
Manifest der Avantgarde
Fotoausstellung über das Essener Moltkeviertel
Die Stadt Essen war 1911 sehr stolz, die Königliche Baugewerkschule, das heutige Robert-Schmidt-Berufskolleg, im Essener Moltkeviertel errichten zu dürfen. Der Stadtplaner Robert Schmidt (Foto oben) ließ es als geistigen Mittelpunkt des Viertels von Edmund Körner erbauen. Die Baugewerkschule war der Startpunkt für gutes und engagiertes Bauen im Viertel, das ein Paradebeispiel der Reformarchitektur werden sollte. In der Ausstellung „Das Moltkeviertel in alten Ansichten – Manifest der Avantgarde“ lässt der Bürgerverein Moltkeviertel noch bis 18. Januar 2012 seine Geschichte in bisher auch unveröffentlichten historischen Bildern und Luftaufnahmen Revue passieren.
„Das städtische Engagement für unser Viertel ist heute nicht mehr ganz so groß“, berichtet Sabine Rothe vom Vorstand des Bürgervereins bei einem Interview in der Ausstellung. „Das Viertel wird von dieser Seite eher sträflich behandelt. Grünflächen bleiben ungepflegt und sogar Bauwerke verfallen.“ Dem Bürgerverein Moltkeviertel ist es ein Anliegen, den ursprünglichen Gesamtcharakter des Viertels zu erhalten. So arbeitet der Verein seit März 2011 daran, das städtische Bewusstsein für das Viertel am Leben zu erhalten – mit Öffentlichkeitsarbeit, Führungen, Pflege und Säuberungen der Grünflächen, regelmäßigen Treffen und der Ausstellung „Manifest der Avantgarde“.

In der Ausstellung finden sich etwa Bilder vom Camillo-Sitte-Platz im Osten des Viertels. Der einstige Schaugarten verfügte ursprünglich über Blumenbeete und einen Teich mit einer Fontäne in der Mitte. Die Essener Bürger suchten den Garten gern auf, nachdem sie über die Ruhrallee flanierten. Heute ist der Platz eine plane Rasenfläche mit einzelnen Bäumen und Buschwerk. „Mit dieser Art historischer Bilder wollen wir bei den Besuchern das Bewusstsein für die Orte im Viertel wecken. Unser Bürgerverein setzt sich unter anderem deshalb für die Wiederaufwertung und Wiederbelebung der Grünanlagen als Treffpunkte für alle ein“, sagt Sabine Rothe. Sogar Spielflächen, Tennis- und Turnplätze, die heute noch stehen, plante Stadtplaner Robert Schmidt im Viertel. Die Fotos zeigen sie vor den großbürgerlichen Villen.


Das Eingangstor des Moltkeviertels soll schöner werden
Auch das Entrée des Moltkeviertels, die Moltkebrücke, ist in Bildern dargestellt. „Leider hat auch hier die Stadt wenig Interesse an der Restauration der Brücke, etwa seiner Lampenkörper oder Brückengeländer“, berichtet Sabine Rothe. „Wir würden die Leuchtkörper gerne wieder neu produzieren lassen, damit das Eingangstor zum Viertel wieder zum Schmuckstück wird.“
Der Bürgerverein Moltkeviertel will nicht nur bei der Stadt Essen, sondern auch bei den Hausbesitzern selbst Verantwortung für ihr Viertel und die Verständigung untereinander wecken. „Es müssen sich nur alle etwas mehr bemühen“, so Sabine Rothe, „dann können wir ‚gutes Bauen‘ noch deutlicher machen.“
Die Ausstellung „Das Moltkeviertel in alten Ansichten – Manifest der Avantgarde“ ist noch bis zum 18. Januar 2012 in der Moltkestraße 46 zu sehen. Um Anmeldung wird gebeten unter 0201/511516.
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