
Raumverschwendung in Essen
Essen. "Unabhängige Wuppertaler Finanzexperten haben der Stadt Essen ein blamables Zeugnis ausgestellt: Demnach verschwendet die Kultur durch fehlende Steuerung, Kontrolle und Konzepte viel Geld. Oftmals würden zudem falsche oder zu große Gebäude genutzt." So schonungslos wird aufgedeckt. Gutachter verbreiten wieder Angst und Schrecken.
Hilfe! Wir brauchen einen Verkünder
Wenn es zu mangeldem Durchblick kommt, wenn der Überblick vorloren gegangen ist, wenn die Geier schon kreisen und die sogenannten Sparkomminssare ihre Karriere starten, dann kommen Gutachter ins Spiel, Experten also. Man sieht in einen Abgrund, durch einen kleinen Schlitz in ein leeres Sparschwein, braucht die Stadt einen Verkünder, jemanden, der die Botschaft überbringt und dann geschlachtet wird. Dieses Mal ist es die Stadt Essen, sie sich hier einen Gutachter aus Wuppertal (!) holt.
Das ist nicht verwerflich und es gibt sicher Positionen in diesem Papier, die man teilen muss, aber die Botschaft hat ein Echo, das die Menschen, die in den nun als marode bezeichneten Gebäuden arbeiten, wie ein Hammer trifft.
Falsche Gebäude
"Nach zweijähriger Prüfung aller kulturell genutzten städtischer Gebäude - mit Ausnahme der Philharmonie, der Zeche Carl und der Oper - stellen unabhängige Wuppertaler Finanzexperten der Stadt jetzt ein blamables Zeugnis aus: Durch fehlende Steuerung, Kontrolle und Konzepte der Verwaltung verschwendet danach die Kultur viel Geld."
Beispiel: Die Studiobühne Korumhöhe wird als „Schrottimmobilie“ bezeichnet und solle wegen hohen Sanierungsbedarfs „dem Totalverschleiß überlassen“ werden. Die Bühne könne die Jugendhalle oder das alte Rathaus Kray bespielen. Sicher, das ehemalige Schulgebäude ist nicht auf neuestem Stand, braucht dringend (seit Jahren) die eine oder andere Reparatur. Jedoch arbeiten in diesem Haus, das damals in selbstausbeuterischer Weise eingerichtet und hergerichtet wurde, Menschen, die sich größten Teils seit Jahrzehnten ehrenamtlich der Theaterarbeit widmen und vor allem jungen Menschen immer wieder dazu dienen, ihre Charakterbildung voranzutreiben.
Abschiebehaft
Längst hätte die Stadt Essen hier handeln müssen wie an vielen anderen Stellen, die das Gutachten nennt, aber man hat ausgesessen. Eigentlich müsste man der Studiobühne eine hohe Abfindung anbieten für die geleistete Arbeit. Stattdessen fühlen sich die Betreiber und ihre Unterstützer wie in Abschiebehaft. Es wird zu Entscheidungen kommen, die sich dann auf das Gutachten berufen. Rückblicke werden da keine Rolle spielen.
Kostengünstige Verdichtung
"Kostengünstige Verdichtung" von Kulturaktivitäten wird vorgeschlagen. Wie wär's mit einer Auslagerung nach Rumänien oder auf die Philipinen? Am lustigsten in dem Gutachten ist sicher folgende Feststellung: Im Kunsthaus Rübezahlstraße würden Künstler Flächen verschwenden, in dem diese Kunst „flächig auf dem Boden lagern“ und so „hochwertige Arbeits- zur Lagerfläche entwerten“. Das ist der Knaller! Man soll also hochkant lagern. Das ist groß gedacht - Rübezahlmäßig eben. Man sollte die Straße und haus umbennen in "Zwergnasehaus".
Saniererpossen
Schon häufiger wurden Expertengutachten eingeholt, wenn es um Einsparpotentiale an Theatern geht. Ob Berger, Kinsey oder andere, der Außenblick fördert es an den Tag: Es lohnt sich nicht. In vielen haben die Experten sicher Recht, aber an ebenso vielen Stellen, ist es der platte Kommerz, der die Feder führt, das "Sich-lohnen-müssen" ist ein weicher Faktor. Es gab nach einem Gutachten zum Beispiel eine temporäre Fusion von Musiktheater im Revier und Wuppertaler Bühnen. Das ging in die Expertenhose, aber mit Karacho.
Einer ganzen Stadt die Leviten zu lesen, ist aber sicher angesagt.
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Interessant, dass Philharmonie, Zeche Carl und Oper von der Studie ausgenommen sind. Etwa, weil deren Bankrott schon vorher bekannt war? Was marode soziokulturelle Standorte in Essen angeht, darf sicher das JZE an der Papestraße nicht unerwähnt bleiben. Da wird auch schon mehr geflickt, als alles andere...