e-book reader schaut zwischen büchern hervor

Neue Lesenation Deutschland?!

Ein Buch-Experiment wird zum Spiegel unserer Gesellschaft

Wird Lesen immer digitaler? Verschwinden nun unsere Buchläden an der Ecke ganz? Aber waren sie nicht schon vorher durch Popularisierung und den Massenmarkt „Buch“ bedroht? Ist Bücherlesen im E-Book nicht doch der Untergang der Bildung unserer Kinder? Solche Fragen, Ängste und Chancen rund um das Buch werden auf der Frankfurter Buchmesse ab dem 12. Oktober auch eine Rolle spielen.

 

Für 2010LAB sind Angst und Skepsis jedoch nicht die Zukunftstreiber von Literatur – die Fragen, die neue Chancen eröffnen, lauten anders: Welche Rolle werden Literatur und das Schreiben in unserer Gesellschaft in Zukunft haben – klar verändert durch die Digitalisierung des Buchvertriebs, aber nicht nur! Wie fallen die Antworten der Autoren, der Kreativen im Buchmarkt, auf den digitalen Wandel ihrer Branche aus? Inwieweit sind literarische Strategien von Autoren mit Hilfe von Digitalisierung möglicherweise exemplarisch für den Wandel unserer Gesellschaft insgesamt? Man denke nur an die neuen Verbindungen von Digitalisierung – von dezentraler Energieversorgung bis zum täglichen Fitnessprogramm.
 

Eine Debatte, die unsere Gesellschaft verändern wird

Nächste Woche liegt der Fokus des 2010LAB zur Frankfurter Buchmesse auf dem Wandel der Literatur im digitalen Zeitalter – und seine Folgen für Bildung, für Buchhandel und für Messen, denn: Auch die Frankfurter Buchmesse wird sich der Wucht des Digitalen Wandels nicht entziehen können – alle Veranstalter, die dies glaubten oder hofften, wurden eines Besseren belehrt. Seit zwei Jahren sehen wir in vielen Bereichen die Suche nach neuen Messe- bzw. Marktformaten – nach dem Motto: Der User ist da, sogar omnipräsent und so günstig erreichbar wie nie, doch wo ist der Markt geblieben? re:publica, startnext, CnB, PICNIC, Cebit und andere mehr sind auf der Suche. Andere mussten die Suche schon aufgeben.


Unsere Werte und Entscheidungen, Kultur in gewissen Formen zu nutzen bzw. zu konsumieren, und die Autoren, die über ihre Produktionsformen entscheiden, gestalten Märkte und ihre Formen: Wie sehen denn Messegebäude in der Zukunft digitaler Literatur aus? Müssen Messegelände von heute bald zur Industriekultur gezählt werden? Ist das unvorstellbar? Was bedeutet digitale Kultur für unsere Städte und Stadtbilder – auf der PICNIC in Amsterdam war dies gerade vor vier Wochen auch ein großes Thema.

 

Die Veranstalter der Buchmesse haben StoryDrive ins Leben gerufen – eine aktive Antwort der Buch- und Literaturwelt auf die Digitalisierung. 2010LAB begleitet daher als Medienpartner StoryDrive und ist mit seinem Team vor Ort und spürt dem Wandel-Gen nach.

Ein Digitales Globales Buch-Experiment, gedruckt und ready to go am 14. Oktober in Frankfurt

Doch 2010LAB setzt auch – sozusagen – ein Gen in die Welt: das 2010LAB-Projekt „WOW WOWO WOW Receiver“. In Zusammenarbeit mit der University of the Arts, London, verfassen vier Autoren in drei Zeitzonen vom 11. bis 14. Oktober ein Stück Poesie zur Zukunft der Literatur. Das Ergebnis wird auf der Buchmesse als E-Book und gedrucktes Buch durch Poiesipedia produziert und veröffentlicht. Hier können Sie ab dem 11. Oktober die Entstehung des Buches verfolgen – quasi den Autoren beim Schreiben täglich über die Schulter schauen.

 

Was macht den "digitalen Autor" aus?

Es ist ein Beispiel für 360 Grad Produktion – und mehr: Es gilt, dieses Modell des digitalen Schreibens und der Crowd-Autorenschaft sowie des mehrdimensionalen Publizierens zu befragen auf seine Folgen für die Literatur: Der Digitale Wandel erfasst nicht nur den Vertrieb und Verkauf von Büchern, sondern auch das Verständnis über den kreativen Akt des Schreibens selbst: Was genau macht den neuen Typ des „digitalen Autors“ aus? Denn Wikipedia ist ja mehr als eine digitalisierte Britannica, nicht wahr? Was bedeutet „prosuming“ für einen Autoren? Ist Literatur heute omnipräsent durch die Welt der Hyperlinks – oder ist es nur noch Verwirrung?

Und wie sieht die Zukunft von Literatur aus, wenn alle Inhalte multimedial sein werden – wird Literatur zur Multi-Media-Geschichte? Wie unterscheidet sie sich dann noch von Film und Games? Was bleibt dann von Literatur? Nein, die Frage muss natürlich anders lauten: Was wird die neue Literatur alles für neue Möglichkeiten in der digitalen Welt haben!? Und wer ergreift sie?

 

Am Freitag den 14. Oktober 2011 laden wir von 15:00 Uhr - 16:30 Uhr zur Offline-Debatte "Literatur is /Beyond) all media" herzlichst ein:
Frankfurter Buchmesse/ Open Space (Agora) OS.1/ Story Drive/ Conference Room 2

So, 09.10.2011 1

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Kommentare

schreib digital sonst hast keine zukunft??

Der Positivismus in dem Beitrag ist ein wenig zu penetrant: Überall nur Chancen und Möglichkeiten, aber keine Probleme. Veränderungen sind per se toll, weil sie ja Zukunft sind. Wer nur die Nachteile sieht, wird abgehängt. Digitalisierung anstatt Revolution. Viele Fragen werden gestellt und so gut wie keine Antworten, ja nichtmal Andeutungen von Richtungen gegeben. Na, es sind ja nur Fragen, könnte man dagegenhalten. Aber was denn für welche? Ein bündel brüchiger Gedanken wie "...sind literarische Strategien von Autoren mit Hilfe von Digitalisierung möglicherweise exemplarisch für den Wandel unserer Gesellschaft insgesamt?" Wie bitte? Welche literarischen Strategien mit Digitalisierung soll es denn geben. Jemand schreibt. Und dann vertreibt er den Text. Digital oder auf Papier. Wer nur fürs Netz schreibt, schreibt anders, kürzer, schneller, beiläufiger - DAS ist aber sicher keine "literarische Strategie. Für den Wandel unserer Gesellschaft ist die Digitalisierung ein winziger und ganz gewiss nicht entscheidender Aspekt - hier geht es nämlich wie immer um Arm und Reich und Teilhabe und Ausschluss, Bildung oder nicht. Und selbst wenn durch das Netz mehr Leute die Möglichkeit haben, mitzumachen, sich zu informieren oder teilzuhaben - dadurch entsteht keine andere Gesellschaft, nur eine andere Form der Kommunikation. Die Literatur hat dazu höchstens den Hintergrund, aber nie den Motor gestellt. "Was genau macht den neuen Typ des „digitalen Autors“ aus? " - und dann kommt Wikipedia. Die haben ja nun mit Literatur so gar nichts zu tun und sicher auch nicht mit Autorenschaft im eigentlichen Sinn. Das ist eine Platform wo viele Leute zusammen Wissen sammeln und bewerten. Ein Buch, ein Roman, ein Gedicht, ein Sachbuch - das ist etwas ganz, ganz anderes. Der "digitale Autor" ist in dieser Hinsicht ein Popans, denn jemand, der schreibt, ist Autor. Ob er in einem Blog, einer Internetseite, auf Flugzettlen oder über suhrkamp seine Texte vertreibt spielt dabei nur für die Leser eine Rolle. Mir ist das alles viel zu viel Geraune und Gemache um die Digitalisierung. Sie ist ein Akt, der sicher auch das beeinflussen wird, was wir in Zukunft lesen. Aber was Leute schreiben, wie Leute schreiben ist eine völlig andere Debatte. Wer auf einen digitalen Markt hinschreibt, dem Wünsche ich viel Glück. Erstens bei einem Umsatz in Deutschland von unter 1% bei E-books und zweitens mit einer "SchreibMotivation" die nur das ist: Hülle, aber keine Form und kein Inhalt. Den Vogel aber schießt dieser Satz ab: "Ist Literatur heute omnipräsent durch die Welt der Hyperlinks – oder ist es nur noch Verwirrung?" Nein, sie ist alles andere als omnipräsent. Es sei denn jedes getippte Wort im Internet ist Literatur, geadelt durch Links. Und ist der Text nur noch Verwirrung - ein lautes JA!

Über den Autor

29.11.2009

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