Private/Public: Ein anderer Designansatz für die Obdachlosen in New York - Teil 1

Architekten arbeiten an besseren Entwürfen für Obdachlosenunterkünfte

Räumlichkeiten für Obdachlose zu entwerfen ist eine Idee, die man mit Leichtigkeit auch auf jede andere große Stadt übertragen könnte, da es sich um ein weltweites Problem handelt und mehr als 50% der Weltbevölkerung in Städten lebt. Deborah Grossberg Katz und Terri Chia, eine Architektin und eine Designerin, die sich dazu entschlossen haben, ihre Zeit und ihr Wissen in den Dienst der sozialen Sache zu stellen, erklären uns, warum und wie sie das getan haben.

Teil 1 beschäftigt sich damit, wie wir auf die Idee kamen, an einer Unterkunft für Obdachlose zu arbeiten und unter welchen Umständen. Der zweite Teil des Artikels dreht sich um die Einschränkungen, auf die wir während der Arbeit an dem Projekt trafen und wie es am Ende doch noch zustande kam.

 

Forschung als Design-Werkzeug
Forschung wird oft als Luxus für Designer angesehen – da sie nicht unbedingt die Rechnungen bezahlt, wird sie als ein eher sekundärer Aspekt bei der Arbeit betrachtet, besonders in Zeiten einer Rezession. Für etablierte Fachleute, die ein klar definiertes Rollenbild innerhalb des Arbeitsgebiets aufrecht erhalten und festigen wollen, überlässt dieses Modell größere Fragen der urbanen Problemlösung und Design-Herausforderungen in den Händen der Management-Ratgeber und Planer. Für jüngere Designer wie uns bedeutet Forschung auch, unsere zukünftige Rolle zu definieren und zu formen, und eine langfristige Strategie, unsere Rolle ständig zu hinterfragen und in Frage zu stellen. Auf diese Art und Weise kann man größere Fragen stellen, die Reichweite möglicher Ergebnisse noch vergrößern, und mehr Zuständigkeiten in die Hände von Architekten und Designern geben.

 

Einen Ansatz entwickeln
In den vergangenen drei Jahren haben wir uns mit dem systemischen Zyklus der Obdachlosigkeit in New York City beschäftigt. Wir fingen mit der Arbeit in einer Studentenwohnung der Graduate School of Architecture, Planning and Preservation, die zur Columbia University gehört, an, und wir konnten durch ein Stipendium des the New York State Council on the Arts an dem Projekt weiterarbeiten. Diese Forschungsarbeit hat sich zu einem Projekt entwickelt, das wir Private/Public nennen: ein Designansatz, der die räumlichen Probleme, denen kleine Anbieter von Obdachlosenheimen gegenüberstehen, mit Fragen zu Überlappungen und Grenzen zwischen privaten und öffentlichen Orten in der Stadt in Zusammenhang stellt.


Verschiedene Arten der Obdachlosigkeit
Jeden Tag sind in New York City ungefähr 36.000 Menschen obdachlos. Wir begannen unsere Forschungsarbeit damit, dass wir aufzeichneten, wo diese Menschen vor, während und nach dem Obdachloswerden lebten. Diese Aufzeichnungen brachten einige überraschende Informationen zutage:

• Weniger als 10% dieser Bevölkerungsgruppe wohnt an den öffentlichen Orten der Stadt, die man als typische Lebensumgebung für Obdachlose ansieht: die Straße, die U-Bahn, verlassene Hinterhöfe.

• ein Großteil der Obdachlosen in New York sind Familien, die in den Asylen der Stadt leben, unsichtbar für die Öffentlichkeit.

• 60% der New Yorker, die innerhalb eines Jahres obdachlos werden, pendeln zwischen obdachlos und nicht obdachlos, verbringen wenigstens einen Teil des Jahres bei Freunden oder Angehörigen oder kommen aus Gefängnissen, Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Diese Faktoren machen es sehr schwer, die Grenzgebiete der Obdachlosigkeit in der Stadt zu bestimmen. Wie können Designer sich mit einer solch unsichtbaren Art zu leben befassen?

 


Mehr als Unterkünfte: Ein anderes Designkonzept für Obdachlose

Seit Jahrzehnten besteht New Yorks Weise, die Obdachlosigkeit zu bekämpfen, aus temporären Lösungen – Notunterkünfte und Fürsorgeinitiativen wurden finanziert, in der Hoffnung, das Leben für die, die auf der Straße leben, etwas zu erleichtern. Nach den Vorkommnissen am 11. September benötigten aber sehr viel mehr Menschen Notunterkünfte, und das veranlasste die Verwalter der Stadt unter ihrem Bürgermeister Bloomberg, das Obdachlosenhilfssystem der Stadt umzuformulieren. 2002 konzentrierte sich der entsprechende Plan auf Dauerlösungen für diejenigen, die damals obdachlos waren und auf vorbeugende Maßnahmen für die, die am Rand der Obdachlosigkeit standen.

Während sich die politischen Antworten auf das Problem der Obdachlosigkeit in den letzten zehn Jahren geändert haben, haben sich Designer weiterhin darauf konzentriert, einen Großteil der architektonischen Arbeit an Plätzen zu verrichten, die von einem kleinen Teil der Obdachlosen bewohnt wurden, indem sie temporäre Unterkünfte und Einzelzimmerasyle für chronisch Obdachlose entwarfen. Während dieser Ansatz für den Einzelnen sehr gut sein kann, kümmert er sich jedoch nicht um die Bedürfnisse der Mehrheit der obdachlosen Bevölkerung: die Tausenden von Männern, Frauen, und Kindern, die zwischen unsicheren Wohnverhältnissen und Obdachlosigkeit pendeln, oder die sich gerade in den Obdachlosenasylen der Stadt befinden.

Deborah Grossberg Katz und Terri Chiao sind die Gründerinnen von Katz Chiao, einem Design- und Forschungsbüro mit Sitz in New York und Philadelphia.  Deborah lehrt Architektur und urbanes Desgin an der Temple University / Tyler School of Art, Penn Design und Columbia GSAPP, und Terri ist eine Designerin bei 2×4 Inc. Alle Bilder von: Katz Chiao.

Public/Private ist ein Forschungs- und Designprojekt, das vom New York State Council on the Arts finanziert wird, mit Sponsorenunterstützung der Architectural League of New York, Columbia University GSAPP Fabrication Lab, und des Spatial Information Design Lab. Ein besonderer Dank geht an Laura Kurgan und an unsere Mitarbeiter bei St. Mary’s, CUCS, und CHHMP.

 

Zuerst veröffentlicht bei URBAN OMNIBUS

 

Teaser Photo: Obdachloser auf der Galle Road von Indica / flickr commons, some rights reserved

Mi, 04.04.2012 0

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29.11.2009

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