
Rückschau 2011: Kreative Köpfe im Ruhrgebiet
Vieles ist erlernbar - eine gewisse Begabung wird vorausgesetzt, aber Fleiß gehört unbedingt dazu
- Serie: reviews 2011
Kunst soll eine Gesellschaft prägen, ihr Wege aufzeigen, wo die Reise hingehen soll. Denn sie verkörpert Werte wie Respekt, Persönlichkeit, Kreativität und Leidenschaft. Das gilt natürlich überall auf der Welt, aber im Besonderen auch für die Macher, die das Ruhrgebiet täglich ein Stückchen lebenswerter machen.
We Will Rock You
Das Gegenteil von ’lebenswert’ geht so: Eine Qualitätszeitung widmete vor ein paar Wochen einem narzisstischen Politiker (Freiherr zu Guttenberg) eine große Titelstory. Herausgekommen ist dabei ein mehr als fragwürdiges Gespräch, welches ein paar Allgemeinplätze striff, sowie diverse Eitel- und 
It’s A Hard Life
Eine Antwort lautet: „Es ist hier im Ruhrgebiet ein bisschen so, wie 'Phoenix aus der Asche', die Leute boxen sich selber durch und kämpfen. Man kann da selber nur seinen Beitrag leisten, indem man zum Beispiel Aktionen macht, wie zum Beispiel eine Ausstellung“, sagt die Grafikerin und Illustratorin Stefanie Levers. Sie lebt in Bochum und arbeitet in Dortmund, ihre Grafiken zieren Projekte wie Streetwear Today, die Luups-Gutscheinbücher oder das Online-Musikmagazin Getaddicted.org. Die von Ihr skizzierte „Do-It-Yourself“-Mentalität steht für viele Menschen, die im Kulturbereich in Essen, Bottrop, Schwerte, Hattingen, Duisburg, Recklinghausen oder Lünen tätig sind. Denn der Mainstream gibt einem leider keine Ideal-Vorstellungen oder Blaupausen zur Hand, im Gegenteil. Das was Guttenberg, Christian Wulff, Silvana Koch-Mehrin, Claudia Roth, Sarah Wagenknecht und Oskar Lafontaine vorleben, stößt zu oft übel auf.
Friends Will Be Friends

Bohemian Rhapsody
Paul Wallfisch, der musikalische Direktor des Schauspielhaus Dortmund, postuliert einen kultur-imperialistischen Allgemeinplatz: „Zur Zeit der Weimarer Republik beherrschte die deutsche Kultur die Welt, ein wenig so wie die amerikanische jetzt.“ Der Multiinstrumentalist ist Chef der Band Botanica; Kay Voges, der Intendant des Dortmunder Schauspielhauses, holte Wallfisch in sein Haus. Das war nicht die einzige Großtat von Voges. Unter anderem holte er auch den Berliner Trash- und Horrorfilmer Jörg Buttgereit in die schwarz-gelbe Ruhrmetropole, wo der das Theaterstück „Green Frankenstein & Sexmonster“ aufführte – das Stück wurde in diesem Jahr im Feuilleton mit Lobeshymnen überhäuft.
Under Pressure
Theater soll spannend sein, wenn es sein Publikum erreichen soll. Für den in Bochum wohnenden Schauspieler Atef Vogel steht dabei die Sensibilität an erster Stelle: „Man muss erkennen: Was sind die brisanten Themen in einer Stadt, was kann man aufnehmen, wie spiegelt das Theater mir als Zuschauer gerade die Situation, in der ich mich befinde, wieder? Ich würde mich freuen, wenn noch mehr auf das Publikum zugegangen wird.“ Eine ähnliche Haltung wird auch von Melissa Silverstein gefordert: „Ich möchte, dass es um die Inhalte geht, nicht um das Geschlecht, “Agenda not Gender”, und propagiere ein fortschrittliches, differenziertes Denken jenseits von Klischees“, so die Worte der feministischen Stimme Amerikas zum Thema Frauen in der Popkultur und der Filmindustrie.
I Want To Break Free
An erster Stelle steht der Gedanke, der eine Vision vermitteln soll. Die Künstlerin Dorothee Bielfeld 
One Vision
Dabei ist ein Broterwerb für Kunsthandwerker oft nicht einfach. Der Essener Illustrator Jamiri weiß davon ein Lied zu singen: „Ich sage zu reinem Geldverdienen immer „Büffeljagen“, weil es sich letztlich nicht groß davon unterscheidet. Aber manchmal muss ich auch Büffel jagen. Leider. Das sind dann so Sachen wie Katzenfutter oder Waschmittelkartons malen.“ Danke für ein großartiges, aber auch manchmal sehr anstrengendes 2011 – ab dem 1. Januar 2012 machen wir direkt weiter.
Denn (wie sang einst Freddie Mercury so schön): The Show Must Go On.
Kommentar hinzufügen
Empfohlene Beiträge
Ähnliche Beiträge
Thema
Stadt
Branche
Aktuelle Tweets






































