
Plauderstunde im Klub "Metropole ohne Kohle": Was kommt nach 2010?
- Serie: Ökonomie
Der Münsteraner Regierungspräsident Paziorek warnt davor, die Städte kaputt zu sparen und zeigt auf Gelsenkirchen. Der zuständige Bezirkskönig Diegel in Arnsberg wetzt indessen schon die Messer gegen Dortmund.
Ums Sparen ging es gestern Abend im Ringlokschuppen Mülheim. „Metropole ohne Kohle“ - der Klub für lokale Feldforschung lädt ein zum munteren Plaudern und fragt: Wer macht 2011 das Licht aus? Und „Was wird entstehen in der Metropole ohne Kohle?“
Das Elend - Reality Soap
Die Revierstädte, die meisten auf jeden Fall, befinden sich in einem Ausnahmezustand. Längst hat sich der Osten der Republik aus dem Elend verabschiedet. Das Elend braucht aber seinen Platz und findet ihn nun in den klammen Kommunen, breitet sich gefräßig aus und knabbert bereits an der Zukunft. Die Krise und manch anderer komplizierter Grund führen wieder einmal dazu, dass in den Kulturinstitutionen und Jugendverwahrungsclubs gezittert wird. Können wir uns das alles noch leisten? Einem Teil der Bevölkerung ist das völlig wurscht. Das sind eh die Outsider. Insider wissen aber, dass es hier um Standesdenken geht, um Gewohntes, um Repräsentation. Aber auch um Einzelschicksale von Künstlern und Vermittlern, die - zusammen genommen - eine komplette Struktur bilden, die zwar zerfasert, aber dennoch für Lebensqualität sorgt. So wird auf dem Podium auch Umdenken gefordert, Kooperationen werden gepriesen, Zusammenlegungen von Teilbereichen angeregt, Protest wird verlangt und gefördert. Man solle sich jedoch nichts davon erwarten.
Entertainment
Es war eine Diskussion um die Zukunft von Gesellschaft und Kultur mit durchaus unterhaltsamen Beiträgen, für die besonders der Dortmunder Kulturattaché und Kämmerer Jörg Stüdemann sorgte. Das Tagesgeschäft eines Kämmerers, der Kampf um die Kohle und vieles andere bei Land und Bund, kurz: Die Realität setzt die Zeichen, nicht die Vision. Ansonsten war es ernst, weil die Lage eben mal wieder ernst ist. Podium und Zuhörer bestanden gleichermaßen aus Profis, die sich fast alle darauf einrichten, dass es ab 2011 ganz tief in den Keller geht. Jürgen Fischer von Ruhr2010 hingegen beschwörte die Nachhaltigkeit mancher Projekte trotz der Flüchtigkeit der Veranstaltung "Kulturhauptstadt". Ulrich Schreyer, "Bündnis für Mülheim" und Geschäftsführer der Diakonie,
verlangt, das Grundsätzliche, die Stadt und die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger in den Mittelpunkt zu stellen. Das sei die Aufgabe der Kommunen, und zwar in erster Linie.
Insider
Es ist schön, wenn man Leute auf einem Haufen trifft, die man sonst kaum oder lange nicht gesehen hat. Ich freue mich, Olaf, Jürgen, Gerd, Johannes, Gerburg, Bärbel, Regina und die anderen zu treffen. Leider hat man nicht viel Zeit zum Plaudern, da ja diese Diskussion angesetzt ist und bis 22.30 dauert. Aber es gibt sicherlich bald die nächste und man kann ja in einen Nebenraum gehen. Ach ja, Jörg ist wieder der Klügste und bietet Einblicke in die gar grauslige Arbeit eines Finanzverwesers und macht Vorschläge zur zukünftigen Gestaltung von Kooperationen und neuem Denken unter den Kulturverwesern, Andreas ist noch neu und freut sich über das Folkwang-Museum, Peter ist seit zwanzig Monaten hier und hat schon ein Ruhri-Standing und Herr Schreyer glaubt an die Bürgerinnen und Bürger.
Spardosen
Als ich groß wurde, bin ich damit aufgewachsen, dass Sparen bedeutet: Man hat ein Schwein oder eine Dose, in die man Geld wirft oder steckt, das man meint übrig zu haben, damit man irgendwann so viel hat, dass man sich was leisten kann. Das Sparen heute bedeutet, dass einem was weg genommen wird, daran will ich mich nicht gewöhnen. Geld macht Spaß, aber auch viel Arbeit.
Live Chats mit Anfassen
Diskussionen innerhalb der Feldforschung - die neue Domäne des Ringlokschuppens Mülheim. Ein Ort wo sich der Diskurs als solcher weiter entwickeln kann. Hauptsache wir haben drüber gesprochen. Das gilt inzwischen für fast alle Diskussionen, ob in Talk-Shows, auf Bühnen oder Podien, in Kongressen oder Symposien, vor allem in wissenschaftlichen Diskurs-Roundtables. Ach ja, über Bildung wurde auch gesprochen. Wie wichtig sie sei. Ei der Daus. Eine Studie besagt, dass wir hier im Revier, beim jetzigen Niveau bleibend, in ca. 60 Jahren sowieso nur noch Knallköppe beherbergen und die brauchen kein Theater, sondern höchstens einen Saufraum.
Masterplan
Aber es gibt ja noch den Masterplan, der beim RVR auf seine Verwirklichung wartet. Der liebe Gott hatte auch einen Masterplan. Wir sehen, was daraus geworden ist.
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