
Nicht weit vom Stamm - Der neue Roman von Oliver Uschmann
- Serie: Oliver Uschmann, Quergelesen
In bislang fünf Episoden hat Oliver Uschmann Hartmut und ich den Unwegbarkeiten unserer Zeit ausgesetzt und das Ganze dabei mit zahllosen Zitaten aus der Popkulturwelt versehen. Filme, Musik und Videospielreferenzen sind bei ihm nicht nur schmückend-cooles Beiwerk sondern essentielle Bestandteile der Story. Mit seinem neuen Roman Nicht weit vom Stamm veröffentlicht der Autor nun bereits seinen zweiten, unkonventionellen Roman im Genre Junge Erwachsene.
Dass der Apfel auch hier nicht weit vom Stamm fällt , nämlich den Hartmut und ich-Romanen, liegt auf der Hand. Auch wenn die beiden Kumpels Fans in allen Altersklassen haben – Uschmann erhält auch Leserbriefe von 70jährigen Universitätsprofessoren – sind die Geschichten um das ehemals in Bochum beheimateten Duos sprachlich und thematisch bereits nah an der Weltsicht derer, die in der anglo-amerikanischen unter dem Begriff „young adults“ zusammengefasst werden. Junge Menschen, das heißt in diesem Fall zwischen 14 und 21 Jahre alt, auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, und mit den entsprechenden Problemen.
Oliver Uschmann ist schließlich selbst gerade einmal 33 Jahre alt, steht dieser Lebenswelt immer noch nahe, schrieb jahrelang für das Musikmagazin Visions und ist mit regelmäßigen Beiträgen im Computer- und Videospielmagazin Gee vertreten.
In Das Gegenteil von oben, 2009 bei Script5 veröffentlicht, ein Verlag, der sich eben genau auf Literatur des Sektors „Junge Erwachsene“ spezialisiert hat, erzählte er die Geschichte des 15jährigen Dennis, der mit seiner alleinerziehenden Mutter in einem trostlosen Hochhausbunker nahe des Weseler Bahnhofs lebt.
Dabei entwarf Uschmann einen Charakter, der den landläufigen Medienklischees von Verrohung, Verblödung und Komasaufen so gar nicht entspricht sondern sich als sensibler und kluger Kopf entpuppt, der die Welt der Medien und der Erwachsenen durchschaut, aber gerade deswegen von ihr verängstigt ist.
Die Jugend von heute
Eine Spezialität von Uschmann ist dabei die Analyse von Männlichkeitsbildern. In seinem ebenfalls 2009 veröffentlichten Ratgeber, Fehlermeldung beschrieb er treffend und humorvoll die Krisen der Männer zwischen 25 und 40.
Auch in seinem neuen Roman für Script 5, Nicht weit vom Stamm zeichnet er das Bild eines jungen Mannes nach, hier ist es der 19jährige Sven.
Im Gegensatz zu Dennis verkörpert dieser alle Klischees der Pisa- und Shellstudie gescholtenen Jugend: Schulabbruch, Alkohol- und Drogenexzesse und Schlägereien. Doch auch hier offenbart der Blick hinter die Fassade des scheinbar so abgestumpften jungen Mannes wie Enttäuschungen und uneinlösbare Erwartungen genau dazu führen.
Dabei entwickelt Uschmann auf über 500 Seiten in erster Linie sicher kein Soziogramm, sondern eine spannende Geschichte über eine Herausforderung, der sich Sven gegenüber gestellt sieht und die ihn letztlich zum Wandel zwingt.
Mit seiner direkten und ungeschönten Sprache wird Nicht weit vom Stamm vielleicht so manchen älteren Leser irritieren, doch genau das macht den Reiz seiner Bücher aus: Sie zeigen sich auf Augenhöhe mit der jugendlichen Lebenswelt und weisen gleichzeitig die Kulturpessimisten in die Schranken, die ohne Verständnis für die Sorgen und Nöte der nachfolgenden Generation ein eindimensionales Bild der „Jugend von heute“ propagieren.
Oliver Uschmann, Nicht weit vom Stamm, Script 5, 528 Seiten
Ähnliche Beiträge
- Hartmut trifft - Eine Roman-WG wird begehbar und eine Roman-Figur führt Interviews
- Aus Oliver Uschmanns Leben - Teil 1 - Der neue Roman "Feindesland" ist erschienen!
- Uschmann live: Die Ravioli-Dose des Grauens
Kommentar hinzufügen
Ähnliche Beiträge
Thema
Stadt
Branche
Aktuelle Tweets



































