
„Medien und Menschenwürde“ – Die Medienversammlung.NRW
Über Casting Shows, Cybermobbing, scripted reality und anderes "mit Medien"
Die Rot-Grüne Landesregierung will die vor fünf Jahren eingestellte Reihe „Medienversammlung.NRW“ fortführen, ein Pendant zum Medienforum.NRW, das aber verstärkt auch Mediennutzer einbindet – Stichwort „Partizipation“. Am 3. Juli 2012 fand also ein Testlauf statt, beäugt von einiger Polit- und Medienfachmann-Prominenz.
Worum es geht
Bereits im Juli 2011 hatte die Landesanstalt für Medien (LfM), deren Tochtergesellschaft LfM Nova GmbH auch Veranstalter der Medienversammlung ist, ein Gutachten zur Menschenwürde im Fernsehen veröffentlicht. Hieran orientierte sich ein Großteil des Programms im Kölner Mediapark: Wie steht es mit Selbst- und Fremdbestimmung in Casting Shows, Dokumentationen und Reality TV? Wer ist wann zuständig, wenn eine Anstalt in einer Sendung oder einem Konzept die Menschenwürde verletzt sieht? Braucht es mehr Coaching und Medienkompetenz auch für Erwachsene, die in den Medien auftauchen? Und ebenso: Wenn all diese Fragen schon nur schwierig für das Thema Fernsehen zu beantworten sind, wie steht es dann mit Selbst- und Fremdbestimmung im Internet?
„Sei doch froh, wenn Du mal ins Licht kommst!“

Simone Dietz unterscheidet in ihrem Vortrag klar zwischen „Menschenwürde“ und „Personenwürde“, um die Unbedingtheit der Menschenrechte, also auch das Selbstbestimmungsrecht, zu unterstreichen. „Personenwürde“ hingegen ist in Abhängigkeit vom gesellschaftlichen Kontext zu sehen. Eine entscheidende Frage also: Wann greift wer ein – oder lässt man Erwachsene grundsätzlich mal alles miteinander machen, solange es nicht explizit verboten ist? Da kann es natürlich kulturelle Unterschiede geben... Simone Dietz abschließend: "Eine würdige Gesellschaft braucht eine Öffentlichkeit, in der die Menschen als selbstbestimmte Akteure respektiert werden, in der sie eine faire Chance auf würdige Selbstdarstellung bekommen – und keine Bühne der Eitelkeiten für die im Licht und der Demütigung für die im Schatten."
„Die Super Nanny“, „Frisch Verliebt“, „DSDS“ und … „Zapp“

Und dann lässt Elli Erl, einigen bekannt von „DSDS“, zunächst ein Gesangs-Video von sich zeigen und steht dann auf der Bühne (?) Rede und Antwort. Ist das die Art Partizipation, die Hannelore Kraft meinte, als sie sagte, man wolle „aus Betroffenen Beteiligte machen“? Ist das noch „Aufmerksamkeitsökonomie“ oder schon Mitbestimmung? Eine schwierige Gratwanderung ist das in diesem Teil der Veranstaltung auf jeden Fall. Zu einem ähnlichen Thema sagt Irmela Hannover im Laufe der Veranstaltung: "Manche glauben inzwischen, alles sei nur noch scripted reality und es gäbe gar keine Wirklichkeit mehr im Medienbereich."
Die Kriege in den Wunschmaschinen

Konkrete Vorhaben der LfM in nächster Zeit: Mehr programmbegleitende Inhalte und Feedback-Möglichkeiten, ein „Durchklagen“ eines Falles durch die Instanzen, Bereitstellung von mehr Informationen zu Persönlichkeitsrechten bei Vertragsunterzeichnungen. Letztlich fällt auf: Wer nicht mehr Staat will als gut ist beim Eindämmen von Persönlichkeitsrechtsverletzungen durch private (wie ja auch staatliche) Anbieter, sollte mit gutem Beispiel vorangehen und ganz partizipativ einfach mal da sanktionieren, wo die Menschenwürde verletzt wird oder auch nur schwerwiegend die Regeln des Anstands.
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