"Oase in Beton" – Experimente im öffentlichen Raum beim Frauenfilmfestival

Am Freitag den 15.4. und Samstag den 16.4. installiert das "Labor für sensorische Annehmlichkeiten (Labsa e.V.)"  auf der Kampstraße in Dortmund ein Experimentierfeld rund um das Thema "Öffentlicher Raum". Unter dem Namen "Oase in Beton" finden zahlreiche Veranstaltungen statt.  Anlass für ein Gespräch mit Thomas Enbergs – neben Irina Beginc und Emilia Hagelganz einer der Vorsitzenden von Labsa e.V. – über die Zielsetzungen des Projekts.

2010LAB.tv: Euer Projekt heißt "Oase in Beton" – worum geht es dabei?


Thomas Enbergs: Wir wollen uns mit unseren Kooperationspartnern mit dem öffentlichen Raum beschäftigen. Wir wollen in einer labor-artigen Situation erforschen, wie man den öffentlichen Raum nachhaltiger und menschenfreundlicher nutzen kann als das zur Zeit der Fall ist.

Wir haben ein Solarmobil zusammengebastelt, welches den Strom für die Veranstaltung bereitstellt, und dann gibt es Künstler und Künstlerinnen vor Ort, Musiker und auch Leute, die soziale Projekte vorstellen.

Wie kam es zur Kooperation mit dem Frauenfilmfestival?

Wir haben drei Jahre mit der polnischen Gruppe Multigotki Export zusammengearbeitet. Im letzten Jahr gab es das große Multimedia-Festival Prototypen, das seine Energie ausschließlich aus Solarstrom und Strom von Fahrradgeneratoren bezog. Darauf sind die Macherinnen des Frauenfilmfestivals aufmerksam geworden. Dieses Jahr steht das Festival unter dem Titel "Was tun?", und da werden Leute gesucht, die in allen möglichen Bereichen Dinge in Bewegung setzen. Wir wurden gefragt, ob wir nicht etwas im öffentlichen Raum tun können, weil das Frauenfilmfestival sich auch abseits der Filme im Stadtbild zeigen wollte.

In Dortmund wird das Thema "öffentlicher Raum" beispielsweise durch Gruppen wie UZDO thematisiert. Habt ihr eine konkrete kulturpolitische Position zu diesem Thema?

Welche Ansätze wir bevorzugen, lässt sich sicher an der Auswahl der Leute erkennen, die wir eingeladen haben. Wichtig für uns ist nicht, gegen etwas zu sein, sondern für etwas. Da wollen wir mit gutem Beispiel voran gehen und so die Menschen bewegen. Das ist im klassischen Sinne nur indirekt politisch. Wir wollen die Leute dazu anregen, öffentlichen Raum anders wahrzunehmen.

Ein wichtiger Schwerpunkt von Labsa ist Ökologie, es geht um nachhaltige Energiequellen. Welche Gründe bewegen euch, dieses Thema in den Vordergrund zu stellen?`

Eigentlich muss man nur mit offenen Augen durchs Leben gehen, da sieht man ganz klar, in was für eine Sackgasse wir laufen. Unserer Auffassung nach sind regenerative Energien weitaus sinnvoller für ein zukünftiges Leben. Nur auf diese Weise lässt sich eigentlich überhaupt eine sinnvolle und mögliche Zukunft denken.

Mit "Oase in Beton" erstellt ihr eine utopische Experimentierlandschaft. Habt ihr schon Vorstellungen, wie öffentlicher Raum in Zukunft anders genutzt werden sollte?

Der Grund, warum wir uns mit dem Thema beschäftigen, ist, dass wir mit dem Ist-Zustand nicht zufrieden sind. Es gibt teilweise sehr standardisierte und öde Stadtlandschaften, die mit Gestaltung und gutem Design wenig zu tun haben – alles ist sehr pragmatisch, sehr kostengünstig. Wir wünschen uns eine buntere, einfach eine vielfältigere Atmosphäre. Es gibt sicherlich viele Blickwinkel auf dieses Thema. Das werden wir auch in unseren Diskussionen beleuchten. Es gibt auch Leute, die sagen, "Alles wunderbar, schön sauber, das sollte so bleiben." Wir sehen das ein bisschen anders und wollen in Aktionen zeigen, wie es anders aussehen kann.

Wir glauben auch, dass es mehr Beteiligung interessierter Bürgerinnen und Bürger geben sollte, haben aber durch unsere Projekte gemerkt, dass die Bürokratie es einem da sehr schwer macht. Es gibt eine Armada von Gremien, die zuständig sind – wer sich mit dem Thema auskennt, weiß, dass es teilweise jahrelange Arbeit braucht, nur um ein Schild aufzustellen. Zu diesem Thema haben wir zu einer Diskussion auch eine Ratsfrau, Ulrike Märkel, eingeladen, um vielleicht eine Antwort zu finden, wie man kreativ mit solchen bürokratischen Hürden umgehen oder, langfristig gedacht, die Situation ändern kann.

Der Autor dieses Beitrags wird am 16.4. im Rahmen von "Oase in Beton" an der Diskussion "Wie kann die Beteiligung interessierter Bürger_innen an der Nutzung des öffentlichen Raumes aussehen?" teilnehmen.



Fotos:  Slawek Drajer (1) & Hanna Witte (2)



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Do, 14.04.2011 1

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Kommentare

öffentlicher Raum

artscenico und ds festival off limits (seit 2011 tot) beschäftigt sich mit seinen Produktionen seit Anfang des Jahrtausends mit dem öffentlichen Raum....

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27.02.2010

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