Illegale Plakate mit Sinn: Kritik des Eigentums

In Anlehnung an „Illegale Plakate- mit Hintersinn"
Von T. Stachelhaus erschienen in der NRZ
Direkte Zitate sind kursiv gekennzeichnet

Essen. In der Innenstadt verbreiten sich geklebte Bilder von anonymen Aktivisten. Das Ordnungsamt ist glücklicherweise unterbesetzt - das Folkwang-Museum hält sich für richtig cool.

„Humans Unite!“, schreit ein Affe allen vorbeifahrenden Autos am Essener-HBF entgegen– und das ist nur eines von schätzungsweise über 400 Plakaten, die sich seit dem Frühjahr ohne Hinweis auf einen Urheber vornehmlich unter Brücken und in Tunneln in und um die Innenstadt wie ein Virus verbreitet haben. Doch wer glaubt, dass es sich bei den an Pfeilern und Mauern aufgeklebten, oft skurrilen und zuweilen verstörenden Bildern und Botschaften, um illegales Wildplakatieren handelt, liegt falsch: Hier wird der Eigentumsbegriff grundsätzlich in Frage gestellt.

Ganz selten kommt es vor, dass ein Passant das erkennt; so äußert sich ein Herr, der hier anonym bleiben möchte, in einer Unterführung: „Wir wollen euch hier nicht! Ich warte auf den Tag an dem Ihr euch allesamt ausbürgern lasst oder zumindest aus dieser Stadt wegzieht.“

Die justitiable Geist sieht jedenfalls den „Tatbestand der Infragestellung des Eigentumsbegriff erfüllt“, wie sich der Mann weiter erklärt, er sei Anwohner und die Kleber hätten stattdessen eine offizielle Genehmigung erfragen sollen oder, wie er nach dem Verweis auf die Werbeflächen weiter ausführt, „dafür zahlen müssen, dann wäre es legal.“

Auf diesen Legalitätsbegriff will sich ein Mitglied der Gruppe, das ebenfalls anonym bleiben möchte, jedoch nicht einlassen. Für Ihn ist „die Wahrnehmung genau anders herum. Das Gefühl, dass wir hier das richtige Tun überwiegt und die Resonanz ist ansonsten durchweg positiv. Diesem Herrn ging es ja auch nicht  um die Qualität unserer Aktion, sondern um den juristischen Sachverhalt. Entweder wird dieser geändert oder wir ignorieren ihn weiterhin“.


Ein anderes Mitglied der Gruppe (anonym) sieht den Sachverhalt noch eine Spur radikaler „Für mich ist Kunst in der Illegalität eine Garantie dafür, dass Ich solche Querköpfe nicht erreiche. Wer sich an illegalen Plakaten erfreut ist Teil des Widerstands gegen die Eigentumsordnung“.

anonymous

Fr, 15.10.2010 16

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Kommentare

Hupdidu

Ich liebe dieses Stimmung
Ein Hoch auf die Provinz
Das Desinteresse ist überschwänglich
Bitte begrüßen sie
die neue Langeweile
Frei nach dem Motto
Wer kein Profi ist
Sollte besser gar nichts tun
Zum Wohl
Gesellschaft!

Provinzkunst

Es geht nicht nur um schön aber ich kenne die meisten Leute die hinter der Aktion stecken und die haben nix mit Kunst zu tun und machen den ganzen Scheiss weil es ja soooo cool ist. Komm wir machen einen auf gaaaanz innovativ und mutig und politisch und bekleistern die essener Innenstadt mit hässlichen Bildchen die NICHT MAL INHALTLICH INTERESSANT SIND!!!!!! ESSEN WACH AUF!!!!
DAS Ist LACHHAFT!!!
Nur weil man sich ein Buch von Karl MArx durchgelesen hat, Veganer ist und Häuser besetzt heisst das noch lange nicht, dass der Scheiss den ihr da produziert nur im Ansatz interessant ist.

unter dem untergrund

"Untergrundkünstler" was soll das denn sein bitte in Deutschland des 21 Jahrhunderts? Fehlt nur noch die nächste Steigerung: Künstler im Widerstand.
Und so sieht sich ja offenbar anonym 1 (ich komm hier mit all den Anonymussen durcheinander - habt ihr Angst? Vor Überwachung bestimmt, ne?), der seine Plakate in der Stadt so politisch wie Bankenenteignungen sieht. Aber so einfach kann es sein, sich nach Untergrund und Widerstand zu fühlen gegen das "System": ganzganz mutig nachts ein paar Zettel mit WassermalBildchen drauf aufkleben und dann ein Bier trinken gehen.

Und Lieber Anonym 2 oder 3: Begriffe werden von niemandem entschieden. Und elitäre Zirkel soll doch hoffentlich nicht dieses offene, allgemeinzugänglich aber widerspruchsbereite Forum meinen, oder?

Es sterbe der Künstler. Hoch

Es sterbe der Künstler.
Hoch lebe die Kunst.

Wie wäre es mal zur Abwechslung mit Tiefsinnigkeit statt Stumpfsinigkeit. Wie kann man hübsche Illustrationen für Kunst oder überhaupt irgendwas halten?
Habt ihr die letzte hundert Jahre nicht mitgekriegt?? Hä?
Warum reißen sich so viele Avantgarde und weitere ihre Ärsche auf? Damit an Anfang des 21. Jahrhunderts sich Untergrundkünstler darüber einig sind, dass ein waherer Künstler schöne Bildchen malen können muss?

????????????????

Nanu

Endlich mal eine Diskussion auf Forenniveau. Jaja, keine Kunst ist das allemal und Blu sicher ein hoch zu schätzender Kollege...und den Eigentumsbegriff kriegt mensch auch so nicht in Frage gestellt...na dann: weiter plakatieren! zudem:
in dieser Logik würde ich auch folgendes empfehlen: die Enteignung einer bBank ist kein Akt wider die Eigentumsordnung, nein nein, sondern ein unfassbarer Akt der Zerstörung! Hoch die Hermeneutik! Hoch die Bereitschaft zu eigenständiger Begriffsbildung! Was Dinge bedeuten sollte wohl am besten von elitären Zirkeln entschieden werden! Bis zum nächsten mal

anonymous

"Allein dass sie im

"Allein dass sie im öffentlichen Raum hängen, macht sie aber nicht zu Kunst oder Politik. "

-Das ist genau das was ich die ganze Zeit versuche zu sagen...DANKE!!

Blu ist mir schon länger bekannt...und das war einer der Künstler die ich als besonders gelungenes Beispiel ansehe...

kunst und politikseinwollen

das sind plakate im öffentlichen raum, künstlerisch mehr oder minder und je nach geschmack gelungen. ob sich da einer selbst "künstler" nennt ist dabei völlig nebensächlich. ebenso ob die macher es als politik bezeichnen. erstmal sieht man nur bilder.

die verkopft bemühte erklärung in diesem artikel (die alte marxistische Eigentumsleier, die schon in den 80ern nicht zog) , die Kunst sei vor allem "Politik" halte ich für ein hilfsargument, um sich gegen ästethische oder auch künstlerische Kriterien zu schützen. Alles was öffentlich ist, Streetart, Graffitti, Plakate, Aufkleber.... hat aber eine Ästethik und zugleich die Möglichkeit politisch zu sein - wenn es denn so wahrgenommen wird. Und Kunst kann es auch sein - wenn es gewisse Kriterien erfüllt.

Und lieber Herr Denker. jeder kann durchaus Künstler sein, nur nicht jeder wird wahrgenommen und hält durch und wird etwas zu sagen haben, das auch anderen etwas sagt. Dafür braucht es auch keine Ausbildung, sondern ein Hirn, Kreativität und Ideen.

Diese Essener Plakate sehen manchmal interssant, manchmal schlecht gemacht aus. Was die Macher "eigentlich" damit meinen, ist egal. Wir sehen sie und denken uns was. Oder auch nicht. Allein dass sie im öffentlichen Raum hängen, macht sie aber nicht zu Kunst oder Politik.

Ich empfehle für ästethische Weiterbildung UND politischer Kraft die folgenden Arbeiten von Blu. Ja, sicher, ist was gaaaaaaaanz anderes...

http://www.blublu.org/sito/updates/updates.htm

Oho aha

Na das ist aber mal interessant

Selbstverständlich ist ein

Selbstverständlich ist ein Kunstwerk nicht nach seiner technischen Finesse zu beurteilen. Vielmehr ist die Aussage oder die Atmosphäre welche ein Kunstwerk vermittelt ausschlaggebend. Sicherlich stimmem wir aber darin überein, dass jemand der sich als Künstler tituliert schon mehr können muss als nur einen Strich zu zeichnen und eine gewisse künstlerische Ausbildung genossen haben muss. Wäre dies nicht der Fall so wäre jeder Mensch ein Künstler und die Kunst somit keine Kunst mehr sondern Normalität oder nichts Besonderes.
Die Plakate würde ich wenn überhaupt eher illustrativer Natur zuschreiben. Selbst als Illustration sind diese eher schwach( wobei ich unter den Plakaten durchaus gute Illustrationen gefunden habe).
In meinen Augen ist dies eine nett gemeinte Aktion die aber in vergleich zu ähnlichen Projekten im öffentlichen Raum eher schwach wirkt....was den "künstlerischen" und "politischen" Aspekt angeht...
Dies ist selbstverständlich eine persönliche Meinung.
Ästhetik ist wie wir ja alle wissen reine Geschmackssache.

Die Nennung von Kunst und Design in einem Satz ist keine Beleidigung sondern ein Satzbau in dem diese gleichzeitig vorkommen.

Beste Grüße

Liebe Kunstexperten....

Es ist vielmehr erschreckend, dass Sie die Qualität eines Kunstwerks von technischen Gesichtspunten abhängig machen und sich augenscheinlich weder für den Kontext noch die gesellschaftliche Relevnaz desselben interessieren.....
wie schon richtig bemerkt handelt es sich grunsätzlich um eine politische Aktion, daher sollte man die Plakate nach anderen ästhetischen Gesichtspunkten beurteilien;Sie sind vielmehr funktional zu betrachten.
Wie sich zeigt erreichen sie anscheinend ihr Ziel in dem sie zum diskutieren anregen und Kontroversen schaffen....

Darüber hinaus empfinde ich die gleichzeitige Nennung von Kunst und Design in einem Satz als Beleidigung......

mfg
....

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15.10.2010

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