicht in einem Café oder Restaurant ist natürlich immer gesucht. Wenn jemand Wand, Raum oder Idee hat, vielleicht am besten einfach im Kommentarbereich posten oder hier oben unter „mitmachen“ einen kostenlosen Account erstellen und mir dann eine Private Message schicken. Ich stelle dann gerne einen Kontakt her.

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Mo, 16.08.2010 11

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Kommentare

naja...

...es wird vielleicht denen viel geboten, die sich bereits anderwärts oder sonstwie etabliert haben. Aber es geht hier für vor allem für Starter doch schon anders ab als in Köln, Berlin, Hamburg oder anderen Metropolen. Ja richtig: günstig sind Räumlichkeiten z. B. in Bochum schon... aber dafür ein noch selteneres Gut als in den obengenannten Städten. Und: in Köln ist es im Gegensatz gar nicht mal unbedingt so viel teurer. Wenn man Glück hat (ja das braucht man da natürlich auch), zahlt man für ein Gemeinschaftsatelier nicht unbedingt mehr als hier... um die 100 Euro/Monat.

Aber warum Künstler auch weggehen(, glaube ich): man verbindet das RG wohl allgemein einfach immer noch eher weniger mit Dichtern, Musikern, Malern usw. - meistens gehts hier ja doch um die Verarbeitung der Ruhrgebietsgeschichte (Kohle, Stahl usw.), was durchaus auch künstlerisch geschehen kann. Allein deswegen zieht es ja manche Künstler hier auch hin - aber viele auch weg. Um auf solch einem Fundament erfolgreich zu sein, wo zudem wirtschaftliches Denken eben wg. der lokalen Geschichte eine besondere Bedeutung hat und immer schon hatte, sind die Voraussetzungen für künstlerisches Arbeiten halt nicht gerade die attraktivsten.

Oh gut, dass sie das sagen.

Oh gut, dass sie das sagen. Natürlich wird für eine Atelierfläche auch bezahlt. Das trage ich im Text direkt mal nach, damit keien Missverständnisse aufkommen.

Da fällt mir gerad noch ein Interview eines Kollegen ein, dass die Sache mit dem dem Klima ganz gut im Unterscheid zu Berlin beschreibt. 1. Teil hier, geht dann in zweitem Teil von dort aus weiter.

http://www.2010lab.tv/blog/%E2%80%9Ewir-m%C3%BCssen-die-leute-machen-las...

Fehlendes Klima

Danke für die postivie Rückmeldung.

Zum Thema Klima, das fehlt, um Kreativen Raum zu bieten. Und Rahmenbedingungen die fehlen sollen. Ich denke nach wie vor, das zum Klima nicht zuletzt die Kreativen durch erfogreiche Projekte und durch das Zugehen/ Bemühen auf Vermieter und Institutionen etwas beitragen können. Und Raum bieten müssen Eigentümer von Immobilien nicht, aber sie können. Dazu fehlt denen kein Klima sondern sie haben (berichtigte?) Sorge, dass die Miete nicht pünktlich bezahlt wird.

Rahmenbedingungen? Hört sich ein wenig nach einer Ausrede an, von wegen erst mal sollen andere etwas tun. Vieles ist im Aufbau, und das erfährt man, sobald man sich mit den Themen intensiver beschäftigt und sein Netzwerk pflegt.

Ihr Freund sucht kostenlose (?) Ausstellungsflächen in zentraler Lage am besten südliche Innenstadt. Das ist nicht einfach. Ich suche eine Eigentumswohnung mit Garten in ruhiger und guter Lage zu dem bezahlbar. Da werden wir beide noch suchen müssen... und in Köln erst recht.

Aber diese schwierige Suche bedeutet nicht, dass das Projekt Kreativquartiere nicht funktioniert. Das ist ein richtiger Weg, der da begonnen wurde und noch nicht mehr.

Ich bleibe dabei, dass Kreativen im Ruhrgebiet schon eine Menge geboten wird, nur eben keine gebratene Taube die automatisch in den Mund fliegt...

Da stimme ich ihnen in vielen

Da stimme ich ihnen in vielen Punkten zu. Die Sache mit der finanziellen Subvention und deren Gefahren, ist hier übrigens auch thematisiert

http://www.2010lab.tv/blog/die-frage-ist-vielleicht-ob-kreativwirtschaft...

Was hier eben fehlt, ist weder Leerstand noch das Geld, sondern ein Klima, auch den etwas "unwirtschaftlicheren" Künstlern/Kreativen Raum zu geben. Und klar muss sich jeder selbst um seinen Raum kümmern, aber das heißt ja nicht, dass man nicht auch im Ruhrgebiet Rahmenbedingungen schaffen muss, dass diese Suche auch am Ende von Erfolg gekrönt sein kann. Die wachsende Diskussion über das Thema durch RUHR.2010 und die Schaffung von Artist Contact Points sind da sicherlich gute Beiträge. Schade ist dann nur, wenn solche Infos so versteckt auf irgendeiner web.me Adresse "versteckt" sind und nicht hier, bei ruhr2010.de oder die websites der Ruhrstäde gut verknüpft sind, damit sie auch wahrgenommen werden. Nicht zuletzt auch hier um ein Klima zu schaffen, dass man helfen und Veränderung will.

Kreativquartiere für Kreativunternehmen

Der Unterschied zwischen Künstlern und Kreativunternehmen liegt oft in den finanziellen Möglichkeiten.

Das Beispiel im Bochumer Viertel vor zeigt, dass Kreative selbst tätig werden müssen, um ein Quartier zu schaffen.

Aber man benötigt natürlich als Kreativer (Künstler?) Geld, um Mieten bezahlen zu können, und die sind im Ruhrgebiet tatsächlich vergleichsweise sehr erschwinglich. Hier gilt wie überall das Prinzip von Angebot und Nachfrage, und die Aussage, dass der Leerstand oft noch zu teuer ist, tja, das ist Marktwirtschaft und wird sich evtl.regulieren, wenn Vermieter die Chance erkennen, dass Kreative auch verläßliche Mieter sind, (denn das ist das einzige, was einen Vermieter wirklich interessiert), die aber eher weniger Miete bereit sind zu zahlen. ist. Aber der erste Schritt muss von den Kreativen selbst kommen. Da muss mit Eigentümern geredet werden, das ist mühsam, aber wer, wenn nicht der Mietinteressent selbst, sollte das übernehmen? Das war bei der Bastion nicht anders.

Ein Künstler muss sich wie jeder andere (erwebsmäßig?) tätige selbst um Arbeitss- (Ausstellungs-)räume kümmern, ebenso darum, Kontakte zu knüpfen und sein Netzwerk auszubauen. Das muss er in Köln ebenso wie in jeder anderen Stadt tun. Das Ruhrgebiet hat nun mal traditionell nicht den Ruf, die große Kreativszene zu haben, aber daran hat sich - nicht zuletzt durch Ruhr.2010, den Artist Contact Point, die Kreative Klasse Ruhr, das t.a.i.b, die CREATIVE STAGE Ruhr - einiges verbessert. Da gilt es, mitzumachen. Im Ruhrgebiet gibt es immerhin die Möglichkeit, etwas aufzubauen und günstige Mietflächen kommen dazu.

Aber es ist viel Eigeninitiative erforderlich, um erfolgreich zu sein! Sonst bleibt tatsächlich nur der Keller...

Und nach meiner Einschätzung haben Künstler oft eine hohe Erwartungshaltung und z.T. auch Naivität , von wegen ihre Kunst muss finanziell unterstützt werden, die andere Kreative nicht haben, sondern statt desssen erkennen, wovon sie leben können (und wovon nicht) und was dazu erforderlich ist an Inititiative.

So sieht's aus!

Ein wirkich interessanter Beitrag, über den es sich mal nachzudenken lohnt! Mich erfreut es, dass es doch noch aufmerksame Leute gibt, die mal mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen, sich nicht von (Respekt einflößenden, ach so schön glänzenden) Titulierungen wie eben "Kulturhauptstadt" blenden lassen und stattdessen Sachverhalte aufzeigen, wie sie wirklich sind.

Vielen Dank an den Verfasser!

@Gast Ihren Einwand verstehe

@Gast
Ihren Einwand verstehe ich ehrlich gesagt nicht... Ebensowenig wie ich diese strenge Trennung zwischen Künstlern und Kreativunternehmen verstehe. Vieles scheint sich doch auch zu überschneiden. Künstler arbeiten als Grafiker, verkaufen ihre Werke, arbeiten als Tontechniker, wie auch immer. Das Kreativquartierte durchaus bezahlbar sein sollten und nicht nur für bereits etablierte Marken und Namen gedacht sind, sehe ich (vielleicht im Gegensatz zu ihnen) auf jeden Fall so.
Und niemand hat behauptet, dass Köln umsonst ist (ganz im Gegenteil sollten die dortigen Mieten jeden gut überlegen lassen, ob er den Schritt wirklich riskiert), aber Köln hat eine lebendige Kreativszene, die den Schritt durchaus lohnenswert machen können.
Genug Leerstand gibt es, steht auch im Text, aber eben teilweise nicht nutzbar, weil eben immer noch zu teuer und obendrein fehlt auch hier die Möglichkeit der Vernetzung, wie zum Beispiel in der Bastion, Freiaum oder UZ.
Viertel Vor ist in der Tat ein schönes Beispiel, wo Dinge von sich aus gewachsen sind. Aber daher ja auch die Suche bevorzugt Südinnenstadt, da liegt Ehrenfeld ja bekanntlich.

Kreativquartiere für Kreativunternehmen

Ich denke Kreativquatiere richten sich nicht in erster Linie an Künstler, sondern viel mehr an Kreativunternehmen, also wirtschaftliche tätige Kreative - die dann auch eine entsprechende Miete bezahlen können ... und Gewerbesteuer zahlen und und und ... An kostengünstigen Angeboten mangelt es im Ruhrgebiet nicht, da dürfte Köln um einiges teurer sein - siehe immoscout 24. Und das viertel vor Ehrenfeld bietet das in Bochum das beste Beispiel.

Die Erwartungshaltung von Künstlern ist das schon sehr hoch ...
Aber anscheinden finden Künstler in Köln viele kostenlose Ausstellungsflächen.

Hier sind die Kontaktdaten

http://web.me.com/gregorioband/contactpoint/contact_points.html Auf dieser Seite sind die Kontaktdaten der Artist Contact Points hinterlegt. In der Tat ist diese Seite nicht so leicht zu finden...wir optimieren dies in den kommenden Wochen.

Das ist ja schonmal was. Dann

Das ist ja schonmal was. Warum werden solche Kontaktdaten nicht irgendwo öffentlich angeboten? Oft scheitert es schon daran habe ich den Eindruck, weil man an die notwendigen Infos nur über Umwege kommt. Eine barrierefreie Übersicht/website, die vor allem auch aktiv beworben wird, fehlt da leider noch.
Dann bin ich ja mal gespannt, ob er weiterhelfen kann. Wenn hier noch Anregungen kommen, immer her damit :-) Vielleicht ja auch für andere Künstler mit ähnlichen Problemen

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06.01.2010

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