Nebeneinander - miteinander - Südliches Bahnhofsviertel in München

München hat bestimmt keinen Mangel an Kunst und Kultur, aber doch Nachholbedarf bei der Entwicklung der Kreativwirtschaft. So bilden sich erst spät kleine Zentren heraus. Ein Kreativquartier der eigenen Art wächst in direkter Bahnhofsnähe heran.
 

Spielhallen, Nachtclubs und Sexshops

Das Viertel hatte schon einmal bessere Zeiten gesehen, zunächst nach Eröffnung des Hauptbahnhofs 1839. Vornehmlich wohlhabende Reisende übernachteten in den mondänen Hotels - auch im südlichen Bahnhofsviertel.

Im Laufe der Jahre zogen wohlhabende Anwohner aus der Innenstadt fort, auch das Viertel veränderte sich dramatisch. Auf der einen Seite zogen immer mehr Migranten in die kostengünstigen Wohnungen. Auf der anderen Seite wurden immer mehr Spielhallen, Nachtclubs und Sexshops eröffnet.
 

Offenes Klima zieht Individualisten an

Der Charme, der das Viertel jedoch rettete, ist das bunte und lebendige Miteinander der Anwohner, die sich für ihr Quartier einsetzten. Gerade das offene Klima zog dann wieder Individualisten an. Architekten, Designer, Stadtplaner und Werbefirmen eröffneten hier ihre Büros und Ateliers.

Stadtplanerische Maßnahmen, wie der Bau der Lenbachgärten, sorgten für eine schonende Aufwertung. Das Quartiersmanagement bindet die kreative Kraft und fördert das offene Klima.
 

Klassik meets Dönerbude

Eine Aktion etwa wurde im Mai durchgeführt, die hieß: Klassik meets Dönerbude. Mit dem Bruch von Erwartungen sorgten die Akteure für Staunen und Überraschungen. Jugendliche der zweiten Migrantengeneration spielten Konzerte von Mozart, Brahms und Dvorak in Apotheken und dem Dönerimbiss. Im Hotelfoyer wiederum fand HipHop statt.

Einmalige Aktionen aber sind nicht alles. Regelmäßige Veranstaltungen werden von fast allen Anwohnern in Theateraufführungen, Vorträgen und Kunstaktionen durchgeführt.

Die Münchner Kammerspiele haben im südlichen Bahnhofsviertel eine Bar eröffnet, an den Wochenenden ertönt regelmäßig Jazz, Klezmer und HipHop. Das Dokumentartheater findet man im Bunker und Lyrik kann auch im Doppeldeckerbus vorgetragen werden. Kunst wird zum Alltag, Alltag verbindet sich mit Kultur auf selbstverständliche Weise.

Das Quartier liegt im eigentlichen Zentrum Münchens - und seine Lage bedeutet Gefährdung. Mit zunehmendem Flair und zunehmender Aufwertung droht die Gefahr, dass Luxussanierungen und Hotelbauten zu Gentrifizierung führen, die das gewachsene Klima zerstören. Ein Schutz kann das lebende Kreativquartier sein.
 

>>> Mehr im Channel Kreativ.Quartiere



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So, 22.08.2010 0

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04.12.2009

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