
Nächtliche Expedition und Spurensuche durch den urbanen Raum
Künstler: 431art – Torsten Grosch, Haike Rausch
Projektbeschreibung
Grosch und Rausch machen den “gewöhnlichen” urbanen Raum zum Feld von Abenteuer und Neuentdeckung, indem sie den Fokus auf Details von Orten legen, die von den Teilnehmern ihrer nächtlichen Expeditionen unter erschwerten Bedingungen gefunden werden müssen. Dabei geht es Grosch Rausch zum einen um die Nutzung des öffentlichen Raums als Ort der Begegnung und Interaktion. Es existieren kaum öffentliche Aufenthaltsorte, die nicht mit Konsumption verbunden sind. Zum anderen ermöglichen 431art (Grosch und Rausch) Teilnehmern eine neue Wahrnehmung des Alltäglichen, sowie eine direkte ursprüngliche Erfahrung im Raum.
Zu Expeditionsbeginn erhalten die TeilnehmerInnen leihweise einheitliche Sonnenbrillen, Taschenlampen und ein Set von 8-12 Postkarten – je eine Karte pro Station – die sie im Anschluß behalten dürfen. Auf jeder Karte ist die Detailaufnahme eines zu findenen Objektes zu sehen, wie z.B. ein Fassadendetail, eine Struktur in Bodenfliesen oder ein Ausschnitt eines Orientierungspunktes im öffentlichen Raum. Alle Karten/Fotomotive sind mit GPS-Koordinaten versehen, so das die Orte auch mittels modernster Kommunikationstechnologie und “Geo-Tagging” aufgespürt werden könnten. Die Expeditionen beginnen nach Einbruch der Dunkelheit, so das die Sicht durch das Tragen von Sonnenbrillen extrem eingeschränkt und die gewohnte visuelle Orientierung außer Kraft gesetzt wird. In Folge verändert sich das sichere Gefühl des Alltags, sich im öffentlichen Raum auf vertrauten Wegstrecken zu bewegen. Der Einsatz dynamobetriebener Taschenlampen verbessert die zuvor bewußt eingeschränkte Sicht wieder. Neben dem absurden Moment, die dieses Vorgehen inneträgt, beleuchtet der Lichtkegel einer Taschenlampe die Dinge jedoch lediglich punktförmig und nicht großflächig, wie Tageslicht oder auch Straßenlaternen. Das Sichtfeld ist also auf die im Lichtkegel sichtbaren Ausschnitte begrenzt, während der umgebende Raum weitgehend im Dunkeln bleibt. Während der Nachtwanderung werden so lediglich Ausschnitte der Umgebung im Lichtkegel erkennbar und auf diese Weise visuell aus ihrem Kontext herausgelöst anders wahrnehmbar. Durch die während der Expedition erforderliche “Neu-Justierung” der Sinnesorgane und den damit einhergehenden Wahrnehmungsprozess verändert sich das Empfinden von Zeit und Raum vollkommen.
Von außen betrachtet wirkt die Gruppe von ca. 25 Personen mit ihren futuristisch anmutenden Sonnenbrillen wie eine Gruppe Außerirdischer auf dem Planet namens Alltag. Die Expedition beginnt wie ein alltäglicher Spaziergang durch Dortmund, verweigert sich durch seine Einfachheit zunächst jeglicher Erwartungshaltung der Teilnehmer und entfaltet ihre Dynamik während der Nachtwanderung. Die eingeschränkte Sicht verstärkt außerdem den Austausch innerhalb der aus dem Alltag herauskatapultierten Gruppe.
Auf der Route bieten Grosch und Rausch“en passant” Wissen zu Orten oder/und Geschichte Dortmunds, welches einerseits assoziativ zusammengestellt ist und sich nach vorgefundenen Gegenständen oder Orten richtet. Andererseits ist konkret ortsgebunden-geschichtliches in Form locker eingestreuter Erzählungen oder kurzer Video- bzw. Audio-Einspieler per I-Pod die thematische Klammer.
Die ersten Expeditionen fanden 2010 und 2011 in Frankfurt statt. Die Route in Dortmund beginnt am Dortmunder U.
Weitere Routenstationen werden vor Ort recherchiert und fotografiert. Dabei werden ortsspezifische und soziokulturelle Besonderheiten Dortmund thematisiert und erfahrbar. Die Kommunikations-Schnittstelle zwischen Individuen wird durch die Expedition anstelle digitaler Netzwerke in den realen urbanen Raum verlagert.
Über die KünstlerInnen
www.431art.org
Über been out, vol. 1
been out, vol. 1 ist ein spartenübergreifendes Ausstellungslabor für junge Gegenwartskunst und künstlerische Innovationen aus den Bereichen zeitgenössischer Kunst, Medienkunst, digitaler und Gegenwartskultur. In Zeiten von Crossmedia und viralem Marketing fragt been out, vol. 1, organisiert von Bohème Précaire in Kooperation mit 2010LAB.tv, danach, wie die Kunst der „Digital Natives“ aussieht. Wie reflektiert Kunst dieses kulturelle Phänomen, wie arbeitet sie mit ihm, geht sie mit ihm um, reagiert sie?
Aufbrechen, die Perspektive wechseln, nach draußen gehen – been out, vol. 1 – das 3. Bohème Précaire-Festival für junge Gegenwartskunst – bedeutet:
Bewegung. Weg vom elitären Kunstbegriff, hinein in den Stadtraum. Gemeinsam mit den KünstlerInnen unternimmt "been out, vol. 1" den Versuch, eine neue Art von interdisziplinärem Wissen durch Austausch und kollaboratives Arbeiten zu erschaffen, neue Positionen zeitgenössischer Kunst vorzustellen, zukünftige Projekte zu konzipieren und sie umzusetzen. Im Mittelpunkt des Calls steht die Auseinandersetzung von künstlerischen Strategien mit öffentlichen, urbanen Räumen.
kunst.labor ist die Online Galerie von been out, vol. 1.
Weitere Informationen: www.bohemeprecaire.com
Und: www.facebook/beenout
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