
Physical Graffiti in Essen
Headbang-Künstlerin Patricia Murawski bezieht ihr erstes Atelier
Kreativquartier Essen-Nord: Patricia Murawski, die Exzellenzstipendiatin der Folkwang-Universität, richtet sich im Atelierhaus in der Essener Schützenbahn häuslich ein. Ihr Markenzeichen: Sie malt zu lauter Musik – mit ihren Haaren.
Die Geschichte der headbangenden Diplom-Kommunikationsdesignerin Patricia Murawski ist lang. Und erst ein Mal voller Fragezeichen: Haare? Malen? Bluesrock? Alles zusammen?

Wie kommt es zu den schwingenden Haaren?
„Ach so, da habe ich meinen Cousin in Augsburg besucht und saß immer in dem gleichen Studentencafé. Da lief immer gute Musik. Wenn jemand einfach mal eine 9-Minuten Sonder-Solonummer hören wollte, dann lief das da. Richtig guter Rock. Da haben sich auch immer wieder Headbanger getroffen, und als ich dann ein Thema für meine Diplomarbeit gesucht habe, war mir völlig klar, dass ich einfach die Dinge kombiniere, die mir am meisten liegen: Kunst und Musik.“
Sie fotografierte Freunde aus der Metallszene beim Headbangen und gestaltete anstatt mit Pinseln mit ihren Haaren surreale verwischte Bilder. Der 26-Jährigen liegt noch eine ganze Menge anderer Dinge: Sie ist Eiskunstlauftrainerin, Inhstallationskünstlerin und, wenn Verirrte den Weg nach Hause suchen, auch ironisch lächelnd hilfsbereit.

Doch „am meisten liegen“ ist eine klare Untertreibung:
Patricias Lebenslauf und die Liste ihrer Ausstellungen sind doppelt so lang wie bei gleichaltrigen Absolventen. Nicht von ungefähr ist sie seit 2010 Exzellenzstipendiatin der Folkwang-Universität.
„Ich weiß nicht, die müssen damals irgendetwas in mir gesehen haben, und vielleicht hatten sie ja Recht“, erzählt sie bescheiden. Zwölf Mal stellte sie seit 2010 ihre Werke aus, gemalt, installiert oder mit ihren Haaren zu Hardrock gemalt. Ihre Diplomarbeit „Kopfarbeit“ wurde zum Beispiel in der Bochumer januar Galerie gezeigt, ebenso in Düsseldorf im Glashaus. 2011 malte sie live im Historischen Freibad Mirke in Wuppertal, mit tropfenden Haaren gestaltete sie das Schwimmbecken neu. Noch ist ihr Teil ihres neuen Ateliers im Atelierhaus Schützenbahn spartanisch eingerichtet, sie teilt es sich mit einer anderen Folkwangerin: Nadine Bieg. Der Schreibtisch ist erst vor einigen Tagen eingezogen, ansonsten wartet der Raum auf seine Inbetriebnahme als Rock-Farben-Leinwand-Mischpoke.
„Ich weiß auch nicht, ich dachte immer, so ein Atelier wäre praktisch, um alles zu verstauen, das in der Wohnung nur Platz wegnimmt. Aber seitdem der Tisch da steht, setze ich mich immer wieder hin, gucke auf die Straße und habe tausendundeine Idee. Gestern habe ich wieder angefangen zu zeichnen, verrückt!“
Die Uni hat sie nach Essen gelockt, wie so viele andere
Aber im Gegensatz zu den meisten Pendlerstudenten schlägt Patricia langsam Wurzeln in der fremden Stadt: „Ich denke, kreativ kann man überall sein, aber um erfolgreich zu sein, braucht man einen bekannten Namen. Den hätte ich weder in Berlin, wo alle hin wollen, noch in San Francisco.“
Sie sucht zur Zeit mit ihrem Freund ein Haus im Ruhrgebiet, arbeitet halbtags und taucht abends den Zopf in die Farbtöpfe. „Am liebsten zu richtig gutem Rock, Led Zeppelin, Metallica, you know the rest!"
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Never Mind The Jacksons...
und nachahmer (oder vormacher?)....