
Mikrokredite für Kreativwirtschaftler - GLS Bank in Bochum vom eigenen Erfolg überrascht
Wie aus Ideen mit Geld mehr Geld wird
Die GLS Bank in Bochum war selbst überrascht von dem Erfolg der Mikrokredite – Kleinkredite für Existenzgründer ohne bankübliche Sicherheiten. Statt der angepeilten 1.500 Einzelkredite gelang es im vergangenen Jahr, 4.500 Kreditnehmer mit Kapital für Unternehmen vom Kiosk über Grafiker bis zum Architekturbüro auszustatten.
Ursprünglich als Konzept für Entwicklungsländer gedacht, ist es inzwischen auch im Ruhrgebiet erfolgreich. Die Region ist ja in gewisser Hinsicht auch ein Entwicklungsland – mit der Kreativwirtschaft als Hoffnungsträger.
Transfergeschichte

In Deutschland entschloss sich die Bundesregierung 2010, mit einem Fonds von 100 Millionen Euro Mikrokredite zu fördern. Die GLS Bank vergibt diese Gelder zwar exklusiv, die Kreditbetreuung machen aber so genannte Mikrofinanzinstitute. Die GLS akquiriert die Mikrofinanzinstitute, kann sich aber selbst über ein geringes Risiko, eine minimale Ausfallquote bei maximalem Erfolg durch positive PR freuen. Nur Geld verdienen lässt sich mit Mikrokrediten nicht, meint Christof Lützel, Pressesprecher der GLS Bank, mit dem wir sprachen.
Bankgeschäft (fast) ohne Risiko
Trotz großer Nachfrage bewegen sich Mikrokredite, auf das Gesamtkreditvolumen der GLS Bank bezogen, im einstelligen Prozentbereich. Und: Die Mikrokredite folgen nicht den üblichen Standards der GLS Bank. Christof Lützel führte dazu aus: „Der Gesamtsumme von etwa dreißig Millionen Euro für 
Man könnte die Mikrokredite also als eine Art Sondergeschäft der Bank bezeichnen, ein Sondergeschäft ohne nennenswerten Ertrag. Das ist ja für eine Bank schon mal ungewöhnlich.
Die Kleinen profitieren
Die Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet profitiert in jedem Fall von dem unbürokratischen und schnellen Zugang zum Kapital durch die Mikrokredite. Wenn Christof Lützel auch zustimmt, dass die klassische Kultur- und Kunstszene nur selten Mikrokredite in Anspruch nimmt. „Kulturinstitutionen kommen für Mikrokredite in Frage, sofern sie auch Gelder erwirtschaften. Für klassische Kulturprojekte ist daher die Stiftung der GLS Bank mit einem Volumen von 4,5 Millionen Euro der passendere Ansprechpartner“, meint er. Ausstellungen, ein Kunstprojekt, ein Theater oder eine Tanzgruppe, also der Teil der „Kreativwirtschaft“, der eher auf kreativ als auf wirtschaften Wert legt, kommt für Mikrokredite nicht in Frage. Andere Bereiche der Kreativwirtschaft – Architekturbüros, Buchhandlungen, Fotostudios, kleine Verlage, Zeitschriften oder T-Shirt Designer – dagegen sehr. Sie nehmen das Angebot dankend an.
Brottüten und Architekten

Diverse kleine Verlage, Internetportale oder Kreativbüros haben durch Mikrokredite den notwendigen Schubs ins Wirtschaftsleben bekommen – wer genau, wann und wie viel kann im Bankspiegel der GLS Bank auch im Internet nachgelesen werden.
Die Kreativwirtschaft im Ruhrgebiet hat was und will was. Sie hat Ideen. Und sie will Geld, um diese zu verwirklichen. Bisher eine Erfolgsgeschichte für die allermeisten der Kleinunternehmer und auf jeden Fall auch für die GLS Bank. Und: Solche Geschichten verbessern vielleicht auch wieder das Image der Banker, das in der letzten Zeit in punkto Beliebtheit ja noch hinter Beamten und Politikern landete.
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