Pixelprojekt Ruhrgebiet zeigt die neuen Bilder der Sammlung - leider fast ohne Öffentlichkeit

Pixelprojekt stellt die Neuaufnahmen 2010/2011 in die Sammlung vor. Gewohnt unprätentiös kann man sich im langen Gang des Wissenschaftspark in Gelsenkirchen eine Auswahl von Aufnahmen der 27 Fotografen ansehen, die 2010/2011 in das Projekt integriert wurden.

Von … bis – stilistisch alles dabei

Zeche Alma Rennbahn.
Zeche Alma Rennbahn. Foto: Caravante
Von Becher-haften schwarz-weiß Serien von Fördertürmen von Michael Kamper oder den Werbeschriften auf Brandmauern von Andreas Schiblon, über sozial-dokumentarische Ruhrpott-Klassik mit weißer Wäsche vor grauer Siedlungsstraße oder Aufnahmen von der Autorennstrecke vor Zeche Alma in Gelsenkirchen von Robert Freise. Anders kommen die grotesken Aufnahmen von Bodybuildern in den 80ern von Karlheinz Jardner oder die seltsam banal und zugleich bedrückend wirkende schwarz-weiß Aufnahmen vom Tunnel der Loveparade Katastrophe von Daniel Sadrowski daher. Die unaufgeregten Aufnahmen von Moscheen zwischen Grün und Hinterhof von Anette Jonak, die entwohnten Häuser vor dem Abriss und Portraits der Bewohner in Duisburg-Bruckhausen von Bettina Steinacker gehören dabei zu den etwas schwächeren Arbeiten.

Beeindruckend Klischee-fern

Aida et Cetera.
Aida et Cetera. Foto: Caravante
Beeindruckend und eigen und stilistisch wie inhaltlich durchdacht wirken dagegen zum Beispiel die Fotos von Matthias Jung aus der Serie „Aida et cetera“, bei der er Statisten diverser Theaterbühnen im Kostüm beim Warten fotografierte. Der melancholisch leere Blick der grotesk verkleideten Menschen in Toiletten oder Gängen ist sehr gelungen. Endlich mal kein Ruhrgebiet-im-Wandel-Thema!

Genauso bei Rosa Maria Rühling, die die Stricherszene in Dortmund mit sehr eigenwilligen, so gar nicht sozial-dokumentarischem, vielleicht manchmal stilistisch zu heterogenem Blick zeigt. Hier sieht man Porträts und Orte, Körper und Charaktere, die durch das "Geschehen" allein bestimmt scheinen.

Mit Laden / Ohne Laden

Pixelprojekt 2010/11
Pixelporojekt stellt die Neuaufnahmen 2010/2011 in die Sammlung vor. Foto: Caravante
Nebeneinander präsentiert und dadurch doppelt stark sind die Fotografien von Simone Rosenbauer und Michael Dannenmann von Ladeneigentümern. Während Simone Rosenbauers Serie von 2003 die mit ihrem Laden pleite gegangenen Besitzer in den leeren Räumen zeigt, präsentieren die Aufnahmen von Michael Dammann stolze Ladenbesitzer vor ihren kleinen Läden 1984. Dannenmann stellt seine Porträts von Schuhmachern, Kioskbetreibern usw. ein wenig August Sander-artig in Schwarzweiß, während Rosenbauer zwar in Farbe, aber durch Überbelichtung des Raums auch fast eine Schwarzweißfläche schafft. So dokumentieren die beiden einen Strukturwandel anderer Art – vom kleinen Einzelhandel zu Ketten und Großhandel.

Gelsenkirchen leuchtet

Ückendorf.
Ückendorf. Foto: Caravante
Stilistisch beeindruckend sind die Fotos von Pedro Malinowski aus der Serie „Ückendorfer Landschaft von 2008-2010“. Sein Ziel war es die Vorurteile gegenüber dem Gelsenkirchener Stadtteil abzubauen. Durch eigenartige Perspektiven und dämmrig-wildfarbigen Himmel schafft er eine magische Atmosphäre für eigentlich gesichtslose, jedenfalls unbestimmbare Stadt- und Landschaftsaufnahmen. Auch hier gefällt die Absicht, die Ruhr-Klischees thematisch und stilistisch hinter sich zu lassen.

Verschenkte Potenziale

Rühling Stricherszene Dortmund
Rühling Stricherszene Dortmund. Foto: Caravante
Der Qualität der Bilder und dem Anspruch des Projekts, das inzwischen rund 6.000 Bilder aus allen Jahrzehnten des Ruhrgebiets umfasst, widerspricht die scheinbar kaum vorhandene Öffentlichkeitsarbeit und Werbung für die Ausstellung.
Auf den Seiten des Wissenschaftsparks ist der Hinweis auf die Ausstellung nur mit großer Mühe zu finden, auf der Webseite von Pixelprojekt selbst ist irgendwo ein kleiner Hinweis versteckt. Warum geht man dort so mit den Aufnahmen um? Zumal ja in der Ausstellung auch die "Galerie 100" präsentiert wird, bei dem man Aufnahmen von Pixelprojekt Fotografen in limitierten Serien kaufen kann.

Wie wäre denn eine Präsentation außerhalb der einen langen Wand im Wissenschaftspark – zum Beispiel in den fliegenden Bildern im U? Oder an öffentlichen Orten in den Ruhrgebietsstädten? Die Bilder erzählen von Stadt und Leuten im Ruhrgebiet und genau da sollten sie auch zu sehen sein. So, finde ich, wird viel Potenzial verschenkt.



Fotos: Caravante

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Di, 02.08.2011 0

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25.03.2010

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Mehr als 5 Millionen Einwohner erleben zurzeit, wie ihr postindustrielles Ruhrgebiet im Westen Deutschlands sich zum spannenden europäischen „place to be“ wandelt. Eine werdende Metropole im Selbstfindungsprozess nach der Kulturhauptstadt 2010. Besondere Kennzeichen: Industriekultur als Teil des kollektiven Gedächtnisses – und als inszeniertes Massenereignis.

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