
Picnic 11 – Eine bessere Zukunft ist möglich
Drei Tage Amsterdam: Mit beiden Beinen im Hier und Jetzt
- Serie: PICNIC - Urban Futures
Ob in den Themenfeldern Wissenschaft, Kunst, Kultur, Architektur, Design, Politik oder Wirtschaft: Drei Tage Picnic in Amsterdam bedeuten unzählige neue Eindrücke, Ideen und Perspektiven. Was daraus gemacht wird, liegt letzten Endes bei den Besuchern.
Der letzte Tag auf dem Picnicfestival in Amsterdam beginnt mit einem fesselnden Vortrag Mark Rolsons von Frog Design. Seine Visionen zum Thema „Building the Mega City“ geben einen Ausblick auf die Zukunft des (städtischen) Lebens: Die Stadt als offene Idee, als „Verlängerung unserer Sinne“. Er verweist auf die Comicfigur des Iron Man („I can see through satellites from now“) und gibt packende Beispiele für aktuelle technische Entwicklungen zur natürlicheren Interaktion zwischen Mensch und Computer.
Metacity Picnic: Ihre Geschichten enstehen simultan unter dem Hashtag #picnic11
Beth Coleman („Hello Avatar: 9 principles of transmedia design“) und Heath Bunting („Switched Identities“) fordern durch ihre abstrakten Thesen heraus, während Jacke Barton die Zuhörer mit konkreten Ideen beeindruckt: Er stellt nicht nur das Projekt Give A Minute vor, das auf unkonventionelle und einfache Weise den Austausch zwischen Stadtbewohnern und Stadtoberen fördert, sondern gibt auch einen bewegenden Einblick in das 9/11 Memorial Museum in New York, das die Hintergrundgeschichten und Erfahrungen aller Beteiligten sammelt und verbindet.
Die 25jährige Amanda Monet hält einen eindringlichen Vortrag zum Thema Trust, dem Vertrauen ihrer Generation, den sogenannten Millennials – der im neuen Jahrtausend erwachsen gewordenen jungen Menschen.
Ihre Studien richten sich vor allem am Unternehmen und Firmen, die sich einer selbstbewussten und reflektierten Kundenschicht gegenübersehen. Ihr Tenor ist so simpel wie ungewohnt: Es müsste nur praktisch umgesetzt werden, was Anzeigenkampagnen und Werbung schon seit jeher versprechen („Wir sind für Sie da“ etc.): „Live up to your promises!“
Neue Erfahrungen und alte Gewohnheiten
Dabei zeigt auch dieser Tag, dass es nicht um eine ferne Zukunftsvision geht, sondern um Prozesse, die im Hier und Jetzt stattfinden.
Das bestätigt auch Scott Snibbe beim Vorstellen seiner faszinierenden Björk-App, eine vollkommen neue Erfahrung für Konsumenten Musik zu hören und wahrzunehmen, letztendlich aber einfach an alte Gewohnheiten anknüpfend: Das haptische Erlebnis des Musikhörens. Wo früher die Platte auf den Teller gelegt wurde, das LP-Artwork und die Liner-Notes versunken studiert wurden und das Hör-Erlebnis eine komplette Welt offenbarte, setzt die Biophilia-App an und führt die Idee fort.
Auch um das Grand Theater herum gibt es weiterhin viel zu entdecken: Auf dem Marketplace präsentieren sich heute fünf jungen Ruhr-Unternehmen einem aufgeschlossenen internationalen Publikum und können viele neue Kontakte knüpfen; bei Boots-Ausflügen auf dem IJ stellen die Speaker sich und ihre Ideen in Interviews ausführlicher vor; Workshops und Talks – beispielsweise zum Thema „Storytelling im 21. Jahrhundert“ mit der Oscar-nominierten Filmemacherin Lucy Walker (Wasteland) – vertiefen vorgestellte Themen und suchen den Dialog; Initiativen wie die auf Afrika fokussierte COMM: Digital Media for a better Future wollen bei der Bildung von Netzwerken helfen; und die Verleihung der Mobile Clicks Awards unterstützt Start-Up-Unternehmen.
Wo die Zukunft oft genug schwarz und unmenschlich gezeichnet wird, steht das Picnic-Festival am Ende der drei Tage für eine erfreuliche Gegenthese: Eine bessere Zukunft ist möglich, die Voraussetzungen dafür sind geschaffen. Was wir daraus machen, bleibt uns überlassen.




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