
The Revolution will be Televised - iPhone-Fotografie wird Kunst (Teil 1)
- Serie: Media Art
Es ist eine Revolution, die vor sich geht. Gil Scott Heron sang einst: The Revolution will not be Televised. Stimmt nicht: das heutige Senden und Zeigen mittels Smartphone IST die Revolution. Und hat dabei die Neuentdeckung der Fotografie mit den modernsten Mitteln zur Hand. Apples Idee ein Telefon zu schaffen, mit dem die meiste Zeit kaum jemand telefoniert, plus Apps, dürfte nun auch die Fotografie für immer verändert haben.
Die Welt und was an ihr erschütternd und tragisch ist, hat sich durch das iPhone nicht geändert, es löst sicher kein einziges der drängenden Probleme das Planeten. Aber es hat das Leben für ohnehin recht sorgenfreie Menschen ein bisschen schöner gemacht. Indem das iPhone das auch vom Bauhaus verwendete Motto Form follows function umgedreht hat, verändern die Funktionen des iPhones jedenfalls immer mehr die Formen der alltäglichen Kommunikation, des Miteinanders und der Wahrnehmung.
So war es nur eine Frage der Zeit, wann aufgrund der bestechenden Mischung aus einfacher Bedienbarkeit, Allgegenwart und Verbreitbarkeit die Fotografie durch das iPhone umgewälzt werden würde.
Ausgefeilte Zeichenprogramme wie Brushes, zahllose Foto- und Effekt- und Videoprogramme, Sound- und Kompositionsprogramme – alles verfügbar für das iPhone. Es gibt (fast) nichts im Alltag des Wohlstandsmenschen, das nicht durch eine App bereichert, erleichtert oder beschleunigt wird.
150 Millionen Fotografen
Das Unternehmen aus Cupertino schätzt, allein im Jahr 2011 80 Millionen iPhones zu verkaufen. Bisher sind schon etwa 90 Millionen iPhones in der Welt unterwegs. Eine unfassbare Zahl.
Wenn die alle beginnen kreativ zu werden, weil sie ein Telefon besitzen, das es möglich macht, dann haben wir nach der Tech-Revolution die Kunstrevolution im Beuys'schen Sinne – „Jeder Mensch ist ein Künstler." In den Augen von Beuys sollte Kunst "nicht etwas Retinales bleiben". Sein „erweiterter Kunstbegriff" bezieht sich auf die menschliche Kreativität und die menschliche Arbeit ganz allgemein.
iPhone erfüllt Beuys' Traum vom Künstler in uns
Und da kommt das iPhone ins Spiel, weil es beides ist: retinal, als Fotografien ermöglichende Maschine, die klassische „Anguck-Kunst“ schafft, und zugleich unterwegs im erweiterten Kunstbegriff, weil sieim Prinzip jeder machen kann, ohne technische Kenntnisse, ja ohne Kenntnisse über Fotografie oder Bildgestaltung. Und die iPhone-Fotografie ist mit Apps wie Hipstamatic oder Pudding Camera oder VintB&W etwas anderes als die Knipserei mit digitalen Normalkameras.
Das iPhone hat der Besitzer immer dabei, man muss nicht fotografieren wollen, sondern tut dies einfach überall, ohne aufwändige Einstellungen und mit der Möglichkeit der sofortigen Berarbeitung und Verbreitung dazu. Blogs für iPhone-Fotografen, Webseiten für Bilderstreams und Fotoalben und Foto-Wettbewerbe, für Debatten – alles fürs iPhone.
Was die Fotografen, die dort publizieren, zustande bringen, könnte nicht weiter entfernt sein von den Handyknipsern und Bild-Leser-Reportern da draußen.
Der Anspruch der Seiten und damit der Fotografen ist so hoch wie ihre Experimentier- und Spielfreude und die Fähigkeit, die Bilder mit ihrem und unserem Bildgedächtnis – analog und digital – in Einklang zu bringen.
Beeindruckende, verstörende, schöne, ausufernde, düstere, assoziative Fotokunst von Alltag, Landschaft, Menschen, Maschinen, Nächten und Tagen, Kneipen und Krisengebieten ensteht da. The Revolution will be televised!
In Teil 2: die wichtigsten Apps, ihre Wirkung, die Motive und Stile
In Teil 3: Interview mit einem passionierten iPhone-Fotografen
Die Welt und was an ihr erschütternd und tragisch ist, hat sich durch das iPhone nicht geändert, es löst sicher kein einziges der drängenden Probleme das Planeten. Aber es hat das Leben für ohnehin recht sorgenfreie Menschen ein bisschen schöner gemacht. Indem das iPhone das auch vom Bauhaus verwendete Motto Form follows function umgedreht hat, verändern die Funktionen des iPhones jedenfalls immer mehr die Formen der alltäglichen Kommunikation, des Miteinanders und der Wahrnehmung.
So war es nur eine Frage der Zeit, wann aufgrund der bestechenden Mischung aus einfacher Bedienbarkeit, Allgegenwart und Verbreitbarkeit die Fotografie durch das iPhone umgewälzt werden würde.
Ausgefeilte Zeichenprogramme wie Brushes, zahllose Foto- und Effekt- und Videoprogramme, Sound- und Kompositionsprogramme – alles verfügbar für das iPhone. Es gibt (fast) nichts im Alltag des Wohlstandsmenschen, das nicht durch eine App bereichert, erleichtert oder beschleunigt wird. 150 Millionen Fotografen
Das Unternehmen aus Cupertino schätzt, allein im Jahr 2011 80 Millionen iPhones zu verkaufen. Bisher sind schon etwa 90 Millionen iPhones in der Welt unterwegs. Eine unfassbare Zahl.
Wenn die alle beginnen kreativ zu werden, weil sie ein Telefon besitzen, das es möglich macht, dann haben wir nach der Tech-Revolution die Kunstrevolution im Beuys'schen Sinne – „Jeder Mensch ist ein Künstler." In den Augen von Beuys sollte Kunst "nicht etwas Retinales bleiben". Sein „erweiterter Kunstbegriff" bezieht sich auf die menschliche Kreativität und die menschliche Arbeit ganz allgemein.
iPhone erfüllt Beuys' Traum vom Künstler in uns
Und da kommt das iPhone ins Spiel, weil es beides ist: retinal, als Fotografien ermöglichende Maschine, die klassische „Anguck-Kunst“ schafft, und zugleich unterwegs im erweiterten Kunstbegriff, weil sieim Prinzip jeder machen kann, ohne technische Kenntnisse, ja ohne Kenntnisse über Fotografie oder Bildgestaltung. Und die iPhone-Fotografie ist mit Apps wie Hipstamatic oder Pudding Camera oder VintB&W etwas anderes als die Knipserei mit digitalen Normalkameras. Das iPhone hat der Besitzer immer dabei, man muss nicht fotografieren wollen, sondern tut dies einfach überall, ohne aufwändige Einstellungen und mit der Möglichkeit der sofortigen Berarbeitung und Verbreitung dazu. Blogs für iPhone-Fotografen, Webseiten für Bilderstreams und Fotoalben und Foto-Wettbewerbe, für Debatten – alles fürs iPhone.
Was die Fotografen, die dort publizieren, zustande bringen, könnte nicht weiter entfernt sein von den Handyknipsern und Bild-Leser-Reportern da draußen. Der Anspruch der Seiten und damit der Fotografen ist so hoch wie ihre Experimentier- und Spielfreude und die Fähigkeit, die Bilder mit ihrem und unserem Bildgedächtnis – analog und digital – in Einklang zu bringen.
Beeindruckende, verstörende, schöne, ausufernde, düstere, assoziative Fotokunst von Alltag, Landschaft, Menschen, Maschinen, Nächten und Tagen, Kneipen und Krisengebieten ensteht da. The Revolution will be televised!
In Teil 2: die wichtigsten Apps, ihre Wirkung, die Motive und Stile
In Teil 3: Interview mit einem passionierten iPhone-Fotografen
Fotos: Andreas Wolf, Electric Pixelfarm
Aufmacherfoto: aus der Serie "People From Behind"
Aufmacherfoto: aus der Serie "People From Behind"
Fr, 22.04.2011
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08.05.2011 - 15:50
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konkretisierung
lieber Gast, sie haben natürlich recht. in der hinsicht qualtiät versus hype verweise ich auf teil 2 dieses textes über iPhone Fotografie (http://www.2010lab.tv/blog/revolution-will-be-televised-iphone-fotografi... )
natürlich gibt es immer noch kriterien für ein gutes foto - apps und millionen von "fotografen" hin oder her - und das sind dieselben.
@ P.E.H. Alle Fotografen die
@ P.E.H.
Alle Fotografen die ich kenne jammern. Sie machen schon gar keine Fotos mehr von Motiven wie zum Beispiel UTurm oder andere SEhenswürdigkeiten, weil das schon hundertmillionenmal geknipst wurde.
Aber im ernst die Profis jammern wirklich zu recht. Nur weil es die TEchnik gibt heißt das ja nicht, daß jeder ein geborener Künstler, Fotograf ist. Man muß schon ein Gefühl dafür haben. Es gibt hundertmilionen Fotos aber nur eins ist doch das richtige.
Wenn der Hype vorbei ist, können die Profis wieder lachen. Im übrigen gute DJs gibt es auch nicht wie Sand am Meer.
Hardrock
@Gast: Ja, aber das hat schon der schwitzende Hardrockgitarrist gesagt, als der DJ sein Pult enterte...
Revolution???
Sehr zum Ärger von Profi-Fotografen, weil jeder Depp Fotos machen kann und gute Fotografie als überflüssig und teuer abgestuft wird. Eine Illusion.
Und Kunst, Beuys? Naja, das ist Technik mehr nicht.
filmapp
Na klar gibt es die schon, die Super 8 app. Was glaubst denn du? Und vermutlich hast du recht, neu ist das ewige Ge-Retromache auch nicht, aber neu ist die Verbreitung und Jeder-Mann Anwendbarkeit.
Was die Ästethik angeht, auch was für Stile überhaupt dominieren (und ob das nicht einfach die alten im neuen Gewand sind) werden die nächsten beiden Folgen zeigen....
Hipstamatic...
...ich mochte den Look ja auch immer gerne, aber vor allem auch, weil er a) entweder mit einer bestimmten Zeit oder b) einer bestimmten Attitüde verbunden war. Jetzt ist es nur noch eine vorübergehende Mode, ein Massenstyle und er nutzt sich wahnsinnig schnell ab und beginnt mich zu nerven. Die Frage ist halt, ob es wirklich noch Kunst ist, wenn es jeder ohne jegliche Mühe und ohne irgendeinen Hintergedanken auf Knopfdruck ausführen kann.
Zumindest ist es dann genauso viel oder wenig Kunst wie die, die in den Fotoalben unserer Eltern und Großeltern klebt. Wäre also demnach gar keine großartig neue Entwicklung...
Neulich habe ich mit einer US-Band gesprochen, die gerade mal 20 ist und nun ihr Promovideo auf VHS-Tapes herausgebracht hat, sa mit der Video8-Kamera aufgenommen wurde, weil das ihre Vorbilder aus der Hardcoreszene Anfang/Mitte der 90er auch so gemacht haben. Dauert bestimmt nicht mehr lange, bis es so ein App auch im Angebot gibt... (vielleicht gibts das ja auch schon, keine Ahnung)