
Memphis to Austin, SXSW
- Serie: Ökonomie
Wir sind in Austin, Texas. Hier findet in dieser Woche das South by Southwest - Festival statt. Nach endlosen 15 Stunden im Auto, von Memphis quer durch Arkansas, sind wir mitten in der Nacht hier angekommen. Unsere Show ist mittags um halb eins, wir spielen in einem Kaffeehaus in Downtown-Nähe.
Das Konzert läuft gut, wir spielen unsere dreißig Minuten und verkaufen ein paar CD´s. SXSW geht heute in den letzten Tag, einige hundert Bands haben bereits überall in der Stadt gespielt.
SXSW ist das grösste Festival zum Beginn des Frühlings und es ist gleichzeitig eine Musikmesse, bei der der sich Labels und Firmen aus dem Musikgeschäft vorstellen und ihre Künstler präsentieren können.

Zum ersten mal seit endlosen Meilen sehe ich normale, gesunde Menschen.
Die Reise über die Interstate von Memphis hierher habe ich als verstörend empfunden. Meile um Meile auf der Autobahn geradeaus im relativ dichten Verkehr mit gigantisch grossen Trucks, die Lebensmittel über die riesigen Weiten zu den ewig hungrigen Städten transportieren.

Rastplätze an der Interstate sehen über hunderte von Kilometern gleich aus.
McDonalds, Wendy´s, Subway, überall gibt es das gleiche Essen, alles ist billig und verschwenderisch.
Ein kleiner Kaffee (ca 0,4 Liter) kostet zwanzig Cent weniger als ein Ein-Liter Becher, je gösser die Burger, desto billiger sind sie.
Portionen mit 50 Chicken-Nuggets kosten 10 Dollar. Wenn sich die unglaublich fetten Männer, Frauen und Kinder aus ihren Allradtrucks gleiten lassen, dann lassen sie wärend des tankens und essens die Motoren ihrer Achtzylinder laufen.
Es ist deprimierend und unwirklich

Während des Tages brennt in den Restaurants das Licht,
in der Nacht sind die Städte und Autobahnraststätten beleuchtet wie Weihnachtsbäume.
Ronny bestellt Salat und wir werden mit einer Mischung aus Belustigung und Argwohn betrachtet.
Vermutlich halten sie uns für Kommunisten, die es gemeinsam mit Obama auf den guten alten American Way of Life abgesehen haben.
Waffenläden, Adultstores, religiöse Werbetafeln am Rand der Autobahn.
"Use the rod on your children to save their lives", ist auf einer zu lesen. Schlage deine Kinder um ihr Leben zu retten.
Darunter irgend ein Zitat aus der Bibel.

Amerika, zusammengehalten durch Religion, Angst und endlosen Krieg gegen die Feinde der von Konzernen erfundenen "Freiheit des Individuums" stirbt, das wird mir mit jeder Meile klarer.
Vielmehr, - es ist längst tot, nur die Fassade steht noch und Städte wie Austin sind wie Inseln in einem Meer aus fettiger Selbstgerechtigkeit.
[al]
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Ein erschreckendes Bild!
Ich habe bisher alle der Beiträge eurer Tour gelesen, und das Bild das du da von Amerika aufzeichnest, ist sehr erschreckend und ernüchternd. Gibt es denn da so wenig positives zu berichten? Trotzdem: Mehr davon, es kommt zu selten vor, dass man solche Berichte lesen kann. Aber gern auch etwas mehr über eure Musik! (Die ich allen nur empfehlen kann!)
und da fragt man sich, wo der
und da fragt man sich, wo der ganze Konsumwahn her kommt?