
Der neue "ruhr.pott": Motive mit Mensch statt toter Industrien
Der Essener Fotograf Stefan Kalscheid zeigt in seinem Bildband "ruhr.pott" 99 Bilder aus dem Ruhrgebiet, die sich deutlich von den bekannten Bildern aus der Region unterscheiden. Sie sind bunt, lebendig, oft ein wenig lustig, stellen meist den Menschen in den Mittelpunkt und sind dadurch ein erfrischender Kontrast zur schweren industriellen Schwarz-Weiß-Fotografie. Darüber ist zu reden befand das 2010LAB und hat es getan.
Hallo Stefan! Wann hast du dir überlegt einen Bildband über das Ruhrgebiet zu veröffentlichen?
Gegen Ende Sommer 2009 hatte ich die ersten konkreten Ideen für entsprechende Bildinhalte und wie ich den Bildband in etwa aufbauen wollte.
Die typischen Elemente des Ruhrgebiets sind allenfalls ansatzweise zu erkennen. Stattdessen stehen meist Menschen im Mittelpunkt. Ist "ruhr.pott" also überhaupt ein Bildband über das Ruhrgebiet oder nur einer, der im Ruhrgebiet aufgenommen wurde?
"ruhr.pott" ist ein Bildband über das Ruhrgebiet und Menschen im Ruhrgebiet. Ich habe versucht die Menschen in den Vordergrund zu stellen und trotzdem sichtbar das Ruhrgebiet mit einzubinden.
Verstehst du deine Fotos als bewussten Kontrapunkt gegen die vermeintlich „klassische“ Ruhrgebietsfotografie, die ja meist das Industrielle in den Mittelpunkt stellt?
Ich finde, das kann man so sagen. In der Vorbereitungszeit hab ich mir die aktuellen Bücher und Bildbände natürlich angesehen. In keinem stehen die Menschen im Vordergrund. Das war mir jedoch in Verbindung mit Kulissen im Ruhrgebiet sehr wichtig.
Du hast analog fotografiert. Aus pragmatischen Gründen oder findest du das Digitale „stillos“?
Die digitale Fotografie hat sicher viele Vorteile. Ich empfinde sie zum Beispiel als praktisch, Bilder können sofort und vorort ‚begutachtet’ werden. Andererseits empfinde ich die Ergebnisse im Vergleich zu analogen Fotografien als deutlich kontrastärmer und weniger individuell. Zu ‚sauber’ und rein wirken sie auf mich. Zudem schätze ich das quadratische Format sehr und das ist, zumindest für mich persönlich, im digitalen vergleichbaren Bereich aktuell noch schwer bezahlbar.
Im Zuge der Kulturhauptstadt ist oft von den Rahmenbedingungen für Kreative im Ruhrgebiet die Rede. Wie schätzt du die Situation in Bezug auf Foren, Verlage oder Preise ein? War es zum Beispiel schwierig einen Verleger zu finden?
Ich habe den Bildband im Eigenverlag produziert. Dadurch hatte ich zu 100% die Kontrolle über Inhalte und die Gestaltung. Der Nachteil war in dem Fall, dass ich für die Kosten der Auflage komplett in Vorkasse gehen musste. Ich hatte den einen oder anderen lokalen Verlag schonmal vor der konkreten Planung angeschrieben und bin auf wenig Interesse gestossen. ich wollte mich irgendwie nicht wie ein Bettler fühlen und hab's daraufhin dann selbst geplant.
Das Jahr 2010 hält ja einige Fotoausstellungen bereit. Freust du dich auf eine besonders oder hast du einen besonderen Tipp?
Ich persönlich kenne aktuell keine Ausstellungen die ich ,als besonderen Tipp’ empfehlen könnte. Das liegt allerdings nicht am Angebot der Ausstellungen, sondern einfach daran, dass ich aktuell die wenige Freizeit die ich habe, mit fotografieren und meiner eigenen fotografischen Weiterentwicklung fülle. Eine eigene Ausstellung mit Inhalten des Bildbandes würde mich aber sehr freuen. Mal sehen was das Kulturhaupstadtjahr noch bringt.
Dabei wünsche ich dir jedenfalls viel Erfolg und vielen Dank für das nette Gespräch...
http://www.stefankalscheid.de/
ruhr.pott. Individuelle Fotografien aus dem Ruhrgebiet, Blömeke 2010
Format 22,5x22,5cm, 112 Seiten, 24,90€
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Foto links: Hot Rod Treffen Bottrop 2008
Foto rechts: Essen Hagen
beide von Stefan Kalscheid
Foto Kamera: happyeddy
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kein mainstream
irgendwie typisch kreativwirtschaft: ein neuer blick, den alle großen öffentlichen institutionen nicht auf reihe kriegen. da braucht es erst ein buch im eigenverlag.... nur ein einwand "die subjektive fotografie" kommt eigentlich aus essen... scheint nur vergessen?!
also heben und zutagefördern!