
Obdachlos in New York: ein Fall für Designer? (Teil 2)
Architekten arbeiten an besseren Entwürfen für Obdachlosenunterkünfte
Im zweiten Teil des Artikels über Design für Obdachlose in New York City schildern Deborah Grossberg Katz und Terri Chia, eine Architektin und eine Designerin, die schwierigen Rahmenbedingungen, denen sie sich beim Design einer Obdachlosenunterkunft in einem stark genutzten Raum gegenüber sahen.
Anforderungen an das Design
Das Untergeschoss der St. Mary’s Episcopal Church in Harlem diente als Forschungsstudie für unser Projekt. Wie fast alle Obdachlosenhilfsdienste in New York City sind die Organisationen in St. Mary in irgendwelchen abgelegenen Ecken untergebracht, sie arbeiten zu seltsamen Zeiten, in Räumlichkeiten, die auch von vielen anderen Gruppen benutzt werden. Dort befindet sich auch die Columbia-Harlem Homeless Medical Partnership (CHHMP), ein gemeinnütziger medizinischer Dienst für Obdachlose, und das Center for Urban Community Services, außerdem noch eine Essensausgabe, und es finden Treffen der Anonymen Drogensüchtigen und diverse Veranstaltungen der Kirche und der Gemeinde im Allgemeinen statt.
Ein vielfach verwendeter Raum
Das Untergeschoss von St. St. Mary’s ist ein 205 Quadratmeter großer Raum, in dem ein dicht gedrängtes Programm stattfindet. In diesem Zusammenhang ist Flexibilität das Wichtigste, um einen reibungslosen Ablauf aufrecht zu erhalten. Jede Gruppe nutzt den Platz anders, stellt die Möbel ihren Bedürfnissen entsprechend um. Das Mobiliar wird von allen verwendet und muss leicht zu bewegen sein, damit es zwischen den Veranstaltungen schnell umgestellt werden kann. Stauraum ist nur sehr begrenzt vorhanden, und bestimmte Möbel und Vorräte müssen aus Sicherheitsgründen in verschließbaren Spinden untergebracht werden. Diese räumlichen Begrenzungen stellen ein klares Designproblem dar: das Bedürfnis nach Flexibilität, Leichtigkeit und Multifunktionalität – und das alles bei einem knappen Budget.
Privatsphäre in öffentlicher Umgebung
Aber das dringlichste Problem, dem sich kleine Obdachlosenhilfsorganisationen gegenüber sehen, ist, dass die sehr private Handlungen in sehr öffentlicher Umgebung ausführen müssen. So finden beim medizinischen Hilfsdienst zum Beispiel die Anamnese, Untersuchungen, und Diagnosen der Patienten alle in einem offenen Raum statt, in dem dünne Wandschirme und eine laute Umgebung die einzigen Puffer sind, die eine Art von Privatsphäre bieten. Trotz der Offenheit des Raumes eine Art Privatsphäre gewährleisten zu können, das ist eine der großen Herausforderungen des Projekts. Außerdem soll ein Gefühl von Dauerhaftigkeit und Beständigkeit für die Besucher hergestellt werden, die sich ansonsten eh in sehr unstabilen Verhältnissen bewegen; es muss Klarheit und Einsichtigkeit in ein komplexes System von für sie ungewohnten Handlungen geschaffen werden; und es sollen die diversen Aspekte von Form, Größe, Material und Farbe angewendet werden, um einen trostlosen, tristen Raum ein eine gemütliche und einladende Umgebung für die Besucher und die dort Arbeitenden zu verwandeln.

Die Probleme, denen sich kleine Obdachlosenhilfsorganisationen gegenüber sehen, spiegeln eine größere Problematik wider, nämlich die der Offenheit (oder eher Ungeschütztheit) in institutioneller Umgebung und Privatsphäre in öffentlichem Raum. Für uns hat dieses Projekt als ein Labor gedient, in dem wir erforschen konnten, wie Design auf kleinem Raum und sehr begrenzte Stellmöglichkeiten auch die sozialen und räumlichen Probleme auf einer höheren Ebene angehen können. Zur Zeit entwickeln wir einen Online-Katalog, der als print-on-demand-Ausgabe erhältlich sein soll, in dem wir uns mit diesen Punkten befassen, einschließlich Möbeln, Abschirmwänden, Vorhängen, Beschilderung, Graphiken, und Druckmaterialien. Wir hoffen, dass wir Designer im Allgemeinen in die Katalogentwicklung einbinden können, indem wir diesen Designentwurf einem größeren Publikum vorstellen. Wir hoffen, dass wir ein praktisches Modell erstellen können, das mit dem Design des Designs an sich beginnt.
Deborah Grossberg Katz und Terri Chiao sind die Gründerinnen von Katz Chiao, einem Design- und Forschungsbüro mit Sitz in New York und Philadelphia. Deborah lehrt Architektur und urbanes Desgin an der Temple University / Tyler School of Art, Penn Design und Columbia GSAPP, und Terri ist eine Designerin bei 2×4 Inc. Alle Bilder von: Katz Chiao.
Public/Private ist ein Forschungs- und Designprojekt, das vom New York State Council on the Arts finanziert wird, mit Sponsorenunterstützung der Architectural League of New York, Columbia University GSAPP Fabrication Lab, und des Spatial Information Design Lab. Ein besonderer Dank geht an Laura Kurgan und an unsere Mitarbeiter bei St. Mary’s, CUCS, und CHHMP.
Zuerst veröffentlicht bei URBAN OMNIBUS
Teaser Photo: Homeless Hoarder von Richard Masoner / Cyclelicious / flickr commons, some rights reserved
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