Monument of Humanity by Mehmet Aksoy

Menschlichkeitsdenkmal wegen politischem Spiel abgerissen

Kunst & Freiheit in der Türkei: Eine Fallstudie

Wenn wir an Kunst & Freiheit in der Türkei denken, kommt uns der Abriss des Menschlichkeitsdenkmals des bekannten türkischen Künstlers Mehmet Aksoy in den Sinn. Die Skulptur, die in Kars - einer Stadt in der Nähe der Grenze zu Armenien im Nordosten der Türkei - errichtet werden sollte, wurde im Jahr 2011 noch vor ihrer Fertigstellung abgerissen nachdem der Premierminister sie als "grauenvoll" bezeichnet und sie als ein Affront gegen ein 11. Heiligtum der Gegend deklariert hatte.    


Das Menschlichkeitsdenkmal als Geste der Versöhnung
Mehmet Aksoy, ein bekannter türkischer Künstler, dessen Leben in der Dokumentation "The Luminous Sculptor: Mehmet Aksoy" gezeigt wird, wurde vom ehemaligen Bürgermeister von Kars damit beauftragt, eine Statue bzw. ein Denkmal als Geste der Versöhnung mit Armenien zu schaffen, um ein ganzes Jahrhundert der Feindschaft beizulegen. Der Künstler begann mit der Arbeit an diesem Projekt, bei dem es darum ging, eine Statue mit zwei menschlichen Figuren mit mehr als 30 Meter Höhe auf einem Berg in Kars zu errichten, so dass man das Werk von der anderen Seite der Grenze sehen konnte. Nach der Fertigstellung sollte eine der Figuren die Hand nach der anderen als Geste von Freundschaft und Versöhnung ausstrecken.
 

Wann wird ein Denkmal politischer Diskriminierung ausgesetzt - das Wieso und Warum der Diskriminierung 

Es hatte bereits im Vorfeld Kritik zur Anfertigung der Statue gegeben - es ist selten, dass ein Denkmal von allen direkt positiv angenommen wird; die Einwände kamen überwiegend aus den Reihen der Nationalisten - zu dieser Zeit war bereits absehbar, dass es zu einer neuen Verbindung und einer besseren Verständigung zwischen der Türkei und Armenien kommen würde. Die Geschichte der Statue sah einem Happy End entgegen bis der türkische Premierminister Anfang letzten Jahres nach Kars reiste. Als der Premierminister Recep Tayyip Erdoğan - der in diesem Jahr für den deutschen Steiger Preis nominiert wurde, ihn aber nicht erhielt - besuchte die östliche Provinz von Kars. Als er die noch unfertige Statue sah, nannte er sie "grauenvoll" und legte eine Sprache an den Tag, die eine Person mit etwas Respekt für Kunst nicht einsetzen würde.   Darüber hinaus erklärte er, das Denkmal überlagere die historischen Sehenswürdigkeiten der Gegend und dass die Statue auf einer alten Militäranlage aus dem 16. Jahrhundert stünde und sie durch einen schönen Park ersetzt werde. All diese "Ausreden" schienen jedoch von der Tatsache außer Kraft gesetzt, dass Aksoy vom Bürgermeister beauftragt worden war, der alle diese Aspekte über das Gebiet gekannt haben musste. Was in den Ohren haften blieb war die Wahl des Premierministers, einen "schönen" Park anstatt einem "grauenvollen" Kunstwerk zu errichten ... .

 

Es braucht Jahre, Kunstverständnis aufzubauen - aber nur Sekunden, um es zu zerstören

Die Angelegenheit warf folgende Fragen auf: Hat der Premierminister überhaupt das Recht, die Skulptur abreißen zu lassen? War es eine strategische Entscheidung des Premierministers, um die Sympathie der Nationalisten zu gewinnen? Verhielt es sich einfach so, dass die Skulptur zum Werkzeug in einem politischen Spiel wurde, in dem jeder neue Politiker hart darum kämpfte, die Bemühungen seines Vorgängers auszulöschen? Einige dieser Fragen haben sich die Menschen bereits selbst beantwortet aber es gab kein offizielles Statement seitens der Regierung. Aksoy, dessen öffentliche Skulpturen in der Vergangenheit zum Teil zensiert wurden (wie z.B. bei den vier öffentlichen Skulpturen einer nackten Frau und einer Gans, die als Symbol für Kars gilt, die auf Anweisung des neuen Bürgermeisters der regierenden Partei AKP abmontiert und eingelagert wurde), schloss daraus, dass "alle Ministerien auf den Befehl einer einzigen Person hören", da sie einem Antrag folgten, der darauf beruhte, dass die Skulptur "illegal"(sofern das überhaupt möglich ist, da die beauftragende Partei alle Rechte inne hatte) in einem geschützten Gebiet errichtet worden sei. Darüber hinaus wurden die Richter, die den Abriss aufhalten wollten, zu anderen Orten transferiert, was Aksoys Beobachtung bestätigt, dass "auch die Justiz auf einer Seite ist".  

 

                        

 

Obwohl ein kleiner Bezirk in Zentral-Anatolien und auch Izmir angefragt haben, die Statue in ihr Gebiet zu bringen, begann der Abriss vor ziemlich genau einem Jahr Mitte April und war Mitte Juni fertig. Der Fall wirft jede Menge Fragen zur Situation von Kunst und Freiheit in der Türkei und wurde jetzt an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte übergeben. Die Statue nahm dabei den Mittelpunkt der Diskussion in der Stadt Kars ein, wo ein sehr niedriges Einkommensniveau pro Kopf verzeichnet wird und weitere Spannungsherde herrschen - es scheint fast so, als brauche die Stadt die fehlende Hand der Statue, die sich nach den Einwohnern ausstreckt, wenn auch nur auf metaphorische Art und Weise ... .     

                                                * Das Bildmaterial stammt von der offiziellen Website des Künstlers.

Im Video beschweren sich die jungen Menschen aus Kars über die Entscheidung des Premierministers, das Menschlichkeitsdenkmal entfernen zu lassen. Sie sagen, es gebe viele andere Probleme, die Aufmerksamkeit benötigten, wie z.B. die Wohnsituation für Studenten ... wenn das Denkmal fertiggestellt worden wäre, hätte es sich positiv für den Tourismus der Stadt auswirken können ... .

Do, 26.04.2012 0

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05.05.2011

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