"Medienkunst ist ein strategischer Begriff" - Interview mit HMKV Leiterin Inke Arns (Teil 2)

Im ersten Teil des Interviews ging es um die Medienkunst und ihr Selbstverständnis. Im zweiten Teil des Gesprächs sprachen wir über den White Cube im U, das Ankommen im Kunst-Establishment und was sich dabei ändert.

Christian Caravante: Ist der HMKV „angekommen“ ich meine das im positiven Sinn. Oder droht jetzt die Gefahr der institutionellen Langsamkeit im Kunst-Establishment?

Inke Arns: Man macht sich so seine Gedanken. Vor allem, wenn man jetzt in so einem Gebäude ist, das sehr angestrengt versucht, White Cube zu sein. Leider sieht man nichts mehr von der Geschichte des Gebäudes. Das hier könnte überall sein und auch alles Mögliche sein, etwa ein Kaufhaus. Zumindest ist der White Cube wieder eine neue Herausforderung. Die Phoenixhalle war auch deswegen so gut, weil da an der Substanz nur das Nötigste gemacht wurde und man dem Gebäude ansah, dass es eine Geschichte hatte.
Das ist im U leider nicht der Fall. Was für mich dann aber auch ein Antrieb ist, widerständige Ausstellungen zu machen, gegen diesen White Cube. Daraus speist sich z.B. auch die Idee, Ende des Jahres eine Ausstellung zum Thema Öl zu machen. Die momentane Ausstellung von Breitenfellner spielt mit dem Museumsraum und ist in dieser Hinsicht eigentlich auch ideal.

Die nächste Frage knüpft daran an: Macht der HMKV heute oder ab jetzt andere Ausstellungen und macht er diese Ausstellungen anders?

Wir können jetzt ganz andere Formate zeigen und das ganzjährig. Gruppen- oder Einzelausstellungen hier in der 3. Etage oder in der 6., die wir uns mit dem Museum Ostwall teilen. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass wir die Räume im U als Basis benutzen, um wieder verstärkt in die Stadt rauszugehen.
Anders machen wir die Ausstellungen aber nicht, wir bekommen hier nur endlich das Publikum, das unsere Ausstellungen verdient haben. In der Phoenixhalle mussten wir – wegen der schlechteren Erreichbarkeit des Ortes – um jeden einzelnen Besucher kämpfen. Im Dortmunder U haben wir auf einmal sogar Laufpublikum! Durch die Räume hier können wir, anders als in der Phoenixhalle, auch Einzelausstellungen machen. Einmal im Jahr wollen wir das tun. Und auch einmal im Jahr einen Gastkurator holen, wie z.B. jetzt bei Proto Anime Cut oder der ab Juni beginnenden Gone to Croatan-Ausstellung mit zwei jungen polnischen Kuratoren.

Welche Auswahlkriterien für Themen und Künstler hat der HMKV? Stichwort etablierte vs. eher unbekannte Kunst und Künstler?

Viele Künstler, die hier gezeigt werden, werden nicht von Galerien vertreten. Diese oft sehr politischen Arbeiten sind auch kaum zu verkaufen. Ich wurde gefragt, ob Barbara Breitenfellner denn noch “junge Kunst“ sei. Aber auch am Alter mache ich das nicht fest, ob Künstlerinnen und Künstler in unser Programm passen, das kann auch ein 80-jähriger Phill Niblock sein, ein Experimentalmusiker mit Wohnsitz in Dortmund, der in New York lebt.

Seit der Gründung des HMKV vor 15 Jahren und der beharrlichen Arbeit: hat sich am Stellenwert der Medienkunst in der Region etwas geändert? Und wie wird der HMKV in Deutschland oder Europa wahrgenommen?

Ich glaube, dass das, was hier in Dortmund mit dem HMKV entstanden ist, einmalig ist. Die Gründer Hans Christ und Iris Dressler mit Unterstützung von Kurt Eichler vom Kulturbüro waren mutig und verrückt genug. Ich habe die Anfänge mit großem Interesse von Berlin aus beobachtet und mir gedacht, das ist schon toll, was da in Dortmund entsteht – ein spannendes inhaltliches Programm. Mit großer Hartnäckigkeit haben sie viel erreicht und Hartware auf die Landkarte gesetzt.
In Dortmund lernt man viel mehr über Deutschland und die Welt als in Berlin. Und dass hier so etwas wie Hartware existiert, liegt daran, dass Kulturpolitiker der Stadt und der Region – anders als in Berlin – sich überlegen müssen, was es hier für Alleinstellungsmerkmale gibt. Hier ist etwas entstanden, das es in einer gesättigten Stadt wie Berlin bis heute nicht gibt.

Danke für das Gespräch.
 

Fotos: Titelfoto Pressestelle HMKV / andere: moi


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Do, 17.03.2011 0

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25.03.2010

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