Museum der Unschuld

Das Museum existiert, aber die Zusammenarbeit mit der Kulturhauptstadt Istanbul wurde aufgekündigt. Orhan Pamuk hat die rund 360.000 Euro Fördergelder zurück gegeben. Der Literatur-Nobelpreisträger wollte nicht mit den Unregelmäßigkeiten der Organisation in Verbindung gebracht werden. Jetzt sorgt eine private Stiftung für die Finanzierung des Museums.

Orhan Pamuk bleibt mit dieser spektakulären Entscheidung seinen Überzeugungen treu. Sein Engagement hat ihm bereits in früheren Jahren eine Anklage eingebracht. Die Klage wegen 'Herabwürdigung des Türkentums' musste jedoch eingestellt werden - Pamuk als Vermittler zwischen traditionellen und europäischen Werten steht häufiger in der Kritik.

Das Buch erleben

Sinnbild seines Denkens ist die Etablierung seines 'Museums der Unschuld' - gleichzeitig ist es eine Mileustudie der türkischen Gesellschaft der 70er Jahre. Die Ausstellung zu seinem gleichnamigen Roman erstreckt sich über drei Etagen - präsentiert werden alle 83 Kapitel des Buches.

Die Hauptfiguren sind Kemal, Sohn eines Textilfabrikanten, und die mittellose Füsun, die Frau, die er liebt. Es ist eine tragische Liebe, die an den Konventionen der Zeit scheitert. Schon im Roman sammelt Kemal alle Gegenstände, die Füsun je berührt hat. Und diese werden nun in dem Museum nachempfunden. So ist die Ausstellung Spiegel der Geschichte in doppeltem Sinne und Zeichen der Vergänglichkeit.

Kleine Gesten

Man findet hier die kleinen Gesten: Zeitungen, gelbe Schuhe, einen einzelnen Ohrring, um die 4217 Zigarettenstummel (der rauchenden Füsun), Ölbehälter, einen Flaschenverschluss. Aber auch zahlreiche Fotos, Einladungen, Spielzeug, Erdgas-Quittungen, Schlüssel und Löffel. Daneben Schmuck, verrostete Konservendosen, Taschen und alte Schnapsflaschen. Gezeigt werden zudem Filme aus der Zeit.

Das Sammelsurium der Alltagskultur entschlüsselt man dadurch, dass man Pamuks Roman gelesen hat, bevor man das Museum besucht - auch wenn es ein Museum der Gefühle ist. Ein kleines Haus, verträumt und versponnen, mitten in Istanbul - es ist unschuldig geblieben.                                                                                                                                                    

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04.12.2009

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