Recycling eines Wasserturms – Design-Hotel im Kreativ Quartier Oberhausen eröffnet

Durch diese Tür geht es zum wohl ungewöhnlichsten Hotel, das das Ruhrgebiet derzeit zu bieten hat. Mitten in Kreativ.Quartier Oberhausen nach einem Jahr Vorbereitung durch das ProGastgastgeber. Im ehemaligen Wasserturm am Bahnhof Oberhausen, mit Blick auf den Museumsbahnsteig um genau zu sein. Zunächst einmal eine "Residenz" mit großzügiger Lobby inklusive Cafeteria, Selbstbedienungsrestaurant, Bank, Friseur, begehbarem Humidor, Drogerie, Blumengeschäft, Bar, Büchergeschäft und Elektroladen. Wandel durch Kultur kunterbunt!

Kein Glitzertempel

Wer jetzt glaubt, ich rede von einem neuen, superteuren Luxusschuppen mit Sterne-Ambitionen, den muss ich leider enttäuschen. Am 1. Mai fiel der Startschuss zum Projekt GastGastgeber, einem Kooperationsprojekt der Niederlande mit der Kulturhauptstadt RUHR.2010, speziell dem Projekt Kreativ.Quartiere, das Leerstände im Ruhrgebiet wiederbelebt. Dahinter steckt das Konzept von Hans Venhuizen, dem Intendanten von GastGastgeber, einem NL-Ruhr2010-Projekt, zur temporären Bespielung von verlassenen Orten, um sie vorübergehend in Hotels der anderen Art zu verwandeln. Art ist hier übrigens wörtlich zu nehmen. Exemplarisch steht hier das erste Hotel im Oberhausener Wasserturm: in Kooperation zwischen GastGastgeber und der Oberhausener Künstlergruppe KiT. e.V. (Kunst im Turm) haben Künstler und Designer die insgesamt sechs Themenzimmer eingerichtet, besser gesagt inszeniert.

Mit Vierkantholz zu einem Ensemble

Die kuratorische Grundidee für den Wasserturm stammt von dem niederländischen Designer Jurgen Bey. Er hat die Wände in der vierten Etage, die vormals als Büros genutzt wurden, unverändert gelassen. Die Spuren der Vergangenheit sind unverkennbar. Damit sie zu Hotelzimmern werden, hat er

ein eigenes Raumsystem eingezogen: Unbehandelte Vierkanthölzer bilden eine optische, aber auch physische Trennung und grenzen die neue Nutzungsfläche von den Wänden ab. Wie ein Rahmen zieht sich diese „Barriere“ über die gesamte Fläche, verbindet die Räume und vereint sie so zu einem Gesamtensemble.







Verstärkt wird die Abgrenzung von alter und „neuer“ Fläche durch frisch verlegten Teppichboden. Während außerhalb der Holzbegrenzung die alten Böden erkennbar sind, versah man die Flächen der Hotelzimmer mit neuem Teppichboden. Mit Blick auf den Wohlfühlfaktor nicht ganz unwichtig. Schließlich ist der Boden in einem Hotel die Fläche, mit der man am ehesten direkten Körperkontakt hat und deren Sauberkeit viele Menschen daher als essentiell empfinden. Also alles im grünen Bereich hier.

Schlaf-Schrank-Kombination zum Abschließen


Die Möbel sind aus unbehandelten Vierkanthölzern gefertigt. Was das Mobiliar betrifft, so sind alle Zimmer mit einem oder in Doppelzimmern auch mit zwei Betten und einem abschließbaren Schrank ausgestattet, die baulich eine Einheit bilden. Dabei funktionieren die Betten als Schrankbetten, die tagsüber hochgeklappt werden und mit Bügelschlössern abgeschlossen werden.

So kommt die Bett-Schrank-Kombination wie ein Verschlag daher, wo die Gäste ihre Sachen einschließen können. Nachts, wenn das Bett heruntergeklappt ist, dient der Schrank als Kopfteil und bietet Ablagemöglichkeiten. Einfach, schlicht und funktional. Wie auch die Sitze und Tische in den Zimmern oder die Leseecke im Flur. Selbst die Toiletten und Duschkabinen sind aus diesem Material gefertigt.
 

Natur, Typographie, Bewegte Bilder und Puzzle

Niederländische Künstler und Designer inszenierten die sechs Themenzimmer. Das Hotel kann am Wochenende besichtigt werden, somit können sich die Gäste und Besucher auf eine Entdeckungsreise mit einigen Überraschungen begeben.

 
Zimmer 1 stammt von Jelte van Abbema und Klaske Oenema. Sie gehen Fragen nach, wie Typo und Raum zusammenwirken.
 
Zimmer 2 widmet sich dem Spannungsfeld von funktionellen Gegenständen und konzeptionellen Prototypen, die von Eric Klarenbeek und Odilo Girod stammen.
 
Zimmer 3, gestaltet von Frank Bruggeman und Liesbeth Doornbosch, spürt dem Verhältnis von Natur und Kultur sowie Landschaft und Architektur nach.
 
Zimmer 4, mit Blick auf die Bahnsteige wurde vom Küstlerduo Topp & Dubio sowie Maaike Roozenburg inszeniert und lädt die Gäste u. a. zum skulpturalen Kneten ein.
 
Zimmer 5 von Sophie Krier und Lucy and Baart, dahinter stecken Lucy McRae und Bart Hess, wirkt wie ein kleines Kino und präsentiert Kontexte zwischen sozialen Verbindungen und persönlichen Prozessen und die Verbindung von Mode, Architektur Performances und Body-Art.
 
Zimmer 6 lädt zum Suchen im öffentlichen Raum ein. Ester van de Wiel und Florian de Visser haben das Doppelzimmer gestaltet.
 

Reservieren und Besichtigen

Auf Entdeckungsreise kann man sich entweder bei einer Besichtigung oder bei einer Übernachtung begeben. Eine Übernachtung ab € 60,- pro Person pro Nacht inkl. Frühstücksvoucer im Cafe in der Bahnhofshalle.

Reservierungen und Informationen Montag bis zum Donnerstag bei gast@gastgastgeber.org
 
Die Hoteladresse ist:

Wasserturm Oberhausen
Willy-Brandt-Platz 1
46045 Oberhausen.

 
Kostenlose Besichtigungen sind an folgenden Tage möglich:
freitags, samstags, sonntags zwischen 14.00 und 17.00 Uhr.
Eine Reservierung ist nicht erforderlich.
 

Initiative für die Zukunft - K.I.T. e.V.

Nach dem Kulturhauptstadtjahr ist geplant, so die Angaben der Künstlergruppe K.I.T. e.V. auf deren Website: "in der 3 Etage unterhalb der Wassertanks eine Plattform für Künstler und Kreative zu errichten, die dem temporären und projektbedingten Arbeiten im Ruhrgebiet gewidmet sein wird." Weitergehende Informationen zu diesem Kreativ.Quartier hier.

Weitere Links:


Mo, 03.05.2010 2

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Kommentare

Besuch im Wasserturm, war mir eine Ehre

Ich habe mir die Ausstellung angeschaut, schön verarbeitete Kunstwerke in einem alten Gebäude gesehen, die auf verschiedenste Arten Geschichten erzählen, fantastisch !
Gerade das leicht verfallene Flair des Bahnhof, die vielen Bezüge zur Arbeit im Ruhrgebiet ... Der Bahnhof-Sound drumherum

Ich wurde durch ein kleines Labyrinth geführt, von verschiedenen Fluren, Treppen rauf, verfolgte einige Graffitty im Treppenhaus, noch höher bis in den Turm, wo man das Uhrwerk bestaunt.

Noch höher unter dem Dach sind jetzt vom Kunstverein Projektoren installiert, die nachts Texte in die Fenster projezieren, die man vom Bahnhof aus lesen kann. Die werden von Servern erzeugt, die eigens dafür dort installiert sind.
Besonders diese handwerkliche Präzisionsarbeit hat meinen Respekt für die Künstler verdient, die so gradlinig ihr Projekt umgesetzt haben.
Weiterhin viel Erfolg !

Ein Highlighte & Sehenswert ! Vielen Dank !

einfach inspirierend - ich

einfach inspirierend - ich komme wieder

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06.01.2010

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