Nachttanzdemo in Duisburg - die Verhältnisse zum Tanzen bringen

Am Samstag den 30.4. führt eine besondere Parade durch Duisburg. Während freie Kultureinrichtungen in Bedrängnis geraten (das Lab berichtete) startet die Initiative "DU it yourself" eine Nachttanzdemo, die an den Schauplätzen der freien Szene vorbeiführt und so informative Vorträge mit Tanzvergnügen verbindet. So will die Initiative auf fehlende Räume für selbstverwaltete Kultur aufmerksam machen. Nach Dortmund (UZDO) und Essen (Freiraum2010) machen so nun die Duisburger deutlich auf sich aufmerksam. Welche Personen und Ziele dahinterstehen und was die Initiative von Stadt und Bürgern erwartet, was sie bietet und warum ehrenamtliche Kulturarbeit im Ruhrgebiet behindert wird, klären wir im Interview mit Björn, der die Öffentlichkeitsarbeit von "DU it yourself" macht.

Björn, wie kam es zur Gründung von "DU it yourself"?

Es gibt in Duisburg zahlreiche Gruppen, die sich für unabhängige Kultur einsetzen. Es haben sich Menschen aus unterschiedlichsten Zusammenhängen gefunden, unter anderem der Verein Mustermensch e.V. Irgendwas läuft hier momentan falsch, wir hatten die Ruhr2010 und es sollte nachhaltig was getan werden, aber in Duisburg tut sich irgendwie nichts. Es passiert genau das Gegenteil, dass nämlich Läden zumachen. Alle reden vom Innenhafen, der aber für uns und viele andere Menschen in Duisburg nicht interessant ist. Deswegen dachten wir: Wir starten eine Kampagne und die Demo am Samstag ist nun die erste wirklich große Öffentlichkeitsaktion.

Wie kamt ihr auf die Idee zu einer Nachttanzdemo?


Björn: Wir kooperieren unter anderem mit dem Euromayday in Dortmund am 1.5. Aus diesem Kontakt entstand schnell die Idee, dass wir eine Demo machen könnten. Wir haben politischen Anspruch, es geht uns um Kultur und Musik gehört natürlich dazu. Wir suchen natürlich nach Leuten, die mitmachen wollen, bei dem was wir vor haben, und als große Aktion, um in die Öfffentlichkeit zu treten, bietet sich nunmal eine Demo an. Und da wir bei Demos sowieso immer einen Lautsprecherwagen dabei haben, ist der Weg dahin, eine Demo mit Tanz, Kunst und Kultur zu verbinden, gar nicht so weit. Das wurde in anderen Städten ja auch erfolgreich vorgemacht.

Wie gestaltet sich das Programm der Nachttanzdemo?


Björn: Wir sammeln uns ab 19 Uhr am Haupbahnhof, ziehen dann zum DJÄZZ, idealerweise am Dellplatz vorbei, zur Stein'schen Gasse, wo Mustermensch bis zum letzten Jahr das T5 betrieben hat, und dann zur Pauluskirche. An den Halteplätzen wird es jeweils Redebeiträge geben, an der Pauluskirche dann auch von Initiativen aus Nachbarstädten. Und um 22 Uhr ist die Demo vorbei.

Habt ihr bereits konkrete Immobilien anvisiert, die für ein selbstverwaltetes Kulturhaus nach Euren Vorstellungen in Frage kommen oder ist die Demo eine Art "Aufschrei", um erst mal das Thema ins Gespräch zu bringen?

Björn: Es ist erst mal ein Aufschrei. Wir sind ja schon einige Leute mit den unterschiedlichsten Ideen, aber es gibt sicher da draußen auch noch Leute, die Ideen haben, die man in einem unabhängigen Zentrum verwirklichen könnte. Deswegen heißt es jetzt: Wir sind hier, lasst uns zusammen kommen. Konkrete Immobilien haben wir dabei noch nicht im Blick. Nach der Demo wird es recht zügig weitere Treffen und Aktionen geben und dazu gehört die Suche nach geeigneten Räumen. In Duisburg gibt es viele Leerstände, aber nicht jeder ist geeignet für ein Kulturzentrum. Wir wollen jedenfalls so lange nerven, bis wir was Eigenes haben. Aus eigener Kraft oder durch das Entgegenkommen öffentlicher Träger.

Seht ihr das Ziel darin, euch mit der Stadt oder öffentlichen Förderern zu einigen, oder sagt ihr: Das, was wir suchen, kann in den vorhandenen Förderstrukturen sowieso nicht statt finden?


Björn: Da wir ein unabhängiges Zentrum anstreben, wollen wir auch keine Gelder. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es auch ohne geht, beispielsweise bei Mustermensch mit dem Projekt T5, die haben das gestemmt bekommen. Es gibt Projekte, die zeigen, dass man durch ehrenamtliche Arbeit, ohne Zuschüsse, solche Zentren finanzieren kann. Wir wollen nicht einen Euro von der Stadt. Wir wollen nur die Möglichkeit bekommen, leerstehende Immobilien zu nutzen. Wir streben eine sehr offene Kulturarbeit an, wir wollen dann auch Stadtteilarbeit machen. Also keine geschlossene Struktur, alles ist möglich. Wir sehen darin eine Möglichkeit der kulturellen Stadtentwicklung.

Das heißt aber schon, dass ihr nach Eigentümern sucht, die nicht zu normalen Mietkonditionen vermieten wollen, sondern die bereit sind, mit der Miete runter zu gehen?


Björn: Wir sind auf Wohlwollen angewiesen. Ich denke, dass es da auf den Einzelfall ankommt. Es muss ein Mittelweg gefunden werden. Ich denke aber, dass es gerade in Duisburg möglich ist, da etwas zu finden, wenn man mit den richtigen Personen Gespräche führt. Und wir sind sicher, dass wir das dann selbsttragend durchführen können. Ob es sich nun um Immobilien von Privatpersonen handelt oder von der Stadt. Ein Gebäude, bei dem man nur die Betriebskosten tragen müsste, wäre sicher die beste Variante. Gerade stehen wir da aber noch ziemlich am Anfang. Wichtig ist jetzt erst mal die Netzwerkarbeit, je mehr wir sind, desto mehr können wir in die Waagschale werfen. Es kann auf jeden Fall nicht sein, dass es in Duisburg nur den Innenhafen und 1-2 Läden gibt, für 500.000 Einwohner.

Wenn die Stadt an einem Punkt ist, wo sie merkt, dass sie das Geld selbst nicht mehr hat, um soziale oder kulturelle Ziele zu erfüllen, sollte da nicht ein Umdenken stattfinden? Dass die Stadt lernt, dass man zumindest denen, die diese Arbeit freiwillig machen wollen, dies ermöglicht, anstatt es auch noch zu verhindern?

Björn: So ein Umdenken ist in Duisburg anscheinend noch nicht passiert. Beispiel DJÄZZ: Obwohl 500 Leute demonstriert haben, waren die Zuständigen keinen Zentimeter zu bewegen. Die Stadt brüstet sich gerne mit Kultur und allem. Es wird aber übersehen, was für einen riesigen Bodensatz an alternativer Kultur es hier gibt. Da ist der Kulturbegriff bei den Stadtverwaltung eher engstirnig. Wie schon gesagt, wir wollen ein offenes Zentrum aufbauen, wir wollen etwas für die Stadt leisten und das muss erst mal erkannt werden. Die Menschen der Stadt müssen ran, die müssen selbst tätig werden, weil die Stadt es nicht mehr leisten kann oder will. Deswegen unser Motto: Mach es selbst! Wir erwarten auch nicht von der Stadt, dass sie großartig in die Richtung etwas unternehmen wird. Bei T5 und DJÄZZ hat sich gezeigt, dass da kein Entgegenkommen ist. Da wird einfach dichtgemacht. Wir erwarten von der Stadt nicht mehr viel. Deswegen: DU it yourself!



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Sa, 30.04.2011 0

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27.02.2010

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