
Poetry Slam aufm KulturSchiff
- Serie: Kunst, Quergelesen
Im Rahmen der KulturSchiff-Reihe während der Cranger Kirmes ging es am 12.08. mit verschiedenen Poetrykünstler über den Rhein-Herne-Kanal. Eine vergnügliche Schiffsreise frei nach dem Motto: „Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schön …“
…lautet der Prolog zum heutigen Poetry Slam. Mit diesen ersten Worten außerhalb des Wettbewerbs begrüßt Marc Oliver Schuster die Süßwassermatrosen auf dem KulturSchiff. Um dorthin zu kommen, mußte man sich durch die Massen auf dem Kirmesgelände kämpfen. „Zwischen Hau den Lukas und den Maiskolben rechts abbiegen, rüber über die Schleuse und schon sind wir da“. Denn der Kai liegt hinter dem Cranger Kirmesgelände und das ist heute mal richtig gut gefüllt. Auf dem Schiff: Bis zum letzten Platz sitzen die Fans des Herner PoetrySlams SprechReiz dicht gedrängt auf den Bänken. Der Moderator verteilt die Punktetafeln. Sechs Juroren aus dem Publikum entscheiden über die Lyrik der Wortakrobaten. Die beste und schlechteste Wertung zählt nicht. Der Rest wird addiert und ergibt die Punktzahl. Der Slam beginnt.
Persönliche Weltanschauung
David Grashof entwirft eine bizarr anmutende Vision: Er entführt mit einem Beitrag in seine ganze eigene Weltanschaung: „In meiner Welt gibt es bei IKEA neben dem Småland ein Männerland. Mit Playstations und Kühlschränken voller Bier.“ Das gefällt nicht nur den Männern! Beide Geschlechter johlen, „Wunschdenke“, schreien die Frauen. Next Act: Julia mit ihren 16 Jahren senkt den Altersschnitt der Slammer. Zuerst zittert die Stimme, dann berichtet sie über eine nächtliche Begegnung in der spießigen Reihenhaussiedlung. Wer jetzt an Gassi gehende Omas denkt liegt falsch. Es ist der volltrunkene Mittdreißiger, „der auf meine Schuhe gekotzt hat“ – später gräbt er sie erfolglos an. Angeblich eine wahre Geschichte und das kotzende Etwas war Elton (also der Elton vom Raab).
Ich weiß Es
Zwei Schleusen weiter geht es dann ums Ganze. Die drei Finalisten stehen fest. David Grashof ist mit dabei und Moderator Torsten Sträter fordert zu erneuten, spontanen Jubelschreien auf. Er wird Zweiter.
Der Gewinnerbeitrag kommt von Sulaiman Maomi. Der Plot seines Textes: Er verschickt an mehrere Personen die SMS „Ich weiß Es“ und generiert die unterschiedlichsten Reaktionen, überraschend, verstörend, aber vor allem lebensverändernd. So gesteht seine Freundin ihm, dass sie seit zwei Jahren eine Verhältnis mit seinem besten Freund habe, seine Mutter, dass sein Vater nicht sein Vater sei, sein Onkel, dass er sein Vater sei und weit entfernte Bekannte schenken ihm 10.000 € in kleinen Scheinen. Das Schiff bebt vor Lachen. Instinktiv zuckt es natürlich durch den Kopf: will ich selbst so eine SMS schreiben? Welche Reaktionen und Geheimnisse kann man entlocken? Und will ich diese überhaupt wissen?
Zurück geht es zur Kaimauer und zur Cranger Kirmes. Ein großartiges Erlebnis und da soll noch mal einer sagen, dass im Pott nichts los wäre. Eine ausgefallene Veranstaltung, restlos ausverkauft und bestens angenommen. Schiff ahoi!
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