Open Source Festival 2010 - Der Künstlerische Leiter Philipp Maiburg vertritt ein offenes Konzept

Am 7. August findet das fünfte Open Source Festival in Düsseldorf statt. Ein Bürobesuch beim Künstlerischen Leiter, Philipp Maiburg, auch bekannt von den Phoneheads und Combination Records.
 
Jens Kobler: Viel los an Rhein und Ruhr derzeit an aufeinander folgenden Wochenenden: A40-Sperrung, Loveparade, Juicy Beats, Open Source. Werden diese Termine eigentlich irgendwie abgestimmt?
 
Philipp Maiburg. Foto: FotoSchiko
Philipp Maiburg
Philipp Maiburg:
Mit dem Juicy Beats und der c/o pop sind wir zum Beispiel so eng, dass wir im nächsten Jahr zusammen ein Kombi-Ticket zu einem guten Preis anbieten wollen – auch weil wir nicht nur ruhrgebietsweit, sondern NRW-weit denken wollen. Die Loveparade hingegen ist eher außen vor. Schon 2007 haben die sich sechs Wochen vor der Veranstaltung auf unseren Termin gesetzt, was wir dann auch schmerzlich zu spüren bekommen haben. Es gibt also Absprachen zwischen einigen Veranstaltern, übrigens nicht nur in Bezug auf die Termine, sondern auch was die Bookings betrifft.
 
Jens Kobler: Booking ist ein gutes Thema. Open Source galt für mich immer als eine Art Spielwiese zumindest Elektronik affiner Musik. Und dieses Jahr gibt es neben anderen Gitarren orientierten Bands sogar einen Headliner namens Tomte. Krautrock und Elektronica aus und in Düsseldorf? Klar. Aber Deutschrock? Passt das zum Grundgedanken des Festivals?
 
Tomte
Tomte. Foto: www.pertramer.at
Philipp Maiburg:
Der Ursprungsgedanke von Open Source war der eines offenen Konzeptes, daher auch der Name. Es geht darum beweglich zu sein, Dinge auszuprobieren, nicht krampfhaft an einmal getroffenen Entscheidungen festzuhalten. Beim ersten Mal hieß es im Untertitel „Festival für elektronische Musik“, wobei da schon auch Bands wie Zoot Woman bei uns aufgetreten sind, die ja aus der Clubkultur einiges in Pop überführt haben. Oder Bands wie Tocotronic, die nicht in der Performance, aber von den Leuten her Verbindungen zu elektronischer Musik haben. Letztlich prägt aber auch der Zeitgeist ein Festival, zum Beispiel indem man ganz selbstverständlich zuerst auf ein Indie-Konzert und dann zum Tanzen in den Club geht. So gibt es in diesem Jahr auf drei Bühnen neben Tomte Dendemann und Bonaparte, aber auch viel den neuen Sound von Düsseldorf um den Salon des Amateurs oder im Salon zuerst einen Auftritt von Von Spar und dann Theo Parrish. Aber es gibt ebenso eine Young Talent Bühne mit lokalen Bands, die einfach einen originellen Ansatz haben.
 
Jens Kobler: Wichtig ist ja auch die Location, die Galopprennbahn…
 
Open Source Festival
Open Source Festival. Foto: FotoSchiko
Philipp Maiburg:
… auf die wir ja gekommen sind, weil wir im letzten Jahr kurzfristig nicht ins Freibad Lörrik konnten. Und das war ein Segen, weil wir so viele Möglichkeiten haben, die es vorher nicht gab. Zum Beispiel eine überdachte Tribüne, davor eine leicht abfallende Wiese, dann die Bühne und schließlich der Blick über den gesamten Grafenberger Wald. Das bietet einen derartigen Mehrwert, das sitzt wie eine Eins und gibt uns sehr viele Möglichkeiten für kleine, ergänzende Aktionen wie das Elektronen-Toto oder Stände von jungen Galerien und Modelabels, die sich in ihren Arbeiten konkret auf das Festival oder die auftretenden Bands beziehen.
 
Jens Kobler: Was ist eigentlich der aktuelle Stand bei Phoneheads (mit Michael Scheibenreiter, siehe Foto unten) und Combination Records? Du trittst ja nicht mehr stark als DJ und Musiker in Erscheinung.
 
Open Source Festival
Open Source Festival. Foto: FotoSchiko
Philipp Maiburg:
2008 habe ich mich entschieden, das Label nicht mehr weiterzuführen, weil ich einfach diese 360°-Versorgung für die Künstler nicht mehr leisten konnte und wollte, die der Markt heutzutage verlangt. Tonträger zu verkaufen alleine reicht nicht mehr, ich habe drei Vertriebspleiten erlebt und auch keine Lust, ein reines Digitallabel zu machen. Stattdessen bin ich zusammen mit Michael Leuffen bei Carhartt für alles zuständig, was mit Musik in Europa zu tun hat. Was die Phoneheads betrifft hatten wir mit den Düsseldorfer Symphonikern zusammen zweimal die Tonhalle ausverkauft und eine unfassbar gute Presse, aber letztlich weltweit von der entsprechenden DVD nach langer Arbeit nur 2.000 Exemplare verkauft, während die YouTube-Videos 100.000 mal angeklickt wurden. Das war der Punkt, wo ich dachte: Es macht keinen Sinn. Es geht
Open Source Festival
Open Source Festival. Foto: FotoSchiko
auch darum, ob man davon leben kann, aber auch darum, was jemand anderem die Musik wert ist. Das befreit dann aber auch auf eine Art, und so ist Musik eine Leidenschaft geblieben. Ich lege weniger auf, forciere das nicht, und wenn ich auflege, dann bereite ich mich gut vor und habe viel Spaß.

Gerne hätte ich das Live-Element mit den Symphonikern weiter verfolgt, aber da ist dann auch mit dem Goethe-Insitut nicht viel zu machen. Die Idee war, nach China zu fliegen und da mit einem städtischen chinesischen Orchester zu arbeiten. Der interdisziplinäre Aspekt zwischen E- und U-Musik sowie das Interkulturelle wären sehr interessant gewesen. Ich war also sehr frustriert und empfinde nach wie vor das gesamte Konzept des deutschen Popkulturaustausches als komplett falsch. In Frankreich zum
Open Source Festival
Open Source Festival. Foto: FotoSchiko
Beispiel gibt es ein Musikexportbüro, wodurch jedes Label direkt ein internationales Netzwerk hat. Mit Deutschland gibt es, wie Stuckrad-Barre mal gesagt hat, eine Lesung vor fünfzehn Zahnarztwitwen in Dubai, und das war es dann. Die Initiative Musik sehe ich ähnlich: Mit zwei Millionen sollen Nachwuchsbands gefördert werden, und die Kriterien sind in etwa folgende: Man darf nicht mehr als zwei Alben gemacht haben und keines davon darf Goldstatus erreicht haben. So passiert es dann, dass plötzlich eine Band wie Jazzanova gefördert wird. Großen Respekt an Jazzanova, aber das geht ja wohl am Thema vorbei. Jemand sitzt in einer Position und erklärt eine bestimmte Band für förderungsfähig, aber es wird keinerlei Struktur angeboten, um sich selbstständig weiterentwickeln zu können, gerade als Label nicht.

 
Foto: FotoSchiko

 
Jens Kobler: Und so kommt man dann dazu, im kleineren Rahmen diese Förderung beim Open Source selbst in die Hand zu nehmen?
 
Punk'd Royal - spielen auf der Young Talent Bühne
Punk'd Royal - spielen auf der Young Talent Bühne
Philipp Maiburg:
Bei unserer Open Talent Bühne müssen die Bands, da eben nicht offiziell gefördert, alle ohne Gage spielen, aber das tut unser aller Begeisterung keinen Abbruch. Denn dieser Standort Düsseldorf braucht ein eigenständiges Sprachrohr für die Szene. Generell hat Düsseldorf einen unfassbar hohen Kulturetat von über 100 Millionen, der „freie Topf“, auf den man sich bewerben kann, beinhaltet davon unter 100.000 Euro. Insofern sind die Schwerpunkte merkwürdig gesetzt, denn wenn du Leute in Detroit oder Chicago nach Düsseldorf fragst, dann sagt niemand „Oh, the city of Quadriennale!“, sondern „… Kraftwerk!!“. Das als Alleinstellungsmerkmal zu erkennen, oder dass die Modeszene hier auch aus einer Vernetzung entstanden ist, das scheint schwer zu sein. Es ist aber anscheinend auch so, dass man sich politisch weniger ins Bein schießt, wenn man Künstler fördert, die international bereits etabliert sind, und nicht Projekte, die unter Umständen schief laufen könnten. Ohne Fehler aber passiert nichts Neues. Auch Joseph Beuys war für die Stadt zu Lebzeiten glaube ich deutlich unbequemer als jetzt.
 
Jens Kobler: Vielen Dank für das offene Gespräch!
 
 
Open Source am 7. August ab 15 Uhr auf der Galopprennbahn Düsseldorf.
 
Teaserbild: FotoSchiko

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Di, 03.08.2010 0

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04.12.2009

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