Dass der BVB die polnische Nationalmannschaft stärkt, weiß jeder. Lewandowski war aber schon vorher ein im Ruhrgebiet weit verbreiteter Name. Es waren eben andere schon vor ihm hier und das ist lange her. Da wurde Kohle abgeklopft. Seit April lädt ganz NRW Polen zum Klopfstangen ein. Gemeint sind Künstler aller Art. „Klopsztanga“ ist Polnisch und heißt tatsächlich „Teppichstange“ und unter diesem Motto gastierten in 20 Städten Theater, Musiker und andere Künstler. Nun ist man im Endspurt und die Frage ist, ob es jemand gemerkt hat.
Internationale Kulturtage

Tanz aus Polen (c) klopsztanga
So hieß das Austauschprojekt bei seiner Gründung im Jahre 1957, eine Veranstaltungsreihe, in der ein Partnerland Künstler, Ausstellungen, Theater und Events präsentierte. Man suchte Nähe und Versöhnung zu den europäischen Nachbarn, die noch kurz zuvor drangsaliert wurden, eine sinnvolle Idee. Jahrelang war man neugierig darauf, zu sehen, was die anderen Europäer künstlerisch hervorbringen. Nach 1990 ließ die Neugier nach, vor allem für Länder Osteuropas. Es blieben traditionell Gala-Veranstaltungen zur Eröffnung in der Dortmunder Oper, wo Botschafter und konsularische Vertreter Reden hielten. Zentrum war immer Dortmund. Von dort ging auch die Namensänderung in scene-Festival aus. Das Festival, verstreut über viele Städte, über mehrere 
Festival Logo (c) klopsztanga
Monate, litt an Wahrnehmung. Es sollte frischer werden mit mehr Konzentration auf die freien Szenen der Gastländer. Seit 2010 ist federführend das NRW-Kultursekretariat in Wuppertal zuständig. Ungarn war das erste Gastland in diesen neuen Zusammenhängen. Es wurde versucht, die Zeiträume enger zu setzen und die Partnerstädte besser zu koordinieren. In diesem Jahr nun kamen die Polen und die Verwirrung ist komplett. „Klopsztanga – Polen grenzenlos NRW“ heißt es jetzt. Zwanzig Städte bieten polnisches Programm. Von einem Festival kann keine große Rede mehr sein. Es sind Gastspiele, die sich in den normalen Spielbetrieb einreihen. An der einen Stelle fällt es auf, an der anderen nicht.
Fußball und Kunst
Aber wir feiern ja die Fußball-EM und da kommt Polen gerade recht, erfahren wir doch über Kunst mehr über die Nachbarn als über verstaubte Klischees und ein paar Spieler beim BVB. Auch im Dortmunder Depot gab es wieder Aufführungen zu sehen, zum Beispiel von der Danziger Tanzgruppe „Dada Bzdülöw“. Ihr Stück „Red Grass“ ließ sich von Boris Vian inspirieren. Leider erfuhr man nicht viel mehr und so ließ der Abend keine neuen Erkenntnisse zu. Zwei Paare, eine in sich verknotete Person, Kirschenessen, Höhensonne, Wassertüten und ein Video mit einer Ansprache ohne Übersetzungshilfe, Gänge ins Publikum. Das bleibt übrig. Aber es ist nur ein Beispiel dafür, dass Gäste möglicherweise falsch interpretiert werden.
Auslandsgästefestival

Zu Gast bei Juicy Beats (c) klopsztanga
Man feilt im Ministerium und andernorts an einer erneuten Neuausrichtung der ehemaligen Internationalen Kulturtage. Andere Länder per Kunst vorzustellen, ist dabei ja nicht der falsche Weg, aber dann sollte es in einer kompakten Form geschehen, die eins massiv beinhalten muss: Gastfreundschaft. Zu empfehlen wäre auch eine künstlerische Leitung, denn bisher haben viele Köche das Programm zusammengestellt, seien es Institutionen oder einzelne Veranstalter. Und bei Gegeneinladungen in das jeweilige Partnerland haperte es zudem deftig. Entweder man hatte kein Geld oder kein wirkliches Interesse. Da sollten lieber die agierenden Künstler ihre Verbindungen knüpfen und präsentieren.
Vom Polackenverein zu Polonia Dortmund

Schalke 1939 (c) ADAC Archiv
Die ersten „Migranten“ kamen aus Polen und waren Bergarbeiter. Gelsenkirchen war der Bahnhof, die die Zugereisten aus Masuren und Ostpreußen als erstes auf deutschem Boden sahen und die Stadt wurde zum Ausgangspunkt polnischer Hinterhof-Fußball-Entdeckungen. Tibulski, Szepan und andere machten die Schalker sechs Mal zum deutschen Meister. „Polackenverein“ nannten viele die Blauweißen. Die Spieler wurden kurzerhand eingedeutscht. Heute ist man höflicher und nennt den BVB Polonia Dortmund. Von Dortmund fliegt Wizz-Air viele polnische Ziele an. Es gibt Geschäfte mit polnischen Spezialitäten. Ein Festival könnte alles dies abbilden, könnte weit über die Kunst hinausgehen mit Fußballspielen, Familientreffen und dann kann man auch Pierogi essen und Sauerkraut mit Champignons. Der polnische Vodka Grasovka gehört zu den besten und das Bier hat längst mindestens die Qualität bester deutscher Hopfenmarken.