
Mimikry
Künstlerin: Jana Röther
Projektbeschreibung: Wenn Tiere andere Tiere im Verhalten oder in der Optik nachahmen und deswegen von einer dritten Art nicht mehr unterschieden werden können, spricht der Biologe von Mimikry. Und was die Natur kann, kann auch die Kunst.
Doch bei mir geht es nicht primär um das Unsichtbarwerden, sondern darum, die Anpassung zu nutzen, um dann wieder aufzufallen. Darüber hinaus erzeugt der Mimikry-Effekt in der Kunst ein humoristisches und surrealistisches Bild, das den Betrachter in eine Welt der Imagination einlädt.
Nicht nur in der Natur lassen sich ästhetische und fantasieanregende Bilder finden, sondern auch in urbanen Lebensräumen, wo einige Gebäude schon an sich surreal wirken.
Die Grenze zwischen Surrealismus und Realismus war immer schon faszinierend für mich.
Gesicht als dreidimensionale Oberfläche
Seit einiger Zeit male ich surrealistische Landschaften, in denen sich Objekte und Formen verbergen. Beispielsweise kann in einem meiner Ölbilder eine Ansammlung von Steinen den Umriss einer menschlichen Gestalt formen, und sobald der Betrachter diese versteckte Gestallt erkennt, erscheint diese als ziemlich offensichtlich.
Nach einiger Zeit hatte ich das Verlangen danach, nicht mehr nur noch auf einer zweidimensionalen Oberfläche wie einer Leinwand etwas Plastisches darstellen zu wollen, sondern auf einer drei-dimensionalen Oberfläche, wie einem Gesicht, zu arbeiten und es in einer realen Umwelt zu verbergen.
Die Plastizität des Gesichts führt nicht nur dazu, dass die Malerei nur dreidimensionale Oberflächen erzeugt, sondern ebenfalls, dass sich die Malerei auf dem Gesicht verzerrt. Diese Verzerrungen sind lediglich geringfügig, aber die Verzerrung einer geraden Linie steuert auch zu einem humoristischen und surrealen Bild bei.
Perfekte Harmonie, perfekte Tarnung
Wenn sich der Betrachter in der Realität nur wenige Zentimeter bewegt, werden die Verzerrungen größer und das Gesicht fügt sich nicht mehr in den Hintergrund ein. Das Abbild verformt sich somit von einem anderen Blickwinkel und deshalb repräsentiert das Foto nur von einem Standpunkt aus die perfekte Harmonie einer guten Tarnung.
Wie im Militär oder dem biologischen Prinzip der Mimikry, wo die Tarnung dem Zweck dient, das Überleben zu sichern, passen sich auch im Alltag des hektischen 21. Jahrhunderts viele Menschen in ihrer Umwelt an. Sie zeigen bestimmte Verhaltensweisen, ziehen bestimme Kleidungsstücke an und tragen Make-up auf, nur um sich der Umwelt anzupassen. Analog hierzu möchte ich nicht nur, dass die Menschen durch die geschminkten Gesichter angepasst sind, sondern auffallen.
Da das Model meistens einen persönlichen Bezug zum Hintergrund hat, beeinflusst dies den Entscheidungsprozess, wo das Bild entsteht. So kann das Bild an einem Ort entstehen, wo sich das Model wohl fühlt oder mit dem es bestimmte Erinnerungen teilt. Während ich das Gesicht anmale, wird der Mensch immer mehr eins mit seiner Umwelt. Das Foto ist letztendlich eine Kombination aus Dokumentation und der ästhetischen Vereinigung von Malerei und Fotografie. Somit geht es letztendlich nicht nur um die Verbindung zwischen einem bestimmten Ort und dem Menschen, sondern auch um die Entstehung eines surrealistischen Bildes. Dieses Bild ist das Tor zu einer Welt, in der sich die Fantasie frei entfalten kann. Hierbei habe ich festgestellt, dass urbane Lebensräume eine einzigartige Stimmung aufweisen, die im Foto eingefangen wird.
Über die Künstlerin
Jana Röther, geboren 1987 in Hemer, hatte schon immer ein großes Interesse an der Kunst und der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Umwelt. Während der Schulzeit belegte sie Zeichen, Mal und Radierkurse an der Kunstschule Iserlohn und begann 2007 das Kunststudium an der Kunstakademie Münster. Zeitgleich begann sie parallel Biologie und Sportwissenschaft an der Uni Münster zu studieren. Diese Fächer sorgten oft für Inspirationsquellen und zeichnen sich auch in der Kunst von Jana ab. Desweiteren war und ist das Reisen eine wichtige Inspirationsquelle. 2004 ging es für ein Austauschjahr nach Ohio in Amerika und 2011 für ein Semester nach Australien zum studieren.
1987 geboren in Hemer, Germany
2007-2011 Bachelorabschluss in Biologie und Sport an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
2007 Studium der Künste an der Kunstakademie Münster, H.-J. Kuhna, I. Hohenbüchler
2011 Austauschprogramm an der University of Sydney, Australia
Einzelaustellungen
2009
Quartier 7, Einzelausstellung, Münster
2010
Einzelausstellung „ Er und Sie“, Landesgartenschau Hemer
2011
„Im Verborgenen“, Kunstverein Dülmen, Dülmen
Gruppenaustellungen
2008
Kunst trifft den Sport, Gütersloh
2009
Ausstellung Jugend Kunstverein Hemer
2010
„Herakles“, Finanzamt Münster
2010
Gruppenausstellung des Kunstverein Hemer, Sparkasse Iserlohn und Landesgartenschau Hemer
Über been out, vol. 1
been out, vol. 1 ist ein spartenübergreifendes Ausstellungslabor für junge Gegenwartskunst und künstlerische Innovationen aus den Bereichen zeitgenössischer Kunst, Medienkunst, digitaler und Gegenwartskultur. In Zeiten von Crossmedia und viralem Marketing fragt been out, vol. 1, organisiert von Bohème Précaire in Kooperation mit 2010LAB.tv, danach, wie die Kunst der „Digital Natives“ aussieht. Wie reflektiert Kunst dieses kulturelle Phänomen, wie arbeitet sie mit ihm, geht sie mit ihm um, reagiert sie?
Aufbrechen, die Perspektive wechseln, nach draußen gehen – been out, vol. 1 – das dritte Bohème Précaire-Festival für junge Gegenwartskunst – bedeutet:
Bewegung. Weg vom elitären Kunstbegriff, hinein in den Stadtraum. Gemeinsam mit den KünstlerInnen unternimmt "been out, vol. 1" den Versuch, eine neue Art von interdisziplinärem Wissen durch Austausch und kollaboratives Arbeiten zu erschaffen, neue Positionen zeitgenössischer Kunst vorzustellen, zukünftige Projekte zu konzipieren und sie umzusetzen. Im Mittelpunkt des Calls steht die Auseinandersetzung von künstlerischen Strategien mit öffentlichen, urbanen Räumen.
kunst.labor ist die Online-Galerie von been out, vol. 1.
Weitere Informationen: www.bohemeprecaire.com
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