
In Residence: Mahler Chamber Orchestra - Brahms Sinfonien Nr.1 und Nr.2
- Serie: Kunst
In der Essener Philharmonie wurden an einem Abend die beiden ersten Sinfonien von Johannes Brahms gegeben.
Vor dem Konzert gab es seine sehr launige Werkeinführung durch den Dirigenten Daniel Harding. Ein bisschen lausbubenhaft und mit britischem Humor sezierte er die beiden Sinfonien von Johannes Brahms, die auf dem Programm standen.
Die Stimmung im Orchester scheint ausgesprochen positiv und offen zu sein, denn nach einzelnen Hörbeispielen applaudierten die übrigen Musiker dem Vortragenden. So wurde das Publikum in gelöster Atmosphäre an die Sinfonien Nr. 1 c-Moll, op. 68 sowie Nr. 2 D-Dur, op. 73 eingestimmt.
Wie Beethoven
Harding erzählte en passant über die Entstehungsgeschichte der Werke, von dem großen Kampf, den Brahms vor allem mit sich selber auszufechten hatte, um sich mit seiner ersten Sinfonie aus dem übergroßen Schatten eines Ludwig van Beethoven zu lösen.
Was wohl geraten ist, auch wenn im Schlusssatz mehrere Takte aus der Vertonung zu Schillers „Ode an die Freude“ in anderer Tonart übernommen wurden.
50 Jahre nach Beethovens „Neunter“ hat Brahms ganze 14 Jahre mit sich und seiner eigenen „Ersten“ gerungen – was Dirigent Daniel Harding anhand kurzer Klangbeispiele verdeutlichte. Widerstrebende Tonverläufe von zwei Instrumenten ergeben in Summe einen hochgradig spannungsreichen Klang.
Die zweite Sinfonie komponierte Brahms dagegen 1877 in nur einem Sommer in Pörtschach am Wörther See.

Zwischen Johannes Brahms und dem Mahler Chamber Orchestra gibt es einen zentralen Berührungspunkt: Die Kammermusik. Brahms war Pianist und somit leidenschaftlicher Kammermusiker. Zudem werden Brahms’ Sinfonien allgemein im Kern als Kammermusik gesehen, weil jede einzelne Stimme relevant ist und Themen und Motive sehr eng miteinander verflochten sind.
MCO und Brahms: Das passt!
Vor diesem Hintergrund bringt das MCO häufig Sinfonien von Johannes Brahms sehr erfolgreich zur Aufführung. In Essen werden die vier Brahms-Sinfonien unter der Leitung von Principle Conductor Daniel Harding erstmals in der Geschichte des MCO als Zyklus gespielt.
Uraufgeführt wurden die vier Sinfonien innerhalb von nur neun Jahren. Die Sinfonien Nr. 1 und 2 (1876 bzw. 1877) und die Sinfonien Nr. 3 und 4 (1883 und 1885) bilden jeweils ein Paar. Der aktuelle Aufführungszyklus des MCO entspricht dieser Zweiteilung: Die Sinfonien Nr. 1 und 2 wurden am 7. Oktober im Rahmen der MCO-Residenz NRW in der Philharmonie Essen aufgeführt und am 10. Oktober in Frankfurt wiederholt. Am 21. Mai 2011 folgen in der Philharmonie Essen die Sinfonien Nr. 3 und 4. Ein Termin, den man sich schon mal rot im Kalender eintragen sollte!
Denn: Nicht nur Konzertmeister Francesco de Angelis sorgte als 1.Geige mit seinen Solovorträgen für einen hinreißenden Klang. Harding verstand es, wirklich jeden einzelnen Musiker, jedes Instrument so exakt in ein Ganzes einzubinden, dass man am Ende gerne jedem Akteur einzeln Applaus gespendet hätte. Sehr gelungen und von Publikum mit reichlich Beifall bedacht.
Im Anschluss an das Konzert fand als „Geschenk“ noch eine “Late Night” mit einer kleinen Formation des Orchesters statt. Gegeben wurde bei freiem Eintritt das Streichsextett Nr.2 G-Dur. op.36 von Johannes Brahms.
Titelbild: Das MCO (Foto: Sonja Werner)
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