What tools you need for change?

Rückschau 2011: Neue Teilhabe

Gemeinsam leben, gemeinsam arbeiten, gemeinsam verdienen

Machiavelli war gestern. „Teile und herrsche“ – so ist Jahrhunderte lang verfahren worden. Und zwar nicht unbedingt zum Vorteil des Gemeinwesens, nicht wahr? Die Digitalisierung unseres Alltags und die schnelle Verbreitung nicht nur technischer, sondern auch sozialer Ideen haben es jedoch mit sich gebracht, dass das Teilen zukünftig eine wichtige Option für ein besseres Zusammenleben sein kann.

 

Insbesondere die Kreativen aller Couleur haben auf Konferenzen und Symposien des abgelaufenen Jahres die wirtschaftlichen und sozialen Chancen des Teilens ausgelotet. Bezeichnender Weise wurde die Debatte oft auf Kongressen der „digitalen Gesellschaft“ oder von Protagonisten des Internets geführt – das Open Web mit Formaten wie Wikipedia ist schließlich das beste Beispiel für funktionierende Zusammenarbeit.

 

„Teilen“ klingt natürlich besser, wenn man es auf Englisch macht: Sharism heißt die Bewegung, die Wirtschaft, Erziehung, Politik auf der Basis geteilten Wissens und geteilter Inhalte neu denkt. Von dort zur Cofunding-Idee und zum Crowdfunding ist es nicht weit: Man hat eine gute Idee, aber wie immer kein Geld – und besorgt sich sein Geld nicht bei den Banken, die es eh nicht herausrücken wollen, sondern von vielen kleinen Investoren: Micropayment. Für den Deal benötigt man Plattformen wie Startnext oder Flattr, auf der man seine Idee vorstellt, und die Projekte, die auf diese Weise finanziert werden, sind recht häufig solche aus dem Kunst- und Kulturbereich. Und auf einmal entsteht eine neue Ökonomie, vorbei an den klassischen Institutionen der Finanzwelt und Kulturpolitik…

 

Das klingt easy, bedarf aber vieler Diskussionen und Konferenzen. Birgt die neue Denke womöglich neben Chancen auch Risiken? Entstehen neue Abhängigkeiten für die Empfänger dieser alternativen Gelder, richten sich da Amateure im selbstgeschaffenen Prekariat kuschelig ein? Oder lassen sich auch Kunstwerke gemeinsam schaffen, wenn das Ganze nicht etwa Bastelstunde, sondern schick Co-Creation heißt? Machen andererseits die neuen Teilhabe-Ideen den behäbigen herkömmlichen Institutionen ordentlich Beine? Na klar tun sie das!

 

Auf eine Idee wie die bieder „Kulturwertmark“ genannte Micropayment-Währung für künstlerische Projekte kommt eben nicht das Kulturministerium und die Deutsche Bank schon gar nicht, sondern der Chaos Computer Club. Mit der Kulturwertmark soll schöpferische Arbeit angemessen entlohnt werden – nein, es geht nicht um Millionengagen für die Marionetten der Unterhaltungsindustrie, sondern um einen niederschwelligen Zugang zu einer kleinteiligen, vielfältigen Kulturlandschaft. Damit verdienen Investoren durchaus Geld, wie das Beispiel der Shapeshifters zeigt.

 

Und wenn wir mal zum konkreten, erlebbaren Alltag kommen? Wie sieht es da mit der Teilhabe etwa am Kulturangebot aus? Ganz ohne den theoretischen Überbau der digitalen Boheme klappt das entweder nach dem Prinzip der bekannten „Tafeln“, indem zum Beispiel die Kulturloge sozial bzw. finanziell Schwächeren den Besuch von Kulturveranstaltungen ermöglicht. Oder man macht es kommerziell, aber durchaus bezahlbar wie das Großstadt-Format Two Tickets und bietet zum Jahresabo von 60 Euro freie Plätze bei Theater-, Musik- und Sportveranstaltungen an – Überraschungen inklusive.

 

Foto Mitte: falonaj (flickr)

 

So, 25.12.2011 0

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13.12.2009

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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