
Modernstes Leben: Mikrobars in Berlin
- Serie: Ökonomie
In der großen Stadt Berlin prägen seit einigen Monaten kleinste Bars das Nachtleben. Sie sind das Beste, was einer überfeierten Generation passieren konnte. Eine Kneipentour durch „Buck & Breck“, „Kingsize“ und „Trust“.
Von außen deutet nichts auf das sensationelle Innenleben hin: eine schmucklose Haustür, daneben ein Schaufenster, in dem der Anstreicher seine Klappleiter vergessen hat. Auf der Klingel links steht „Bar“, und wenn man sie drückt und dann noch ein bisschen Glück hat, öffnet sich die Tür. Es wird einer der beiden besten Bartender Deutschlands seinen Kopf herausstrecken und um Hereintritt bitten – oder um ein wenig Geduld. Denn „Buck & Breck“ an der Berliner Brunnenstraße ist zwar die außergewöhnlichste Bar Deutschlands, doch wahrscheinlich auch die kleinste.
Platz für fünfzehn Gäste
Das Konzept ist schnell erzählt: Inmitten des massiven Tresens stehen Goncalo de Sousa Monteiro und Holger Groll als konzentrierte Zeremonienmeister und mischen präzise die Zutaten der höchstprozentigen Drinks. Statt Wodka verwenden sie Korn, anstelle Curacao kommt Senflikör ins Glas. Zum Beispiel im „Mostrich“, einer Eigenkreation aus historischen Zutaten. Um sie herum gedimmtes Licht, nur die moderne Malerei an den Wänden wird angestrahlt. Auch die Musik – gerne rare Rap-Instrumentals aus den 90ern – erklingt in Wohnzimmerlautstärke. Schreien muss hier niemand, und da es keine Fenster gibt, schweift auch der Blick nicht ab. Am Tresen sitzen fünfzehn Gäste, mehr Plätze sind im ganzen Laden nicht vorhanden. Eine entsteht eine bizarre Intimität unter Fremden, die etwas eint: Sie haben das Besondere gefunden. Rechts sitzt ein atemberaubend schönes Londoner Model, daneben angejahrter Typ mit Hornbrille, wahrscheinlich Kunsthändler. Vis-a-vis lässt sich Matthias Schweighöfer gerade Champagner nachschenken, doch selbst sein größter Fan würde sich hier nichts anmerken lassen. Denn die Coolness des Ladens färbt ab. Per Reduktion holen die Männer hinterm Tresen das Maximum aus ihrem Publikum heraus: Trinken, denken, sprechen, bis man merkt, dass jedes weitere Entertainment im Grunde genommen immer schon überflüssig war.
Wodka, Gin und Rum in Fläschchen im "Trust"
Ähnlich unscheinbar wie das „Buck & Breck“ wirkt von außen das „Trust“, nur 200 Meter weiter auf der kunstszenigen Torstraße zu Hause. Klubbetreiberlegende Heinz Gindullis (Cookies) hat es im Sommer 2010 mit ein paar Freunden eröffnet und eine neue Modalität in die Nacht eingeführt: Bier und einzelne Drinks werden nicht verkauft, es gibt nur Wodka, Gin und Rum in kleinen oder großen Fläschchen plus eine Handvoll Softdrinks. So sitzt man in großen Runden und starrt auf Max Wiedemanns Neonröhren-Installation, auf der steht: „CLOSER TO GOD IN HEELS“. Das haben wir natürlich immer schon gewusst, doch nie sah es so schön aus. Und um das Namedropping hier zu weiterzuführen: Wenn Fanta 4-Mitglied Michi Beck clubbig-gepflegten Elektro-Funk mal nicht selbst auflegen will, dann hört er ihn hier.
Drall zum Engtanz im "Kingsize"
Weiter geht es ins „Kingsize“, eine Bar, die so ziemlich genau nicht dem entspricht, was ihr Name uns weismachen will.
Früher war der Schlauch an der Friedrichstraße 112b die bekannteste Schwulenbar der DDR. Seit Sommer 2010 gilt es als der Feierkeller des Inner Circle der Hauptstadtszene. Und als Garant für unvergessliche Nächte. Wenn man nicht abgewiesen wird, aber das kann jedem mal passieren. „Ich lass nur Leute rein, die ich mit Namen und Sozialversicherungsnummer kenne“, flunkert der Türmann nonchalant. Na gut, dann klappt es heute nicht. Aber wir erinnern uns an den Besuch einige Wochen vorher: eine Wahnsinnsstimmung inmitten blättrigem Putz, unter dem Jonathan Meese-Original im Flur und bis auf die Sanitäranlagen, die mit echter Ost-Technologie betören. Die Cocktails kommen übrigens in zauberhaften Whisky-Tumblern. Moritz von Uslar schrieb in der „Zeit“, im „Kingsize“ herrsche „praktisch Rauchzwang“. Er hat nicht übertrieben. Dazu kommt schon recht früh in der Nacht ein bemerkenswerter Drall zum Engtanz auf kleinstem Raum. Warum Anna Maria Mühe hierbei mal fast ihre Handtasche verlor, gehört in den Bereich, der auch erklärt, warum in keiner der drei Bars Fotos geschossen werden dürfen.
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Re: ohne
Nach 20 Jahren Pils und Fußball sind neue Konzepte ganz erfrischend. Besonders in einem Jahr, in dem man so oft mit Pils den Fußball gefeiert hat (zumindest in Dortmund). Und wenn es in Berlin um Fußball geht, dann geht ohnehin nur eins: Die Milchbar in Kreuzberg, die (in)offizielle Hauptstadtvertretung des BVB 09 Borussia Dortmund e.V....
ohne
wat? bars ohne pils? das gibts nur in berlin. und ist auch gut so. aber die wahren stars trifft man im Empor... und da läuft auch fussball