Rockpalast: „German Televison proudly presents…liebe Freunde, heute zu Gast bei uns..“

Rockpalast-Gründer Peter Rüchel hat ein Buch geschrieben und zieht Bilanz (Teil 2/3).


Wer ist eigentlich der Erfinder des Namen "Rockpalast"?

„Das ist meine erste Sekretärin im WDR, Bärbel Müller. Sie hat Christian Wagner und mich von der qualvollen Titelsuche erlöst, indem sie aus einer ellenlangen Liste möglicher Titel zwei Elemente zusammenfügte: „Nennt es doch ROCKPALAST“. Sofort war klar: Das ist es!“

Gab es einen besonderen Grund, die Rocknächte in der Grugahalle in Essen abzuhalten? Der WDR hätte doch auch in die Kölner Sporthalle gehen können...

„Der WDR ist die Landesrundfunkanstalt von Nordrhein-Westfalen. Also musste Rockpalast im Lande stattfinden. Da gab es vier Hallen, die in Frage kamen. Die Sporthalle in Köln haben wir sofort ausgeschlossen. Wir wollten nicht „zu Hause“ arbeiten, vielmehr „auswärts“ einen zusätzlichen Schuss Adrenalin holen. Die Westfalenhalle in Dortmund war uns zu groß. Blieben die Philipshalle in Düsseldorf und die Grugahalle Essen. Beide kannten wir von Konzertbesuchen. Die Atmosphäre der Grugahalle gefiel uns besonders. Da wir einen bestimmten Ort haben wollten, an dem die Rockpalast-Nächte immer stattfinden – niemand sollte fragen müssen: Wo ist es denn diesmal? - blieb es dann zehn Jahre und siebzehn Eurovisions –Sendungen lang bei diesem Ort. Essen und der Rockpalast wurden synonym – zum gegenseitigen Nutzen.“

Sie haben einigen späteren Weltstars wie U2 (81), Tom Petty (77), Dire Straits (79), Meat Loaf (78), Mink DeVille (78) oder R.E.M. (85) zu ihren ersten TV-Auftritten verholfen. Gibt es heute noch Kontakte, vielleicht sogar privater Natur?

„Viele dieser Begegnungen waren sehr intensiv. Aber nach der gemeinsamen Arbeit gingen die Wege wieder auseinander. Viele Musiker blieben dem Rockpalast verbunden und kamen zu zweiten und dritten Konzerten zurück. Dann konnte der Faden wieder aufgenommen werden. Von den Genannten hatte ich ein besonderes Verhältnis zu Willy de Ville. Sein Tod im vergangenen Jahr ist mir sehr zu Herzen gegangen.“

ZZ Top spielten 1980 ihren ersten europäischen Auftritt im Rockpalast. Als Sie von den Dreien 2009 auf die Bühne der Grugahalle geholt wurden, weil sie sich für Ihre Pionierarbeit damals bedanken wollten, fühlten Sie eher Genugtuung und Stolz oder waren Sie peinlich berührt?

„Ich habe mich gefreut. Billy Gibbons und ich freuen uns über jede Begegnung. Wir sind auch schon zusammen durch die Blues-Clubs von Chicago und Houston gezogen.“

Warum haben Sie es nie geschafft, Bruce Springsteen in der Rockpalast zu holen? Mit Little Steven, seinem Gitarristen, verband/verbindet Sie doch eine Freundschaft. Wer sehr ärgert Sie es, dass Springsteen nie im Rockpalast aufgetreten ist?

„Ich habe den Eindruck, dass Springsteen sich nach den widrigen Erfahrungen mit seinem ersten Manager früh in seiner Karriere vorgenommen haben muss, nichts mehr zu tun oder zuzulassen, worüber er nicht die volle Kontrolle hat. Und bei einer Live-Sendung ist man natürlich einem Regisseur „ausgeliefert“. Wie gesagt: Ein Eindruck. Obwohl er mir bei einer Begegnung nach einem seiner Konzerte in Boston 1980 mal gesagt hat: „Maybe we will do it“. „Geärgert“ habe ich mich nicht. Ich habe nie Probleme damit gehabt zu akzeptieren, dass Musiker Gründe haben, etwas zu tun oder etwas zu lassen. Im anderen Fall hätte ich mich aber sehr gefreut. Mit Little Steven habe ich nur wenig über Bruce gesprochen. Er war für mich kein „Stellvertreter“ sondern Rockpalast-Gast in seinem eigenen Recht.“

Was halten Sie von der These, dass die Rockpalast-Nächte durch ihre europaweite Ausstrahlung mit zur Wiedervereinigung Deutschlands und zur Beendigung des Kalten Krieges beigetragen haben?

„Wir haben schon seit der ersten Rockpalast-Nacht 1977 geahnt, dass es hinter der Mauer ein ganz besonderes Publikum gab, denen der Rockpalast ein Sehnsuchtsfenster in eine musikalische Welt öffnete, das die Ideologen im eigenen Land am liebsten vernagelt gehalten hätten. Deshalb haben wir am Beginn jeder Eurovisions-Live-Sendung aus der Grugahalle neben den Zuschauern von Italien bis zum Nordkap auch unsere „Zaungäste“ begrüßt. Wie wichtig diese Brücke war, habe ich zuerst 1988 persönlich erlebt, als Bruce Springsteen in Ostberlin spielen durfte. Auf dem Festivalgelände war ich plötzlich umringt von Blauhemden der FDJ, die alles über Rockpalast wussten und mir gegenüber ihre Begeisterung ausdrückten. Seit Erscheinen des Rockpalast-Buches habe ich im ehemaligen Ostberlin, in Erfurt, bei Leipzig gelesen und werde das demnächst in Eisenach tun. Es ist berührend, dabei direkt und in vielen Geschichten zu erfahren, welche tiefe emotionale Verbindung damals hergestellt worden ist. Seitdem bin ich sicher, dass da auch ein Beitrag zur späteren Wiedervereinigung geleistet worden ist, ein kleiner zwar, aber ein Mosaikstein.“

Warum haben Sie, bis auf wenige Ausnahmen (Trust, UFO, MSG, Thin Lizzy), den härteren Rock/Hardrock, der Anfang/Mitte der Achtziger sehr populär war, nicht im Programm gehabt? Lag es am persönlichen Geschmack der Redaktion oder aber weil das ZDF mit "Rock Pop In Concert" 1983 respektive 1984 schon beinah alle Heavy Metal-Helden wie Iron Maiden oder Ozzy Osbourne in die Westfalenhalle geholt hatte?

„Eigenartig. Eigentlich entsprach der Hardrock meinem „Heartbeat“. Wenn ich meinen täglichen „toten Punkt“ hatte, habe ich in meinem Büro eine Hardrock-LP aufgelegt, voll aufgedreht und bin dann in meiner Sitzecke sofort eingeschlafen. Wenn sich nach 22 bis 25 Minuten die Nadel dann von der LP hob, bin ich erfrischt aufgewacht. Ich hatte auch durchaus einen Nerv für einen sehr geschätzten Kollegen aus der Musikbranche, der auf „Dieselgestank und Heavy Metal“ stand (wobei ihm Texte völlig egal waren). Immerhin: Ihre Zitate zeigen, dass wir auch etwas für diesen Geschmack getan haben. Aber mehr noch ging es uns um den „Singer und den Song“ bzw. um einen etwas differenzierteren Ausdruck. Wie aus unserer Archivliste hervor geht, war das Spektrum dabei sehr breit. Musste es auch sein, da wir nicht weit gekommen wären, wenn uns das Publikum auf unsere Arbeit nicht positiv geantwortet hätte. Glücklicherweise hat es das: Seit der 4. Rockpalast-Nacht im April 1979 (J.Geils Band, Patti Smith Group, Johnny Winter) waren die Rockpalast-Nächte immer ausverkauft, noch bevor das Programm bekannt war.“

Bilder: www.rockpalastarchiv.de

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Mi, 26.01.2011 0

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17.02.2010

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