Nieten in der Grugahalle - Schwermetall in den 80ern

Auch wenn der WDR immer so tut, als hätte es nur „Rockpalast“-Nächte in der Grugahalle gegeben, in den Achtzigern waren es die Ruhrpott-Kuttenträger, die der altehrwürdigen Grugahalle ausverkaufte Veranstaltungen ermöglichten. Ein persönlicher Rückblick.

Am Anfang war die Glocke

Es ist der 4. Dezember 1980, ein kalter Wintertag. In Essen vor der Grugahalle steht ein Zwölfjähriger mit zwei Schulfreunden. Drei Kinderaugenpaare starren ungläubig auf den riesigen Schriftzug über dem Eingang: vier Buchstaben, ein Blitz, alles schwarz. AC/DC sind wieder in NRW, nach dem tragischen Tod ihres Frontmanns Bon Scott im Februar haben sie ein Album namens „Back In Black“ im Gepäck, der Neue heißt Brian Johnson, die Vorgruppe Whitesnake. Bei denen spielen allein drei ehemalige Deep Purple-Mitglieder, ein Hauch von Rockgeschichte weht durch die Gruga. Den drei Teenagern ist das egal, es ist ihr allererstes Konzert. Als Aufpasser fungiert ein sechs Jahre älterer Oberstufenschüler in Birkenstocksandalen und Palästinenser-Schal. Sie haben ihm, ihrem sogenannten ‚Mentor‘, die Eintrittskarte spendiert, damit sie ohne Eltern dabei sein können. Der Vater des einen Freundes ist trotzdem gefahren, er sitzt das Konzert über in einer Kneipe gegenüber und wird später berichten, dass er die Hallendecke habe wanken sehen, so laut sei es gewesen. Auch der Schalträger hält sich lange Zeit die Ohren zu. Die Lederjacken- und Kuttenträger machen sich lustig. Die drei Teenies aber sind stolz, ihre Lieblingsband endlich live sehen können. Das Konzert beginnt mit einer Glocke, es endet nach nur 13 Songs. Die drei sind glücklich und am nächsten Morgen die Helden der Klasse. Ob es laut gewesen sei? Sehr, sagen sie, aber zum Ohrenarzt gehen sie nicht.

Schlagzeug von der Nasa

Obwohl in Dortmund mit der Westfalenhalle die wesentlich größere Halle steht, spielen in den Achtzigern die meisten Metal-Bands in der Grugahalle. Auch AC/DC sind 1988 wieder da, an diesem 31. März hat Gitarrist Angus Young Geburtstag, sein Bruder Malcolm spielt zwischen zwei Songs „Happy Birthday“. Die Briten Iron Maiden machen mehr Show: Ihr Konzert am 26. Oktober 1984 (mit einer amerikanischen Nachwuchsband namens Mötley Crüe) sieht die Grugahalle in eine ägyptische Pyramidenlandschaft verwandelt. Mötley Crüe kommen schon am 23. Januar 1986 als Headliner wieder, ihre Show am 14. Oktober 1989 ist legendär: Schlagzeuger Tommy Lee spielt sein Solo mit dem Kopf nach unten, die Trommeln drehen sich, die Tragegurte sollen von der US-Weltraumbehörde ‚Nasa‘ sein. Auch deutsche Schwermetaller begeistern in Essen: Die Solinger Accept verkaufen die Halle am 21. März 1986 fast aus. Überhaupt 1986: Dio/Keel, (27. April), Judas Priest/Warlock (17. Oktober), W.A.S.P./Iron Maiden (25. November) – in diesem Jahr ist Essen Schwermetall-Hauptstadt.

The Final Countdown

Am 6. Februar 1987 spielen Europe in der Grugahalle. Ihr Fanfaren-Hit eröffnet und beendet das von „Bravo“ präsentierte Konzert. Aus dem Teenie von 1980 ist ein Abiturient geworden, dem die klatschenden und kreischenden Kinder um ihn herum peinlich sind…

Foto Grugahalle: www.grugahalle.de
Foto Accept: Gotegote

Di, 13.04.2010 3

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Kommentare

Lang ist´s her

Fast alle von dir aufgeführten Konzerte hab ich seinerzeit auch besucht, und noch einige andere. Die Strecke Münster - Essen Gruga war meinem Käfer - auch ohne Navi - fest einprogrammiert.
Tolle Zeit, geile Musik und auch viel Haarspray.
Micha

Teenietus

Wenn einem die Musik nicht schon laut genug ist, sollte man zumindest angesichts der hirnzerquetschenden Kreischfrequenzen der Teenies doch lieber Ohrstöpsel einsetzen. Am besten diese speziellen Musikerdinger, bei denen die fiesen Geräusche rausgefiltert werden, man aber alles Wichtige noch hört. Dieses Fiepen macht sonst echt Kopfschmerzen, find ich.

Oh ja!

Mann, sind wir alt geworden... Früher war alles schöner, sogar die Eintrittskarten!
Auch wenn es heute noch gute Konzerte gibt, eines auf jeden Fall nicht mehr: So wunderprächtige Eintrittskarten, die sich so gut in diversen Erinnerungsalben machen! Und heute? Bleiben schlecht geschossene Fotos und Kreischmitschnitte auf dem Handy...

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17.02.2010

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