
Obdachlose Mustermenschen - Steffen Börgmann & Sarah Könecke im Interview (Teil 1)
Ein Musterbeispiel für kommunale Kulturpolitik? Vorstandsvorsitzender Steffen Börgmann und Vorgängerin Sarah Könecke von der Duisburger Kulturinitiative Mustermensch e.V. hätten folgendes Interview nur zu gerne im eigenen selbstverwalteten Kulturzentrum gegeben.
Doch seit dem Aus ihres temporären Domizils T5 am Duisburger Marientor im Juni 2009 trifft sich die Gruppe nur noch im Exil. Es ist die exemplarische Geschichte eines frustrierenden Kampfs freier Kulturschaffender gegen bauliche Mängel und politischen Vorurteile.
Was zeichnet einen Mustermensch aus?
Könecke: Er ist bunt gemustert und lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Eine Persiflage auf Max Mustermann. Das Kulturangebot, das der Verein trägt, ist eben nicht eventkonform-kompatibel.
Börgmann: Auf unseren Treffen zeigt sich, dass es den Idealtyp Mustermensch nicht gibt. Wir sind wirklich ein bunt zusammengewürfelter Haufen. Das geht über alle Altersgruppen und lässt sich nicht auf eine Szene reduzieren.
Warum sitzen wir gerade nicht in Mustermenschen-Räumen, sondern im Café Mundo?
Könecke: Es ist nicht einfach, entsprechende Räumlichkeiten zu finden. Bereits vor der T5-Zeit war die Suche nach einem geeigneten Ort eine Odyssee, während der wir uns schon jede Menge Räume angesehen hatten. Es ist schwierig, in Innenstadtnähe, was sehr wichtig ist, Räume zu finden, die für uns nutzbar sind. Wo viele Leute hinkommen können und man auch mal laut sein darf.
Gab es 2005 einen konkreten Anlass, den Verein zu gründen?
Könecke: Mit der Schließung der "Fabrik" fehlte definitiv ein Ort, in dem sich im alternativen Bereich Veranstaltungen besuchen lassen und wo man selbst etwas veranstalten kann. Eine öffentlicher Raum ohne die Pflicht, etwas konsumieren zu müssen.
Die erste rechtliche Grundlage, um überhaupt agieren zu können, ist die Gründung eines Vereins. Eine Handvoll Leute hatte sich dann seinerzeit zusammengefunden und eine Satzung ausgearbeitet. Dann sind wir an die Öffentlichkeit gegangen und viele Leute waren sehr schnell begeistert. Es folgten eine Demo, öffentliche Konzerte und Kickertische, die wir in der Innenstadt aufgebaut hatten, um auf unser Anliegen aufmerksam zu machen.
Später habt ihr das T5 im ehemaligen Fifty-Fifty am Marientor eröffnet.
Börgmann: Das war im November 2008. Nach rund einem Monat Renovierungszeit. Jede Woche gab es zwei Konzerte, um über die Runden zu kommen. Das war gar nicht so einfach bei unseren Getränkepreisen. Es gab damals gutes Feedback von Seiten der Stadt und die Trägerschaft der freien Jugendhilfe. Das Ordnungsamt kam mit Schanklizenz an und mit Lärmbeschwerden.
Um eine Nutzungsänderung zu erwirken, hätte umgebaut werden müssen. Die Bausubstanz erwies sich dabei als Fass ohne Boden. Das hätten wir finanziell nicht bewältigen können. Dadurch hatte das T5 keine Zukunft mehr und im Juni 2009 war dann Schluss.
Könecke: Für die Anerkennung der Trägerschaft der freien Jugendhilfe besuchten uns Delegationen aus Fraktionsmitgliedern (CDU/Grüne) und Jugendhilfeausschuss. Bei Kaffee und Kuchen begriffen die Politiker zum ersten Mal, wie unser Konzept greift und dass man auch ohne pädagogische Anleitung kreativ arbeiten und Jugendarbeit leisten kann. Ohne Sozialarbeiterkraft, die für Ruhe und Ordnung sorgt. Vorher wurde überhaupt nicht verstanden, wie man miteinander und wirtschaftlich klar kommen kann.
Wie viele Orte habt ihr euch nach dem Ende des T5 erfolglos angeschaut?
Könecke: Richtig viel haben wir bereits vor der Zeit des T5 abgegrast. Von Kneipen über stillgelegte Fabriken, Betriebsgelände und alte Industrien in Hochfeld. Nach Schließung des T5 sind wir in ein kleines Loch gefallen, weil die Puste raus war und sich eine Ratlosigkeit breit gemacht hat. Wir versuchen gerade uns zu regenerieren und neu aufzustellen.
Viele Leute, die sich bei und engagieren, engagieren sich auch noch in umliegenden Ortschaften, z.B. bei Konzertgruppen und Initiativen in Oberhausen, Mülheim und Düsseldorf. Wir müssen die Kräfte wieder bündeln.
Hattet ihr im Vorjahr Kontakt zu den im Rahmen der Kulturhauptstadt geschaffenen „Artist Contact Points“, die als Anlaufstelle für Fälle wie „Mustermensch“ agieren wollten?
Börgmann: Ich hatte davon etwas im Zusammenhang mit Zwischennutzungen unter einem anderen Namen gehört, aber Kontakt hatten wir keinen.
Hier gehts zu Teil 2 des Interviews.
Fotos: Michael Blatt (Teaser), Mustermensch (Logo, T5)
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Was zeichnet einen Mustermensch aus?
Könecke: Er ist bunt gemustert und lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Eine Persiflage auf Max Mustermann. Das Kulturangebot, das der Verein trägt, ist eben nicht eventkonform-kompatibel.
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Könecke: Es ist nicht einfach, entsprechende Räumlichkeiten zu finden. Bereits vor der T5-Zeit war die Suche nach einem geeigneten Ort eine Odyssee, während der wir uns schon jede Menge Räume angesehen hatten. Es ist schwierig, in Innenstadtnähe, was sehr wichtig ist, Räume zu finden, die für uns nutzbar sind. Wo viele Leute hinkommen können und man auch mal laut sein darf.Gab es 2005 einen konkreten Anlass, den Verein zu gründen?
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Die erste rechtliche Grundlage, um überhaupt agieren zu können, ist die Gründung eines Vereins. Eine Handvoll Leute hatte sich dann seinerzeit zusammengefunden und eine Satzung ausgearbeitet. Dann sind wir an die Öffentlichkeit gegangen und viele Leute waren sehr schnell begeistert. Es folgten eine Demo, öffentliche Konzerte und Kickertische, die wir in der Innenstadt aufgebaut hatten, um auf unser Anliegen aufmerksam zu machen.
Später habt ihr das T5 im ehemaligen Fifty-Fifty am Marientor eröffnet.
Börgmann: Das war im November 2008. Nach rund einem Monat Renovierungszeit. Jede Woche gab es zwei Konzerte, um über die Runden zu kommen. Das war gar nicht so einfach bei unseren Getränkepreisen. Es gab damals gutes Feedback von Seiten der Stadt und die Trägerschaft der freien Jugendhilfe. Das Ordnungsamt kam mit Schanklizenz an und mit Lärmbeschwerden.Um eine Nutzungsänderung zu erwirken, hätte umgebaut werden müssen. Die Bausubstanz erwies sich dabei als Fass ohne Boden. Das hätten wir finanziell nicht bewältigen können. Dadurch hatte das T5 keine Zukunft mehr und im Juni 2009 war dann Schluss.
Könecke: Für die Anerkennung der Trägerschaft der freien Jugendhilfe besuchten uns Delegationen aus Fraktionsmitgliedern (CDU/Grüne) und Jugendhilfeausschuss. Bei Kaffee und Kuchen begriffen die Politiker zum ersten Mal, wie unser Konzept greift und dass man auch ohne pädagogische Anleitung kreativ arbeiten und Jugendarbeit leisten kann. Ohne Sozialarbeiterkraft, die für Ruhe und Ordnung sorgt. Vorher wurde überhaupt nicht verstanden, wie man miteinander und wirtschaftlich klar kommen kann.
Wie viele Orte habt ihr euch nach dem Ende des T5 erfolglos angeschaut?
Könecke: Richtig viel haben wir bereits vor der Zeit des T5 abgegrast. Von Kneipen über stillgelegte Fabriken, Betriebsgelände und alte Industrien in Hochfeld. Nach Schließung des T5 sind wir in ein kleines Loch gefallen, weil die Puste raus war und sich eine Ratlosigkeit breit gemacht hat. Wir versuchen gerade uns zu regenerieren und neu aufzustellen.
Viele Leute, die sich bei und engagieren, engagieren sich auch noch in umliegenden Ortschaften, z.B. bei Konzertgruppen und Initiativen in Oberhausen, Mülheim und Düsseldorf. Wir müssen die Kräfte wieder bündeln.
Hattet ihr im Vorjahr Kontakt zu den im Rahmen der Kulturhauptstadt geschaffenen „Artist Contact Points“, die als Anlaufstelle für Fälle wie „Mustermensch“ agieren wollten?
Börgmann: Ich hatte davon etwas im Zusammenhang mit Zwischennutzungen unter einem anderen Namen gehört, aber Kontakt hatten wir keinen.
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Fotos: Michael Blatt (Teaser), Mustermensch (Logo, T5)
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Di, 01.03.2011
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