
Open Source Düsseldorf: Galopper des Jahres
- Serie: Ruhr Music
Das Open Source Festival ist nicht nur deshalb etwas Besonderes, weil es einen „bei Tag“- und einen „bei Nacht“-Teil hat. Es ist vor allem eine einzigartige Schau der diversen „definitions of cool“ von Düsseldorf – ob mit oder ohne Hut. Ein Nachbericht.
So hip it hurts? - Annäherungen an die Landeshauptstadt
Ein schwarzhumoriger Witz in Düsseldorf: „Amy Winehouse ist tot!“ – „Was hatte sie an?“ Das trifft nun - von der Ruhr aus gesehen - nicht völlig exakt den Charakter der Landeshauptstadt am Rhein, aber Modebewusstsein und Weltoffenheit werden hier nun einmal gern und manchmal ein wenig oberflächlich demonstriert. Die Label „Modestadt“, „Kunst“, „Kraftwerk“ und dann auch noch „Keimzelle des Deutschpunk“ parat zu haben, das macht die Bewohner dieser Stadt oft besonders aufrecht gehen, lässt sie angesichts ihrer realen Mittelgroßstadthaftigkeit aber auch immer wieder herrlichst abstürzen. Wunderbar zu beobachten nicht nur stündlich in der Altstadt, sondern auch und gerade bei dem einen Open Air Festival, das alljährlich die schwierige Aufgabe auf sich nimmt, die eher coole Szene der Stadt mit einem Musikprogramm zu beglücken, das neben der c/o pop südwestlich und dem Juicy Beats nordöstlich irgendwie gut aussehen soll. Und nun erdreistet sich selbst Duisburg, mit der „Traumzeit“ eine ernst zu nehmende Konkurrenz an ureigenem Territorium (Rheinnähe!) aufgebaut zu haben! Schwere Zeiten also für trendy D’dorfer, die tatsächlich auch nur ein wenig über den Tellerrand schauen.

Are we human, or are we dancer? - Geschmacksfragen
Was macht also Düsseldorf? Flucht nach vorn. Mit den Editors wird ein klarer Headliner gebucht, ansonsten sind die drei Bühnen auf der Galopprennbahn von Bands und Live Acts bespielt, die nicht so viel Budget fressen, aber auch nicht zwangsweise Heerscharen anlocken. Dennoch klappt die Strategie auch bei mäßigem Wetter: 2011 sind ähnlich viele Leute anwesend wie im Vorjahr bei Top-Acts wie Tomte, Bonaparte und Dendemann. Auf der Young Talent Bühne Danja Atari zu platzieren wirkt ein wenig verschenkt; hier trifft sich ansonsten doch meist reine Proberaumgroßmäuligkeit ohne viel Originalität und/oder Substanz. „Con-sum“-Kopf und Künstler Wolfgang Schäfer jedoch ist neben Danja Atari auch von The Plot & Dirty Sanchez angetan („Die spielen demnächst bei uns!“). Aber auch er wendet sich meist lieber den anderen beiden Bühnen zu, ebenso wie Juicy Beats Macher Carsten Helmich, der persönlich Programmhefte verteilt und sich vor allem über Mount Kimbie freut – zurecht. Im Kies vor der Carhartt Bühne, auf der neben Mount Kimbie noch dOP überzeugen kann, steht den ganzen Tag über so etwas wie die „Club-Fraktion“, die aber kaum tanzt, sondern trotz meist tanzbarer Musik eher die leidlich interessierte Zuschauerschaft gibt. Später, bei den Partys im Zakk, Rot Kompot, Foyer und Salon des Amateurs wird das dann etwas anders aussehen mit dem Publikumsverhalten. Aber im Hellen wird sich doch meist etwas vornehm zurück gehalten. Große Ausnahme: Hauptbühne. Aber hier ist es auch einfach nur schön.

Helden der Rennbahn - Wie man eine große Bühne bespielt
Pech haben Cody ChesnuTT und Crew: Sie erwischen den Regen. Black Live Music ist immer gut und gern einmal gesetzt auf der Bühne vor der Bahn und gegenüber der Tribüne, die gleichzeitig die Platzordnung vorgibt: Hier die Distinguierten bitte, und auf dem abfallenden Platz von den Klang- und Lichtmixern runter zur Bühne hin die Fans und wohlwollenden Mitmacher. Hier sind die jungen Eltern samt Babys mit Kopfhörern zum Fotografieren frei gegeben. Hier tanzen sich die Aufreißer und -innen der kommenden Nacht mit Bier respektive Sekt oder Cocktails in der Hand schon einmal ein. Hier werden Modelogos gern einmal betont offensiv auf den Kleidern getragen als sei noch 10. Klasse. Hier sind aber vor allem viele Fans und Freunde des Festivals und der Bands, die über all das gnädig hinweg sehen, weil es ja auch Fußvolk braucht für den Erfolg eines solchen Festivals.

Mit dem Bus in die Disco - Das Nachtprogramm

Und das ist das Schönste an gut 16 Stunden Open Source: Obwohl in Düsseldorf so viel geunkt und gezickt wird wie im Ruhrgebiet gemoppert und gerempelt, so ist es umso wichtiger, dass all die Manierismen und (Hobby-)Künstler-& Model-Egos zumindest einmal im Jahr zu einem liebenswerten, unrockistischen und ordentlich groß dimensionierten Festival getrieben werden. Persönlicher Tipp für Ruhrgebiets-Lokalpatrioten: Bochum Total vergessen und nächstes Jahr nach Düsseldorf fahren. Oder am besten gleich ganz Bilk nach Gelsenkirchen transplantieren. Dann wird auch aus der Stadt noch was.
Die nächsten Großtermine für Musik in Düsseldorf:
20.-25. September: Approximation Festival
11.-16. Oktober: New Fall Festival
Fotos: Jens Kobler
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