
Puzzeln für Fortgeschrittene: Transmediales Erzählen
Rupert Ochsner, Games Director, über die Zukunft des "Storytelling"

Wozu sind für Sie persönlich Geschichten da?
Rupert Ochsner: Privat, um in andere Welten abzutauchen, beruflich, um Medienwelten zu verschmelzen. Eine gute Geschichte sollte nicht nur unterhaltsam, sondern auch adaptierbar sein.
Wie und mit welchen Medien werden in Zukunft Geschichten erzählt werden?
Jedes Medium ist grundsätzlich dazu in der Lage, Geschichten zu erzählen. In der Zukunft wird die Interaktivität eine immer größere Rolle spielen, ebenso die Verknüpfung unterschiedlicher Medienformen miteinander.
Wie werden wir in Zukunft Geschichten wahrnehmen? Werden wir uns die Art, wie wir eine Geschichte erfahren möchten, aussuchen können? Per Klick das Buch, das E-Book, den Film, das Hörbuch, das Game oder die Theaterkarte dazu bestellen können?
Ich denke, dass wir bereits in dieser Zukunft angekommen sind. Größere Marken werden heutzutage von Anfang an für diverse Medien konzipiert. Denn nur wenn unser Held in Buch, Spiel, Film, Internet, Musik und Merchandising anzutreffen ist, hat er eine Chance, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Hierbei ist die Geschichte das entscheidende, verbindende Element.
Verändern neue Medien die Geschichten an sich? Werden sie kürzer und serienfähiger in einer Welt, in der niemand mehr Zeit hat, einen 1500-Seiten-Roman zu lesen?
Nicht zwingend, es wird immer Bedarf an ausführlich erzählten Geschichten geben. Die klassische Heldenreise wird auch in Zukunft eine beliebte Grundlage bleiben. Allerdings sollte je nach Medium die Struktur so angelegt sein, dass die jeweilige Verweildauer des Nutzers ein möglichst hohes Maß an Flexibilität gewährleistet.
Können und sollten Geschichten in E-Book oder Film wie in Games interaktiv beeinflussbar sein?
Mehrere Wege führen zum Ziel, eine Vereinheitlichung oder gar Vorschriften kann und darf es hier nicht geben. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, dass eine Geschichte mit einem nicht beeinflussbaren Plot oder gar Ende oft stärker ist. Bei einem Game muss das jedoch weitaus differenzierter betrachtet werden, da ich hier immer aktiv Teil des Geschehens bin. Die Interaktivität gewinnt durch einen variablen Plot zudem an Glaubwürdigkeit. Es stellen sich zwangsweise folgende Fragen: Möchte ich mich mit dem Helden, meinem Avatar identifizieren oder lieber in andere Rollen schlüpfen? Soll mein Avatar so sein wie ich oder will ich so sein wie er? Und wie sehr binde ich mein Tun und Handeln in die Geschichte des Spiels ein? Für beide Ansätze, beeinflussbare und nicht beeinflussbare Geschichten, gibt es eine Vielzahl von erfolgreichen Beispielen in der Welt der interaktiven Unterhaltung.
Foto (Aufmacher): the puzzle (c) cyanocorax (flickr)
Kommentar hinzufügen
Ähnliche Beiträge
Letzte Kommentare des Autors
Thema
Stadt
Branche
Aktuelle Tweets





























