Quadrate im Gespräch - Die Ausstellung von Yuji Takeoka im Bottroper Albers Museum

Der Museumsbau des Josef Albers Museums: zwei Quadrate. Die Decke im Haus: viele Quadrate. Die meisten und berühmtesten Bilder des großartigen Josef Albers (geboren in Bottrop!): Quadrate, die in Quadraten stehen. Und die aktuelle Ausstellung „Museo“ des gebürtigen Japaners Yuji Takeoka, Professor an der Hochschule der Künste Bremen, besteht fast völlig aus..., ja richtig.

Warten auf ... das Werk

Blick in den großen Raum
Blick in den großen Raum (Foto: Christian Caravante)
Takeokas Arbeiten sind zum einen sehr reduzierte, meist viereckige, meist quadratische, selten runde Formen, die sich „Sockel“ nennen und in einem großen Raum des Museums am Boden liegen. Aber auf diesen Sockeln steht kein Kunstwerk. Sie sind auch nicht sehr hoch, wirken eher wie zu dicke Bodenplatten oder vergrößerte Spielsteine für ein Brettspiel.
Ausreichend repräsentativ sind die Sockel: meist aus glänzender Bronze gefertigt, warten sie auf ihr Kunstwerk. Stände aber auf diesen Sockeln etwas, müsste es sehr besondere Proportionen haben. Eigentlich fällt einem keine passende Skulptur ein, die den „Sockel“ zu seiner eigentlichen Funktion reduzieren könnte.

Readymades

Die Sockel
Die Sockel (Foto: Christian Caravante)
Eine Semiotik-Debatte ist bestimmt möglich: Zeigen diese Sockel, was nicht da ist? Oder wollen sie durch das nicht Vorhandene auf dem Sockel, nur auf sich selbst verweisen? Braucht es die Vorstellung eines Werkes oder führt uns einfach nur der Bergriff „Sockel“ in die Irre? Die strenge, reduzierte Form der Skulpturen sowie die üblicherweise für klassische Skulpturen verwendeten Materialien Kupfer und Bronze, tragen jedenfalls beides in sich: Skulptur und Funktion. Takeokas Sockel sind gewissermaßen „Readymades“ der Museumsarchitektur. Sie stehen zugleich für sich selbst und ihre (virtuelle) Funktion.

An der Wand

Caravaggio (Foto: Christian Caravante)
Caravaggio (Foto: Christian Caravante)
Die übrigen Werke Takeokas hängen an der Wand, sind deswegen aber nicht leichter zugänglich. Sie heißen „Icebox“ oder „Hands off“ oder „Cornerwork“ und zeigen meist Quader, aus denen etwas herausgenommen wurde. Ein wenig wie bei Tetris könnte man versuchen, die passenden Teile aufeinander zu stapeln.

Nach so viel Quadrat gefällt besonders eine Skulptur: sie nennt sich „Caravaggio“ nach dem berühmten Maler des Barock und hängt einsam an einer Wand. Sie scheint Baustein einer Säule oder ausgesägt aus einer Stuck-Bordüre zu sein. Eine Villa oder Säule zu diesem Bauteil ebenso wenig vorstellbar wie zuvor Skulpturen zu den „Sockeln“.

Weltklasse mit wenig Besuch

Takeoka und Albers im Gespräch
Takeoka und Albers im Gespräch (Foto: Christian Caravante)
Eine kleine, aufgrund der Reduziertheit der Skulpturen, durchaus sperrige Ausstellung, die im Josef Albers Museum aber genau an der richtigen Stelle ist. Das ist vermutlich der Grund, warum Werke von Takeoka auch in der Dauerausstellung zu finden sind: Hier sprechen nämlich zwei Meister des Quadrats miteinander.

Dieses exzellente kleine Museum in Bottrop zeigt die einmalige Sammlung eines der berühmtesten Künstler des 20. Jahrhunderts in stimmiger, moderner Architektur. Und es zeigt Mut zu modernen Positionen wie die von Takeoka. So fügt sich ein weiterer Baustein in das Puzzle der Ruhrgebiets-Kulturlandschaft:

Es gibt sie, diese echten Weltklasse-Perlen! Es gibt sie in Bottrop, in Marl, in Wuppertal, in Unna oder in Hagen - nur dass außerhalb der Städte vor allem Touristen von weiter weg kommen. Aus den Nachbarstädten aber kaum. Das ist leider auch nach 2010 der Zustand.


Fotos: Caravante

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Mi, 27.07.2011 0

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25.03.2010

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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