ExtraSchicht 2010 - Noch immer so wie nirgendwo

Die ExtraSchicht des Ruhrgebiets bleibt ein einsamer Event. Keine ehemalige oder praktizierende Industriemetropole Europas bietet Vergleichbares. Nirgendwo sonst sind in einer Nacht annähernd so viele Menschen auf den Beinen, um in vormaligen Fabriken, Zechen, Lagerhäusern die Geschichte der Orte derart lebendig zu begehen.

Kulturevents in Industriestätten – das gibt es freilich auch anderswo. Im walisischen Blaenavon etwa. Wo heuer zeitgleich zur ExtraSchicht eine Musik- und Theaterperformance in den Kulissen einer Zeche stattfindet. Oder in Linz an der Donau. Dort dirigierte schon der Film-Komponist Ennio Morricone in der Flämmereihalle des Stahlerzeugers voestalpine. In England initiierte wiederum der Komponist Benjamin Britten bereits 1967 das seither jährliche Aldeburgh Musikfestival in einer alten Mälzerei. Während in dem historischen Kohlebergwerk „Guido“ im polnischen Zabrze wiederholt eine künstlerische „Nacht des Absurden“ stattfand.

Bezug auf die industrielle Vergangenheit

Von den Dimensionen eines konzertierten Festivals, bei sich dem eine ganze Region auf den zusammengewachsenen Begriff „Industriekultur“ bezieht, ist das alles weit entfernt. Selbst dort, wo man Derartiges am ehesten vermuten würde, in den ehemaligen Fabrikstädten und Zechengemeinden Nordenglands, besteht der Bezug auf die industrielle Vergangenheit in anderer Form fort. Tief sitzend zwar, aber angesichts traumatischer Arbeitskämpfe in der Niedergangsphase wohl mit weniger Hang zur weiterführenden Zelebrierung.

Ähnliches lässt sich bei einer virtuellen Tour auf der Europäischen Route der Industriekultur feststellen. Von Lille über Belgien in die Progressivität nie verlegenen Niederlande. Museen gibt es viele, regelrechte Festivals eines Wandels aber keine.

Es mag an den Ausmaßen und der frühen, positiv erlebten Umdeutung der hier so zahlreichen Produktionsstätten liegen, dass das Ruhrgebiet auch postindustrielle Maßstäbe zu setzen vermag. Dass sich dahinter eine Haltung verbirgt, die sich keineswegs auf Nostalgie reduziert, sondern die Räume für Neues aufzumachen bemüht, ist einfach seit zehn Jahren ein Grund zum Feiern.

Foto: Ruhr-Tourismus/Kreklau

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So, 20.06.2010 1

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Kommentare

glauben

kann ich kaum glauben, dass die ruhris die positive thinker unter den stahlleidenden sind.

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21.06.2010

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