MUSIK: BERNADETTE LA HENGST UND GIRLS PLANET

Eigentlich hatte Bernadette La Hengst mit dem Thema Girlgroup längst abgeschlossen: Ihre Band „Die Braut haut ins Auge“ veröffentlichte 2000 ihr finales Album, seitdem ist die Sängerin und Gitarristin glücklich solo unterwegs. Doch nun hat die Berlinerin im Ruhrgebiet eine neue Aufgabe entdeckt: Im Rahmen des RUHR.2010-Projekts „Next Generation“ gründete sie mit acht Mädchen aus dem Essener Norden die Bad „Girls Planet“ - und unternimmt einen beispielhaften Spagat zwischen Sozialarbeit und Nachwuchsförderung.

In der Küche von La Hengsts Wohnung hängt ein Plakat der „Eichbaumoper“: 2008 wurde eine triste U-Bahnstation in Mülheim an der Ruhr zu einer Theaterbühne für Jugendliche umfunktioniert. Die Musikerin hielt hier einige Songwriting-Workshops – und begegnete zum ersten Mal aufgeschlossenen Nachwuchskünstlern im Ruhrgebiet.

Nun, einige Kilometer weiter nördlich im Katernberger Jugendzentrum Nord,
wurde ein Proberaum eingerichtet, mit Schlagzeug, Keyboards, Gitarrenverstärker und Mikrofonen. „Girls Planet“ heißt der Arbeitstitel des Projekts. La Hengst produziert im Heimstudio ein paar Ideen und arbeitet sie dann mit den Mädels, alle zwischen 13 und 17 Jahren, aus. „Ich mach’ es selbst“, heißt ein Song, „Jeder ist anders“, ein weiterer. Dabei klingt die Musik nicht nach Jugendarbeit mit Wandergitarre sondern nach coolem Indie-Pop. „Wir versuchen die Texte unmittelbar aus dem Leben zu greifen“, erzählt La Hengst. „Denn es geht darum, den Mädels zu zeigen, dass sie auch mit einfachen Mitteln selbst Musik machen können. Und dass die Plastikwelt aus Castingshows nicht die Realität ist.“

Erfahrungen, die La Hengst selbst gemacht hat: 1991 gründete sie in Hamburg mit vier Freundinnen „Die Braut haut ins Auge“ und erlebte in den Folgejahren Höhen und Tiefen des Musikgeschäfts. Heute ist La Hengst autonom und tritt in vielen Formationen auf. In diesem Monat veröffentlicht sie mit den Kollegen Knarf Rellöm & Guz als „Die Zukunft“ das Album „Sisters & Brothers“ und tourt durch im Frühsommer durch die Schweiz und Deutschland.

Doch auch ihre Schützlinge von Girls Planet werden nicht nur im Proberaum spielen: Im Juni werden erste Konzerte und eine Tournee durchs Ruhrgebiet folgen, die das Material für einen Making Of-Film liefern soll. „Und dann hoffe ich dass die Mädels so weit sind um auf eigenen Beinen zu stehen“, hofft La Hengst. Zeit mit Girlgroups wird sie dann wirklich genug verbracht haben.

Mi, 21.04.2010 0

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10.01.2010

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