
Occupy the world – gegen die Schieflage im Finanzsystem
Angetrieben von der Occupy-Bewegung protestierten die Menschen am 15. Oktober auch in Düsseldorf
Remember, remember the fifth of November: Am 5. November 1605 scheiterte Guy Fawkes mit seinem Plan, dem Gunpowder Plot, das britische Parlament in die Luft zu sprengen. Heute ist der Tag Nationalfeiertag in Großbritannien. Mehr als 400 Jahre später präsentiert sich das Antlitz des Offiziers mit dem Musketierbärtchen Guy Fawkes als das Gesicht des Anonymus-Kollektivs. Und als Gesicht einer ganz neuen weltweiten Bewegung: Occupy – angelehnt an die Bewegung Occupy Wall Street ("Besetzt die Wall Street").

Am 15. Oktober 2011 schwappte die Welle der Occupy Wall Street über auf die Welt, gingen laut 15october.net in 951 Städten in 82 Ländern Menschen auf die Straße – gegen die Macht der Banken und das Finanzsystem und für soziale Gerechtigkeit. Auch in Düsseldorf. Auch dort war die Guy Fawkes-Maske allgegenwärtig, die im Comicroman V for Vendetta aus dem Jahr 1982 vom Helden V getragen wird – ein Anarchist und Terrorist, der gegen das englische totalitäre Regime kämpft.


Den Kampfruf haben sich auch die circa 2.000 Demonstranten an diesem Nachmittag in Düsseldorf auf die Fahnen geschrieben. Um 15 Uhr trifft sich vor dem DGB-Haus eine heterogene Gruppe von Menschen: Eltern mit Kindern, Jugendliche, Rentner, Menschen in mittleren Jahren, erfahrene Demonstranten neben Menschen, die noch nie auf die Straße gegangen sind, um sich zu erheben. Sie alle eint die Überzeugung, dass die Macht der Banken eingedämmt werden muss. Die Wut ist groß. Zwar wirken die Kundgebungen improvisiert, dafür aber um so beherzter. Und so ist das auch gewollt: Jeder kann sich das Mikrofon nehmen, jeder kann sagen, was ihm auf der Seele brennt, seinem Ärger Luft machen.

Vor der Deutschen Bank auf der Königsallee wird eine Zwischenkundgebung eingeschoben. In New York fordern die Aktivisten dazu auf, ihre Konten bei der US-Großbank JP Morgan Chase zu kündigen. In Düsseldorf fordert das Attac-Organisationskomitee dazu auf, das eigene Konto bei der Deutschen Bank aufzulösen und das Geld bei den Genossenschaftsbanken anzulegen. „Denn wir sind die Kunden“, sagt ein Sprecher, „und wir haben die Macht, etwas zu ändern.“ Und so lautete an diesem Nachmittag immer wieder die Aufforderung: Ändere zuerst dich selbst, dann kannst du auch die Gesellschaft ändern.

Nach zwei Stunden kamen die Demonstranten zur Abschlusskundgebung auf den Graf-Adolf-Platz zusammen. Mit den letzten Sonnenstrahlen kann jeder seinem Ärger nochmal Luft machen und sich empören. Eine Attac-Sprecherin sagt: „Wenn dies hier heute die Keimzelle einer weltweiten Bewegung ist, dann freuen wir uns jetzt schon, den Virus zu weiter zu verbreiten.“
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