Pioniere im Pott – Tom Angelripper über Thrash im Ruhrgebiet
- Serie: Quergelesen, Ruhr Music
Er schlägt dir direkt ins Gesicht. Mitten rein. Aggressiv, kompromisslos und schnell. Seine Kämpfer dreschen und prügeln auf ihre Instrumente ein, statt sie schwingen zu lassen. Der Musikstil, der im Ruhrgebiet ausgeprägt ist wie in kaum einer anderen Region heißt Thrash Metal. Eine Spielart des Heavy Metal. Seine dienstältesten, bekanntesten Vertreter und zugleich die Pioniere im Pott: Kreator und Sodom.
„Die Agression in der Musik – die kommt wahrscheinlich auch von der harten Arbeit unter Tage. Die Arbeit war sehr schwer und körperlich anstrengend. Das spiegelt sich auch in unserer Musik wider“, meint Tom Angelripper, ehemaliger Bergmann, Gelsenkirchener und Sänger und Bassist der Thrash Metal-Band Sodom. „Würden wir aus Süddeutschland kommen, würden wir wahrscheinlich eine Art Poser-Metal spielen.“

Warum es im Pott – besonders zu Beginn der 80er-Jahre – so hart zur Sache ging, sich die Metal-Szene so großflächig ausbreiten konnte und sogar weltweit große Beachtung fand, haben die Historiker und Fans Holger Schmenk und Christian Krumm im Buch Kumpels in Kutten recherchiert. Über die Geschichte des Metal im Ruhrgebiet sprachen die Autoren mit Tom Angelripper bei Weltbildplus in Essen am Limbecker Platz am 3. September 2010.
„Man hört sogar einen Soundunterschied zwischen den Ruhrgebietsbands und anderen Metalbands“, meint Tom Angelripper. „Wir sind anders als der Rest der Welt. Wir haben eine andere Qualität. Wir kommen aus einfachen Verhältnissen. Wir sind alle aus dem Bergbau gekommen, mein Vatta hat da gearbeitet, mein Oppa hat da gearbeitet. Wir hatten wenig Geld. Wir wissen, gewisse Dinge viel besser zu schätzen.“
Sodom erhielt ihren ersten Plattenvertrag schon 1984 bei der Plattenfirma Steamhammer. In einer Zeit, in der der Niedergang des Bergbaus unausweichlich bevorstand. In diesem tristen 80er-Jahre Einheitsgrau gründeten sich zahlreiche Thrasher, all jene, denen Slayer und Metallica nicht hart genug waren. Sie trafen sich im „Mephisto“, der Metal-Kneipe am Schloss Horst in Gelsenkirchen.
„Dat war der Laden im Ruhrgebiet“, sagt der 47-jährige Tom Angelripper. Jeder kam dorthin. Jeder kannte jeden.“ Abgespielt hat sich die Szene auch beim ehemaligen Gitarristen Josef „Peppi“ Dominic. „Hinten in der Laube“, erinnert er sich. „Wir hatten nicht immer Geld, um ins ‚Mephisto‘ zu gehen, dann gingen wir eben zu 'Peppi' und haben Bier getrunken. Das Leben kann so einfach sein“, sinniert Tom Angelripper, der eigentlich Thomas Such heißt und nach Realschule und Bundeswehr Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre unter Tage einfuhr, bevor er entschied, sich komplett aus der Malochertradition seiner Eltern und Großeltern zu verabschieden.
„Wenn ich nicht Musik gemacht hätte, wäre ich weiter unter Tage eingefahren. Perspektiven auffen Pütt hatte ich, aber dann wäre ich jetzt wahrscheinlich schon im Ruhestand. Uns ging es jedenfalls nie um Geld. Das war uns egal. Ich habe mir früher nie Gedanken darüber gemacht, wo das Geld herkommt. Wir hatten schon damals Kultustatus und wir waren eine der ersten Thrash-Bands, die dieses Etikett tragen konnten. Aber ich habe mich nie als Rockstar gesehen oder gedacht: Jetzt habe ich es geschafft. So lange ich davon leben kann, bin ich zufrieden. Wir sind auch heute noch ganz normale Leute – einfach Metalfans.“
Später, in den 90er-Jahren, waren es wieder Sodom, die die Fahne des Thrash Metal hochhielten, in einer Zeit, in der Grunge, Techno und Clubmusik, angesagt war. „Wir haben in den 90ern die härtesten Sachen überhaupt gemacht. Zwar haben sich die Platten nicht so gut verkauft, aber wir haben immer drauf geschissen, kommerziell zu werden.“
Sodom überlebt seit fast 30 Jahren. Das Rezept? „Wir sind wie ein altes Eherpärchen. Wenn mir früher einer in der Band nicht gepasst hat, dann habe ich ihn rausgeschmissen. Heute bin ich abgeklärter“, so Angelripper. Er freut sich darüber, dass Sodom Einfluss auf junge Bands hat. Und er empfiehlt jeder Band, Neues zu kreieren denn Altes aufzuwärmen. „Da bin ich stolz drauf, dass wir etwas hinterlassen haben, dass wir es geschafft haben, dass wir uns diesen Kultstatus erarbeitet haben.“
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„Die Agression in der Musik – die kommt wahrscheinlich auch von der harten Arbeit unter Tage. Die Arbeit war sehr schwer und körperlich anstrengend. Das spiegelt sich auch in unserer Musik wider“, meint Tom Angelripper, ehemaliger Bergmann, Gelsenkirchener und Sänger und Bassist der Thrash Metal-Band Sodom. „Würden wir aus Süddeutschland kommen, würden wir wahrscheinlich eine Art Poser-Metal spielen.“
Warum es im Pott – besonders zu Beginn der 80er-Jahre – so hart zur Sache ging, sich die Metal-Szene so großflächig ausbreiten konnte und sogar weltweit große Beachtung fand, haben die Historiker und Fans Holger Schmenk und Christian Krumm im Buch Kumpels in Kutten recherchiert. Über die Geschichte des Metal im Ruhrgebiet sprachen die Autoren mit Tom Angelripper bei Weltbildplus in Essen am Limbecker Platz am 3. September 2010.
Die Autoren von "Kumpels in Kutten"
„Dat war der Laden im Ruhrgebiet“, sagt der 47-jährige Tom Angelripper. Jeder kam dorthin. Jeder kannte jeden.“ Abgespielt hat sich die Szene auch beim ehemaligen Gitarristen Josef „Peppi“ Dominic. „Hinten in der Laube“, erinnert er sich. „Wir hatten nicht immer Geld, um ins ‚Mephisto‘ zu gehen, dann gingen wir eben zu 'Peppi' und haben Bier getrunken. Das Leben kann so einfach sein“, sinniert Tom Angelripper, der eigentlich Thomas Such heißt und nach Realschule und Bundeswehr Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre unter Tage einfuhr, bevor er entschied, sich komplett aus der Malochertradition seiner Eltern und Großeltern zu verabschieden.
Tom Angelripper
Sodom überlebt seit fast 30 Jahren. Das Rezept? „Wir sind wie ein altes Eherpärchen. Wenn mir früher einer in der Band nicht gepasst hat, dann habe ich ihn rausgeschmissen. Heute bin ich abgeklärter“, so Angelripper. Er freut sich darüber, dass Sodom Einfluss auf junge Bands hat. Und er empfiehlt jeder Band, Neues zu kreieren denn Altes aufzuwärmen. „Da bin ich stolz drauf, dass wir etwas hinterlassen haben, dass wir es geschafft haben, dass wir uns diesen Kultstatus erarbeitet haben.“
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Mo, 06.09.2010
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Schöner Bericht, Sandra :-)
Schöner Bericht, Sandra :-) Ich leg dann die Tage mit dem Interview nach. Passenderweise gehts ja auch hier im Interview vom Sven um Metal und Ruhrgebiet. http://www.2010lab.tv/blog/wir-muessen-die-eigenen-potentiale-entwickeln...