Rock Hard Festival 2011 - Die Saison ist eröffnet

Im internationalen Musikkulturbetrieb gibt es, genau wie beim Tennis oder beim Reitsport, eine Reihe Events, die der begeisterte Anhänger auf keinen Fall verpassen will und nach denen er seine Urlaubs-, Lebens- und Sozialplanung ausrichtet: niemand, der dem Zirkel Tennis-begeisterter Sportfans angehört, lässt auch nur einmal „Wimbledon“, „Roland Garros“ oder eine andere Location der Grand Slam-Runde aus, und kein Opernaficionado würde freiwillig auf „Bayreuth“, „Salzburg“ und ähnliche Highlights verzichten.

Grand Slam der Metal-Community


Da macht auch die ganz harte Sparte keine Ausnahme – der jährliche Festival-Grand-Slam der Metal-Community, bestehend aus (je nach Genre-Affinität) fünf bis sieben Highlights in der entsprechenden Festivallandschaft, wird mittlerweile schon traditionell zu Pfingsten mit dem Rock Hard-Festival im Gelsenkirchener Amphitheater am Kanal eröffnet.
Das Rock Hard Magazin hat ein bestimmtes Renommé und eine besondere Stellung im nationalen musikalischen Blätterwald, ist es doch eines der letzten tatsächlich unabhängigen (d.h. nicht von einem Großverlag wie Springer oder Gruner & Jahr) und sich auf dem deutschsprachigen Raum behauptenden publizierten Postillen, die eine Sparte abdecken, die von vielen mit hochgezogenen Brauen als „extreme Nische“ bezeichnet wird: Heavy Metal – und zwar in allen Abarten, Genres, und Subdivisionen. Alles, was lärmt und den Durchschnittsbürger zusammenzucken lässt, könnte man zusammenfassend sagen.

Rock HardDas Festival, ursprünglich 2003 als einmalige Jubiläumsfeier zum damals 20jährigen Bestehen des Magazins gedacht, erfreute sich schon bei der ersten Auflage eines derart großen Erfolgs, dass die Macher sich damals zu einer weiteren entschlossen – und wie das oft so ist: auf einmal sind es mittlerweile neun Festivals, und kein Ende ist in Sicht...

Auch dieses Jahr haben einige Größen der Szene nicht gezögert, nach Gelsenkirchen zu pilgern, um ihre laute Kunst vor einem fachkundigen Publikum zum besten zu geben – hat es sich doch schon lange herumgesprochen, dass Heavy Metal, seit jeher wegen seiner Bodenständigkeit und oftmals einfachen Struktur die Musik für die „arbeitende Bevölkerung“ (lokal sagt man auch „Malochermucke“) gesehen, im Ruhrgebiet auf besonders dankbaren und fruchtbaren Boden fällt – die Fandichte in dieser Region ist bundesweit kaum zu übertreffen.

Namen wie zum Beispiel Iced Earth, Down, und Overkill haben einen hervorragenden Ruf bei ihrer Klientel, und dass die Organisatoren auch für Besonderheiten (Morgoth-Reunion nach 20 Jahren / Tryptikon treten tatsächlich auf) und angesagte Newcomer sorgen konnten, hat wohl ein übriges dazu getan, den Kartenverkauf im Vorfeld ordentlich anzukurbeln.

Für die Region, die nach dem Trubel um die Kulturhauptstadt 2010 wieder ein wenig aus dem Fokus der Berichterstattung und Aufmerksamkeit gerutscht ist, bieten derartige Anlässe eine willkommene Gelegenheit, sich dem angestrebten Regionsziel, „Metropole Ruhr“ zu werden, zu nähern und sich entsprechend zu präsentieren: mehr als 7.500 Fans und Fachbesucher aus aller Herren Länder tummeln sich in den regionalen Hotels von Gelsenkirchen und den angrenzenden Städten, gastronomischen Betrieben, Supermärkten, nutzen öffentliche Verkehrsmittel, kurbeln Neugier, Umsatz und Erstaunen bei der lokalen Bevölkerung an.

Längst haben sich renommierte Häuser wie das Maritim-Hotel oder Taxi-Services den Termin in die Agenda geschrieben und sind weder überrascht noch geschockt vom Ansturm der teils bizarr gekleideten und frisierten Klientel: „Gottseidank ist hier mal was los – in den 3 Tagen mache ich ordentlich Umsatz, und die Leute sind immer friedlich und netter als mancher „seriöse“ Geschäftsmann...“, so ein Taxifahrer, der mich nachts um 3 auflas.

Ungebrochene Anziehungskraft dank Vielfalt und Ambiente


„Wir versuchen jedes Jahr, einen Querschnitt an Bands zu bieten, die dem Spektrum des Rock Hard-Magazins entspricht und nicht nur die Thrash- oder Death-Fraktion, sondern auch die Liebhaber melodischerer Klänge oder unbekannterer Acts bedient – und das ist es, was die Besucher von unserem Festival erwarten: Vielfalt.“ So sieht es Götz Kühnemund, Chefredakteur von Rock Hard und mit federführend bei der Auswahl der Künstler.

Abgesehen davon ist die Austragungsstätte natürlich ein nicht zu vernachlässigendes Kriterium: die Kanalkulisse mit der überdachten Bühne des Amphitheaters, die Schiffe, die beim Vorbeifahren freundlich ihr Horn klingen lassen, der BuGa-Park... Meist spielen sich Metal-Open-Airs auf alten Flugplätzen, Äckern oder in Waldgebieten statt und nicht an tatsächlich für Musikdarbietungen geeigneten Einrichtungen - also auch hier ein Pfund, mit dem man wuchern kann.

Menge
Menge
Dazu kommt noch die nicht außergewöhnliche, aber wichtige Standardlogistik wie Verpflegungsstände, Schmuck-, Shirt- und Souvenirbudiken, ein Campingplatz mit den entsprechenden (mobilen) sanitären Einrichtungen, und –was von den Besuchern immer wieder betont wird – ein engagiertes Team, fast allesamt Mitarbeiter des Magazines, die ebenso sehr Fans sind wie die Ticketkäufer: sie es an der Tageskasse, der Campingabfertigung, der Parkplatzbewachung, dem Merchandise-Stand – alle arbeiten diese drei Tage und genießen die Abwechslung zum Büroleben durchaus.

Mittlerweile hat sich auch die Fach- und Tagespresse und sogar das Fernsehen, dessen WDR-Format „Rockpalast“ das ganze Spektakel am 25.07. noch einmal als Live-Aufzeichnung ausstrahlt, auf die Veranstaltung eingestellt und ist mit entsprechenden Vertretern vor Ort.

Internationale Bands und Besucher


Beste Voraussetzungen also, um bei einem internationalen Programm – die angereisten Bands kamen unter anderem aus Chile, Irland, Norwegen, der Schweiz, Schweden, Holland, Finnland und den USA – zu feiern und das Musikprogramm mit Kennermine aufzunehmen.

Für ein derartig kleines (im Vergleich zu Großveranstaltungen wie dem Wacken Open Air oder Rock am Ring) Festival ist das Publikum ebenfalls bemerkenswert international – fast alle Fraktionen der UN sind vertreten, und so manche Freundschaft, die einst auf dem Gelände geschlossen wurde, hält bis heute und wird jedes Jahr zu Pfingsten neu besiegelt.

Der traurigste Moment des Festivals


Als mit Down letzte Band des Festivals das Amphitheater verließ, fragen sich alle Anwesenden, die besonders am Samstag das zwischenzeitlich mehr als unangenehme Wetter ohne Murren oder Abreisebekundungen ertragen und sich weder beim Abfeiern der Bands noch beim nächtlichen Biergarten/Discozelt/Campingplatz-Triathlon erschüttern lassen hatten: was, das war es mal wieder? Alles vorbei? Bis 2012?

ZeltGottseidank fiel aber den meisten ein, dass das Rock Hard Festival den Beginn des alljährlichen Festivalzirkus markiert und der Auftakt zu einem internationalen Sommer ist – für alle, deren hauptsächliche Urlaubsbeschäftigung aus Festivalbesuchen besteht, ein beruhigender Gedanke.

Und dass es trotz der von vielen misstrauisch beäugten Klientel und den Vorfällen bei der Love Parade, die einige schon als Mahnszenario heraufbeschworen hatten, auch dieses Jahr keine Massenpanik, keine Unfälle oder Schlägereien gegeben hat, sondern dass Fremde und Freunde friedlich zusammen feierten – das darf man dann wohl mit Fug und Recht ein nachhaltiges europäisches Kulturereignis nennen...
Text: Mandy Budic
Fotos: Carsten Bahr

Mehr zum Festival, den Bands und Machern:
www.rockhardfestival.de
www.rockhard.de


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So, 19.06.2011 0

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29.11.2009

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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