Nur weil sie schießen kann, ist sie keine Feministin!

Melissa Silverstein im Interview

Ihr Blog Women And Hollywood ist die wichtigste feministische Stimme der Blogosphäre zum Thema Popkultur und Filmindustrie. 2010LAB.tv hatte im letzten Jahr die Möglichkeit, Melissa Silverstein im Rahmen der Pressekonferenz des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund/Köln einige Fragen zu stellen, bei dem die US-Amerikanerin neben Maren Kroymann und Claudia Landsberger als Jurymitglied über die Gewinnerproduktion des Wettbewerbs entscheiden wird.

 

Melissa Silverstein ist erst wenige Stunden vor der Pressekonferenz in Deutschland gelandet. Sie ist zwar müde, vor allem aber aufgeregt und gespannt auf die kommenden Tage, denn es ist ihr erster Besuch in Deutschland. Nach der Vorstellung des Festivalprogramm zeigt sie sich beeindruckt vom vielfältigen und engagierten Festivalprogramm in Dortmund.

 

Wie sind nun Ihre Erwartungen, nachdem Sie in den Ankündigungen bei der Pressekonferenz nun alles gehört haben?

Ich kann es kaum abwarten, die Regisseurinnen zu treffen und ihre Filme zu sehen. Ich möchte mehr über ihre Arbeit und ihre Visionen erfahren und sie verstehen.

 

Was bedeutet Ihnen die Einladung zu diesem Festival?

Das ist sehr aufregend. Schließlich bin ich Bloggerin und arbeite den ganzen Tag an meinem Computer. Manchmal ist einem dann gar nicht bewusst, dass die Menschen dich wirklich lesen. Klar, man sieht seine Analysen und denkt sich – „oh, das gefällt jemandem“ und man liest die Kommentare und denkt wieder „oh, das gefällt jemandem“.

Aber eine Einladung wie diese zu erhalten, lässt sehr demütig werden. Und es ist eben aufregend, denn es bedeutet, dass die eigene Arbeit vom kleinen Computerbildschirm transzendiert.

 

Ihr Blog Women & Hollywood ist der wichtigste Beitrag zum Thema Frauen in der aktuellen Film- bzw. Popkultur. Sie haben gesagt, dass die Frauenrolle in Hollywood im Vergleich zu den 80er Jahren sehr rückständig ist.

Eine Frage, über die sich viele Menschen den Kopf zerbrechen, auch ich habe darüber geforscht: Was ist mit den starken Frauen passiert, die direkt aus der Frauenbewegung der 70er Jahre hervorgegangen sind, und die in den 80ern und frühen 90ern auf den Leinwänden zu sehen waren? Plötzlich sind sie verschwunden.

Ich weiß es nicht, aber es gibt natürlich sehr viele Theorien.

Wie der Blockbuster zum zentralen Hollywood-Thema wurde, wie er sich auf die jungen männlichen Zuschauer fokussiert hat.

Frauen wie Lily Tomlin und Bette Midler waren Riesenstars! Das waren Zeiten, in denen Männer und Frauen gemeinsam ins Kino gegangen sind, um sie zu sehen. Keiner sagte: „Ich werde mir diesen Lily Tomlin-Film nicht anschauen!

Doch plötzlich gab es diese Geschlechtertrennung, ich weiß nicht wann oder warum das passiert ist. Plötzlich hieß es: Wenn es in diesem Film um eine Frau geht, wird der Typ sich den Film nicht anschauen. Aber wenn es um einen Mann geht, dann werden ihn auch die Frauen sehen, denn das ist universell! Ich verstehe nicht, warum das so ein Riesenproblem ist. Keiner tut das wirklich…

 

Es ist also keine Publikumsentscheidung gewesen, sondern die der Hollywood-Strippenzieher und Produzenten…

Ja. Sie denken, dass ein männlicher Star das Produkt besser im Ausland verkauft, denn mittlerweile werden 65 Prozent der Umsätze in Übersee gemacht.

Deswegen gelten Filme als die Besten, in denen Männer wenig reden und dafür viel in die Luft jagen. Haben Sie mal einen Film gesehen, in denen die weibliche Hauptrolle wenig redet und ständig Dinge in die Luft jagt? Vielleicht Angelina Jolie, aber das ist eine

Aber Woche für Woche jagen die Jungs Dinge in die Luft. Das ist zum Teil der Geschichte geworden, wie Hollywood sein Geschäft sieht. Was passiert ist, dass Frauen außen vor sind.

 

Ich möchte über zwei Filme mit weiblichen Hauptrollen sprechen, die in der letzten Zeit im Gespräch waren. Zum einen Black Swan und zum anderen Sucker Punch.

Sucker Punch ist ein schrecklicher Film! Ich denke auch nicht, dass Frauen die Stars darin sind. Sie mögen die Hauptrollen haben, aber sie sind nicht die Stars des Films.

Black Swan war mein Lieblingsfilm. Er erzählt aus einer weiblichen Perspektive und ich bin so dankbar, dass sie soviel Geld damit gemacht haben und dafür dass Natalie Portmann nun in der allerersten Starliga spielt, denn sie hat den Oscar gewonnen.

Mit Sucker Punch wollten sie beide Gruppen kriegen, die Jungs und die Mädchen. Auf der einen Seite „girl power“ auf der anderen Seite Jungs in Schlägereien.

Sie haben sich allerdings verrechnet, denn erstens ist es einfach ein unglaublich schlechter Film und zudem beleidigen sie die Frauen und die Männer mit dem Film. Wenn du sogar in solchen Filmen anfängst, die Männer zu beleidigen, kannst du einpacken.

 

Es gibt durchaus Stimmen junger Frauen, die diese Darstellungen ironisch sehen…

…und dass sie ihnen Macht verleihen, ja. Aber das tun sie nicht! Nur weil man einem Mädchen eine Knarre in die Hand drückt, hat man keine starke Frauenfigur. Das ist das Problem: Nur weil sie schießen kann, ist sie keine Feministin!

 

Sa, 11.02.2012 4

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Kommentare

SCUM: Halb so wild

Das Cover ! ist genial zum Thema Frau und schießen. Den Inhalt hab´ ich auch gelesen. Kann ich nur weiterempfehlen. Eine wirklich kluge Frau. Die Mutter aller Feminismus.

"Mein Kampf"

Hartes Zeug! In den Kommentaren bei Amazone wird das mit "Mein Kampf" verglichen. Jungejunge. Oder vielmehr Mädchenmädchen.

Valerie Solanas im März Verlag!

SCUM

Und Valerie Solanas? War sie Feministin, nur weil sie schießen konnte?

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05.01.2010

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