
NEUE STÄDTE: LIEGT IN DER MITTE DIE KRAFT?
Mittelstadt – das klingt nach Assoziationen, die vor allem mit Mittelmäßigkeit zu tun haben könnten. Die Wissenschaft fasst Kommunen mit 50.000 bis 250.000 Einwohnern unter diesen Begriff.
Und beschreibt damit Zwischenstädte, die gleichzeitig zu klein und zu groß sind, um in den Klischees der Wahrnehmung hängen zu bleiben. Wer träumt schon von Fulda, Buxtehude oder Offenbach?
Es gehört auch zur Tradition solcher Orte, die Werbetrommel nur mittellaut zu schlagen. Doch Mittelstadt könnte zur neuen Boomtown werden, auch wenn man dies nicht auf dem Schirm hat. Beim näheren Blick auf Städte wie Falkensee bei Berlin, Ludwigsburg bei Stuttgart oder Dinslaken im westlichen Ruhrgebiet fällt auf: Nicht nur in der Ruhe, sondern vor allem in der Mitte könnte eine neue Kraft liegen.
Ok, Großstädte sind meist sexier, dabei manchmal arm und fast immer ziemlich stressig und dreckig. In die typische Kleinstadt möchte man auch nicht, dann schon gleich aufs Land mit eigener Parzelle und Gemüsezucht. Der Mittelweg ist Mittelstadt. Tatsächlich lassen sich die Vermutungen verifizieren, die hohen Zuzugsraten deuten auf eine hohe Lebensqualität hin. „Wir verfügen über ein außerordentlich starkes Gemeinschaftsgefühl“, sagt Michael Heidinger (SPD), Bürgermeister von Dinslaken über die im Vergleich zur Großstadt höhere soziale Verbindlichkeit im mittelstädtischen Miteinander. Auch Soziologie-Altvater Georg Simmel beschrieb schon das Phänomen: „In der Mittelstadt treten beispielsweise bestimmte öffentliche Räume als soziale Orte deutlicher hervor, es existieren hier stadtbekannte Persönlichkeiten oder die Wahrscheinlichkeit sich mehrmals am Tag zu begegnen ist um einiges größer als in einer Großstadt“.
Eine starke Vereinsbildung oder zu intensive soziale Kontakte sind nicht jedermanns Sache, doch es gibt noch weitere Vorteile: die Nähe zur Natur beim gleichzeitigen Komfort der urbanen Strukturen. Auch kulturell verändert sich etwas: Die Wolfsburger Giacometti-Ausstellung zieht derzeit ein internationales Publikum.
In der Zukunft werden wir erleben, wie die Mittelstädte das Profil schärfen, ihre politische Macht stärken und den Wettbewerb auf die Großstädte erhöhen. Deshalb suchen die Mittelstädte nach echten Attraktionen.
Im Ruhrgebiet könnte es die Zukunft der Dinslakener Zeche Lohberg werden, die nun entwickelt werden soll. Aus stadtplanerischer Sicht ist das Dinslaken-Projekt das größte innerstädtische Entwicklungsgebiet in Deutschland und gilt auch europaweit als beispiellos: Unternehmen aus Kreativwirtschaft und erneuerbaren Energien sollen sich hier etablieren, Wohnen und Arbeiten im Grünen ermöglicht werden.

Die Stadt, der Eigentümer RAG Montan Immobilien und Bürgerinitiativen sitzen derzeit an einem runden Tisch und beraten über die Bestellung der Flächen. Gelder von Land und EU sind bereits bewilligt. „Der Strukturwandel auf dem Zechengelände ist ein großes Pfund, mit dem wir in Zukunft wuchern wollen. Da loten wir jetzt aus, was drin ist“, sagt Bürgermeister Heidemann.
Zumindest scheint es so, als würden die Mittelstädte ein wenig zu Träumen beginnen. Es ist die beste Voraussetzung, um auch im kollektiven Bewusstsein seinen Status zu verändern.
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Und beschreibt damit Zwischenstädte, die gleichzeitig zu klein und zu groß sind, um in den Klischees der Wahrnehmung hängen zu bleiben. Wer träumt schon von Fulda, Buxtehude oder Offenbach?
Es gehört auch zur Tradition solcher Orte, die Werbetrommel nur mittellaut zu schlagen. Doch Mittelstadt könnte zur neuen Boomtown werden, auch wenn man dies nicht auf dem Schirm hat. Beim näheren Blick auf Städte wie Falkensee bei Berlin, Ludwigsburg bei Stuttgart oder Dinslaken im westlichen Ruhrgebiet fällt auf: Nicht nur in der Ruhe, sondern vor allem in der Mitte könnte eine neue Kraft liegen.
Der Mittelweg
Ok, Großstädte sind meist sexier, dabei manchmal arm und fast immer ziemlich stressig und dreckig. In die typische Kleinstadt möchte man auch nicht, dann schon gleich aufs Land mit eigener Parzelle und Gemüsezucht. Der Mittelweg ist Mittelstadt. Tatsächlich lassen sich die Vermutungen verifizieren, die hohen Zuzugsraten deuten auf eine hohe Lebensqualität hin. „Wir verfügen über ein außerordentlich starkes Gemeinschaftsgefühl“, sagt Michael Heidinger (SPD), Bürgermeister von Dinslaken über die im Vergleich zur Großstadt höhere soziale Verbindlichkeit im mittelstädtischen Miteinander. Auch Soziologie-Altvater Georg Simmel beschrieb schon das Phänomen: „In der Mittelstadt treten beispielsweise bestimmte öffentliche Räume als soziale Orte deutlicher hervor, es existieren hier stadtbekannte Persönlichkeiten oder die Wahrscheinlichkeit sich mehrmals am Tag zu begegnen ist um einiges größer als in einer Großstadt“.
Eine starke Vereinsbildung oder zu intensive soziale Kontakte sind nicht jedermanns Sache, doch es gibt noch weitere Vorteile: die Nähe zur Natur beim gleichzeitigen Komfort der urbanen Strukturen. Auch kulturell verändert sich etwas: Die Wolfsburger Giacometti-Ausstellung zieht derzeit ein internationales Publikum.In der Zukunft werden wir erleben, wie die Mittelstädte das Profil schärfen, ihre politische Macht stärken und den Wettbewerb auf die Großstädte erhöhen. Deshalb suchen die Mittelstädte nach echten Attraktionen.
Zukunftsprojekt Zeche Lohberg
Im Ruhrgebiet könnte es die Zukunft der Dinslakener Zeche Lohberg werden, die nun entwickelt werden soll. Aus stadtplanerischer Sicht ist das Dinslaken-Projekt das größte innerstädtische Entwicklungsgebiet in Deutschland und gilt auch europaweit als beispiellos: Unternehmen aus Kreativwirtschaft und erneuerbaren Energien sollen sich hier etablieren, Wohnen und Arbeiten im Grünen ermöglicht werden.

Die Stadt, der Eigentümer RAG Montan Immobilien und Bürgerinitiativen sitzen derzeit an einem runden Tisch und beraten über die Bestellung der Flächen. Gelder von Land und EU sind bereits bewilligt. „Der Strukturwandel auf dem Zechengelände ist ein großes Pfund, mit dem wir in Zukunft wuchern wollen. Da loten wir jetzt aus, was drin ist“, sagt Bürgermeister Heidemann.
Zumindest scheint es so, als würden die Mittelstädte ein wenig zu Träumen beginnen. Es ist die beste Voraussetzung, um auch im kollektiven Bewusstsein seinen Status zu verändern.
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Mi, 19.01.2011
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18.01.2010 - 15:51
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Mittelstadt
sehe ich ganz genauso. für wohnen und arbeiten sind wolfsburg und dinslaken top. man muss nur räume für kultur, für die freie szene, für die kreativen vor ort anbieten, wo was interessantes passiert, damit man wirklich auf die großstadt verzichten kann und sich nicht abends oder am wochenende auf und davon machen muss.
..obwohl das abendprogramm in mancher großstadt im ruhrgebiet auch ab und an zu wünschen übrig lässt.. in wolfsburg hat man immerhin noch den saunaclub (nix mit nackten leuten..) oder das ost (selbstverwaltetes jugenhaus in alter barracke).